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Filmkritik

„Robolove“: Roboterliebe für Anfänger

(c) NGF - Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion GmbH
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Maria Arlamovskys Doku begleitet Menschen, die Androiden bauen: Immer noch gruselig.

Der Mensch drückt einen Knopf, der Roboter erwacht. Wie ein aus dem Schlaf gerissenes Frankensteinmonster schnellt er hoch. Ruckartig. Man könnte fast sagen: geistesabwesend. Sein Impulsgeber richtet Haare für die Kamera. Auch bei Maschinen zählt ein gepflegtes Äußeres.

Wobei: Die Bezeichnung „Maschine“ würden sich die Protagonisten der österreichischen Doku „Robolove“ wohl verbitten. Sie bevorzugen den Begriff „Android“, weil er Menschenähnlichkeit impliziert. Diese Ähnlichkeit kann man auf zwei Arten herstellen: Indem man Organismen aus Metall und Silikon fertigt, die KI-bedingt lernfähig sind und uns, wenn man eineinhalb Augen zudrückt, zum Verwechseln ähnlich sehen. Oder indem man den Menschen als Maschine deutet, das Hirn als Prozessor, unser Gedächtnis als Festplatte – wie es besonders im Umfeld von Silicon Valley beliebt ist.

In Maria Arlamovskys kurzweiligem Streifzug durch globale Androidenschmieden passiert beides. Wir sind eh nur Tiere, aber dank Werkzeug auch Cyborgs, meint etwa der japanische Robotiker Hiroshi Ishiguro, dessen schwarze Tolle an Andy Warhol erinnert. Die Durchsetzung künstlicher Lebewesen sei eine ausgemachte Sache. Aber wozu eigentlich? Weil wir neugierig sind, meinen manche. Weil Bots den Alten und Vereinsamten authentische Gesellschaft leisten könnten, sagen andere. Und die Propheten unter den Befragten? Fantasieren von Körperwanderung und Unsterblichkeit.

 

„Lebende“ Frauenpuppen nach Maß

Dass es oft männliche Techno-Pygmalions sind, die hier „lebende“ Frauenpuppen nach Maß basteln, bleibt nicht unkommentiert. Arlamovsky bleibt im Off und weitgehend neutral, lässt Kunststoffgesichter für sich sprechen. Der Eindruck des Absurd-Unheimlichen lässt sich nicht abschütteln. Roboter, Vorboten des digitalen Bewusstseins, Prototypen künftiger Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine? Derweil wirkt das Gerede vom Ende der Einsamkeit in einer aseptischen Zukunftsgesellschaft großteils wie PR für den Verkauf besserer Blechbüchsen. Und manchmal wie ein gruseliges Menetekel für den Untergang des Sozialen. Denn bei aller Liebe: Mit Liebe hat das alles nur wenig zu tun. (and)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2020)