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Büromarkt: Coronakrise hinterlässt erste Spuren

Großvermietungen gleichen Nachfragerückgang aus.

Der Coronakrise hinterlässt auf dem Wiener Büromarkt erste Spuren. Die Nachfrage ist laut EHL spürbar zurückgegangen, weil einige Unternehmen bereits weitgehend fixierte Umzugspläne vorerst on-hold gestellt haben. In den Marktkennzahlen schlage sich dies aber vor allem wegen Großvermietungen vorerst noch kaum nieder.

In den ersten drei Quartalen lag die Vermietungsleistung mit 145.000 m2 um nur etwa 12 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten EHL-Büromarktbericht hervorgeht. "Insgesamt hat der Büromarkt seit dem Corona-Ausbruch veränderte wirtschaftliche Umfeld bisher gut verkraftet", so Stefan Wernhart, Geschäftsführer der EHL Gewerbeimmobilien GmbH.

Laut dem Gewerbeimmobilienberater CBRE war das dritte Quartal mit
rund 87.000 m2 neu vermieteter Büroflächen das bisher stärkste des
Jahres und auch stärker als das dritte Quartal 2019, in dem rund 60.000 m2 vermietet wurden. Allerdings seien 70 Prozent, also rund 60.000 m2 auf zwei Großvermietungen in der Lassallestraße zurückzuführen", so Patrick Schild, Head of Agency bei CBRE Österreich. Bis Jahresende sollten es rund 180.000 m2 sein, nach 216.000 m2 im Jahr davor. Auf Basis der aktuellen Suche und des eingeschränkten Angebots an zentralen und modernen Büroflächen erwartet CBRE bis etwa Mitte 2021 noch unterdurchschnittliche Vermietungszahlen.

"Danach sollten die Büronutzer sowohl durch neues attraktives Neuflächenangebot als auch durch den erhofften Wirtschaftsaufschwung
zu Neuanmietungen bereit sein", erwartet Schild. Heuer sollten in Wien rund 155.000 m2 neue Flächen fertiggestellt werden, der Großteil davon ist bereits vorverwertet. Der Leerstand dürfte sich bis Jahresende weiter verringern und bei 4,6 Prozent liegen. EHL rechnet damit, dass in den nächsten sechs bis neun Monaten einige Büroflächen zurückgestellt bzw. zur Untervermietung angeboten werden.

Die Spitzenmiete (in der Wiener Innenstadt) sehen die beiden Immobilienunternehmen stabil bei rund 25,00 Euro netto im Monat.

Remote Working

Corona werde den Büromarkt mittel- bis langfristig spürbar beeinflussen: "Es zeichnen sich zwei Trends ab, die sich quantitativ in etwa ausgleichen werden", so EHL-Gewerbeimmobilien-Geschäftsführer Wernhart. Durch Remote Working würden Flächeneinsparungspotenziale durch eine Reduktion der fixen Büroarbeitsplätze frei und statt Großraumbüros wieder mehr kleinteiligere Strukturen benötigt, um die Abstände zwischen den Schreibtischen zu erhöhen und zusätzliche Kommunikationsflächen zu schaffen. Laut CBRE werden Büroprojekte zurzeit an die neuen Anforderungen am Arbeitsmarkt angepasst - "Büroflächen werden kommunikativer und Arbeitsplätze nach New Work Prinzipien ausgerichtet und gestaltet".

(APA)

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