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Neuvorstellung

Mercedes EQV: Im Mannschaftsbus zur Klima-Demo

Nahezu lautlos und Platz für sieben Passagiere: Mercedes EQV in der „Seestadt“ Wien Aspern.
Nahezu lautlos und Platz für sieben Passagiere: Mercedes EQV in der „Seestadt“ Wien Aspern.(c) Carsten Rehwedder
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Auch die größeren Formate werden elektrifiziert – neben Transportern für den städtischen Verteilerverkehr auch „Premium“-Geschöpfe wie die V-Klasse von Mercedes.

Wien. Preisfrage: Wie viel würde der Akku wiegen, mit dem ein elektrisch angetriebener Lkw – gibt es noch nicht, aber nur als Gedankenspiel – 300 Kilometer weit kommen soll? Die Antwort errechnete ein Professor der TU Wien bei einem Vortrag im letzten Jahr: acht Tonnen.

Es würde sich also der eigene Energiespeicher einen empfindlichen Teil der Nutzlast einverleiben – wohl kaum zur Begeisterung der Frächter. Welche Perspektiven die Brennstoffzelle mit Wasserstoff als Energieträger dem Schwerverkehr eröffnet, das erörtern wir in Kürze.

 

Premium-Großraum

Im kleineren Format, bei den Transportern, hat die Voll-Elektrifizierung indes schon eingesetzt. Soeben fuhr der PSA-Konzern seine Palette an Batterie-elektrischen Nutzfahrzeugen vor. Auch Mercedes hat seine Kastenwagen Vito und Sprinter bereits mit Stecker versehen. Fehlt noch die V-Klasse als Vertreterin der Gattung „Premium-Großraumlimousine“, wie es bei Daimler heißt.

Die V-Klasse ist an sich schon kein leichtes Fahrzeug mit einem Leergewicht von 2150 kg. Als Elektro-Transporter, bei Mercedes EQV genannt, versammeln sich 2635 kg auf der Waage. Der unterflur eingebaute 100-kWh-Akku (effektiv nutzbar sind 90 kWh) wiegt knapp unter 700 kg.

 

Hotel–Shuttle

Um da noch auf eine vertretbare Nutzlast zu kommen, wurde das höchst zulässige Gesamtgewicht auf 3500 kg angehoben, hauptsächlich durch Verstärkungen bei Fahrwerk und Bremsen. Ergibt 865 kg Nutzlast. Ein Kilogramm mehr geladen, und der Mensch am Steuer muss einen Lastwagenführerschein (Klasse C/CE) vorweisen können.

Soviel zum technischen Setting des neuen Transporters, der in lang und extralang (5,37 Meter) erhältlich ist. Wen könnte man sich als Käufer vorstellen? Am ehesten Innenstadt-Hotels, die ihren Gästen einen feinen Shuttle mit lokaler Emissionsfreiheit bieten wollen, ohne für die nächste Zeit Gedanken an mögliche Zufahrts-Restriktionen, wie sie für Dieselfahrzeuge in Deutschland teilweise schon existieren, verschwenden zu müssen. Bis zu sieben (plus Fahrer) finden Platz im vornehm ausgekleideten Innenraum, der für Kistentransporte zu schade wäre.

Gerät der EQV freitags in eine Klima-Demo, wäre es von Vorteil, den E-Antrieb mit einer Aufschrift kundzutun. Denn äußerlich entdeckt man den Unterschied zum konventionellen, also Diesel-Transporter nur bei genauem Hinschauen – am besten an der Stelle, an der sich der Auspuff befindet, oder eben nicht.

 

Stromfuß

Im Fahrbetrieb fällt ein gravierender Unterschied schnell auf: Statt der Hinter- ist beim Elektriker die Vorderachse angetrieben. Bei einem schweren Stromfuß, der die Spitzenleistung (150 kW) und das maximale Drehmoment (362 Nm) abruft, zwitschern in der Folge die Reifen auf dem Asphalt und kommt Leben ins Volant, bevor das Regelsystem einschreitet.

Ist man aber in Schwung, spielt der EQV die Stärken des Elektroantriebs aus: kräftiger Durchzug, kein Diesel-Rumoren, dafür schön elastische Zugkraft und ein Pedal für fast alles, weil man bei entsprechender Voreinstellung kaum mechanisch bremsen muss. Das enorme Gewicht spült so beim Verzögern immer wieder Energie zurück in die Akkus, womit die Wahrscheinlichkeit steigt, die Normreichweite von 348 km annähernd zu erreichen – was in Stadt und Umland möglich erscheint. Auf der Autobahn sollte man es zur nächsten Abfahrt freilich nicht allzu weit haben. Wie bei einer Fahrt zum Flughafen und zurück, beispielsweise.

Gewerbliche Nutzer ziehen die Steuern ab, was einen Listenpreis von 68.080 Euro ergibt, vom Staat sind derzeit noch 12.500 Euro E-Mobilitätsbonus zu holen.

Mercedes EQV (lang)

Maße L/B/H 5140/1928/1901 mm. Radstand 3200 mm. Leergewicht 2635 kg, zul. Gesamtgewicht 3500 kg.
Ladevolumen 1030-4630 Liter.

Antrieb E-Motor, Leistung 70 kW (Dauer), max. 150 kW, max. 362 Nm.
Lithium-Ionen-Batterie, netto 90 kWh.
0-100 km/h in 10,0 sec. Vmax 140 km/h. Ladefunktion AC max. 11 kW, DC max. 110 kW. Vorderradantrieb.

Verbrauch 26,3 kWh/100 km lt. Norm.

Preis ab 81.696 Euro inkl. aller Steuern.

Compliance-Hinweis: Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2020)