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Armenien/Aserbaidschan

Kämpfe in Berg-Karabach: Iran warnt vor "regionalem Krieg"

Ein Bild aus dem aserbaidschanischen Dorf Djojugh nahe der umstrittenen Region Berg-Karabach.
Ein Bild aus dem aserbaidschanischen Dorf Djojugh nahe der umstrittenen Region Berg-Karabach.APA/AFP/TOFIK BABAYEV
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In Berg-Karabach gehen die Kämpfe weiter. Der Iran versucht sich als neutraler Vermittler zu positionieren. Der russische Präsident Putin betont erneut, seinen Verbündeten Armenien zu unterstützen.

Der iranische Präsident Hassan Rohani hat im Berg-Karabach-Konflikt im Südkaukasus vor einem regionalen Krieg gewarnt. "Wir sollten höllisch aufpassen, dass aus diesem Konflikt kein regionaler Krieg wird, denn von dem würde definitiv keiner profitieren", sagte Rohani am Mittwoch. Dies habe er "klar und deutlich" auch dem Präsidenten Aserbaidschans sowie dem armenischen Premierminister mitgeteilt.

"Mit Gewalt kann man Probleme nicht lösen, da gibt es andere Wege", so der Präsident im Staatsfernsehen. Ohne die Türkei bei Namen zu nennen, übte Rohani Kritik an der Politik der Türkei in dem Konflikt. "Unter irgendwelchen Vorwänden Terroristen, die wir in Syrien bekämpft und besiegt haben, an die Front und damit an Irans Grenzen zu schicken, ist inakzeptabel", sagte Rohani. Dieser Konflikt müsse friedlich und politisch gelöst werden und Teheran sei bereit, diesbezüglich als Vermittler zu agieren, bekräftigte der iranische Präsident.

Der Iran steckt im Berg-Karabach-Konflikt in einer politischen Zwickmühle. Mit beiden Ländern pflegt Teheran gute Beziehungen und zieht es daher vor, weiterhin neutral zu bleiben. Auch will man innenpolitisch keine Spannungen, da im Land Millionen von iranischen Aseris und mehr als 150.000 Armenier leben. Anders als die Armenier stehen die Aseris in dem Konflikt auf der Seite ihrer "muslimischen Brüder" in Aserbaidschan. Die islamische Republik erkennt das territoriale Recht Aserbaidschans in Berg-Karabach zwar an, hat aber politisch bessere Beziehungen zu Eriwan. In den vergangenen Jahren hat insbesondere die Zusammenarbeit Bakus mit Erzfeind Israel zu Spannungen zwischen den beiden islamischen Nachbarländern geführt.

Putin spricht von „Tragödie"

Auch Russland hat beste Kontakte in beide Länder. Armenien gilt allerdings als enger Verbündeter. Präsident Wladimir Putin sieht die Lage in der Konfliktregion mit Sorge. "Das ist eine Tragödie. Wir sind sehr besorgt", sagte er am Mittwoch im TV-Sender Rossija-24. Auf beiden Seiten würden Menschen sterben, und es gebe Verluste.

Nach Putins Angaben leben in Russland etwa zwei Millionen Aserbaidschaner und mehr als zwei Millionen Armenier. "Viele russische Bürger haben enge, freundschaftliche und verwandtschaftliche Beziehungen zu beiden Republiken."

Putin telefonierte dazu bereits mit dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan. Am Mittwoch sprach Putin an seinem 68. Geburtstag mit seinem aserbaidschanischen Kollegen Ilham Aliyev. Dabei ging es nach aserbaidschanischen Angaben auch um den Konflikt in Berg-Karabach. Details wurden zunächst nicht bekannt.

In einem Vertrag ist geregelt, in welchen Fällen Russland seinen Verbündeten etwa bei einer Bedrohung unterstützt. "Wir haben unsere Verpflichtungen stets erfüllt - und werden sie auch weiterhin erfüllen", sagte Putin. Die Kämpfe seien derzeit aber nicht auf dem Staatsgebiet Armeniens.

Schwere Kämpfe

In der Konfliktregion ist es allen Friedensforderungen zum Trotz zu neuen schweren Kämpfen gekommen. Am Mittwoch seien die Gefechte entlang der gesamten Front fortgesetzt worden, teilte Aserbaidschans Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Baku mit. Mehrere Dörfer und Städte seien beschossen worden.

Nach armenischer Darstellung versuchten Truppen des verfeindeten Nachbarlandes, im Südosten des Konfliktgebietes an der Grenze zum Iran weiter vorzurücken. Armenien habe mit Angriffen darauf reagiert, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Eriwan erklärte, es habe dabei viele Tote auf aserbaidschanischer Seite gegeben. Baku bestritt das und behauptete wiederum, Soldaten der armenischen Armee würden sich wegen Problemen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln zurückziehen. All diese Informationen lassen sich nur schwer überprüfen, weil es keine unabhängigen Beobachter in der Konfliktregion gibt.

Die Behörden der international nicht anerkannten Republik Berg-Karabach sprachen zuletzt von 240 getöteten Soldaten seit Beginn der Kämpfe vor rund anderthalb Wochen. Die aserbaidschanische Seite hat bisher keine Angaben zu Verlusten in den eigenen Reihen gemacht. Sie gab die Zahl getöteter Zivilisten mit zuletzt 27 an. Armenien schätzt, dass bereits mehr als 3700 armenischen Soldaten umkamen.

Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Armenien und Aserbaidschan kämpfen schon seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145.000 Menschen leben. Die neuen Gefechte sind weitaus heftiger als die Auseinandersetzungen in den Jahren zuvor. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld an der jüngsten Eskalation.

(APA/dpa)