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Digitalisierung

Effizienz von Home-Office hängt von Branche ab

Zeit zum Nachdenken.
In kreativen Berufen dürfte die Produkitvität zuhause zulegen.imago images/Westend61
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Grundsätzlich dürfte die Produktivität im Home Office bei kreativen und selbstbestimmten Tätigkeiten steigen, bei eintönigen Arbeiten hingegen sinken. Von zu Hause zu arbeiten sei kein Allheilmittel für alle Unternehmen so Eco Austria.

 
 

Home-Office kann die Arbeit effizienter machen - muss es aber nicht. Ob Mitarbeiter im Teleworking produktiver sind, hängt von vielen Faktoren ab, zeigt eine Auswertung verschiedener Studien durch das wirtschaftsliberale Wirtschaftsforschungsinstitut Eco Austria. Ein Allheilmittel ist es jedenfalls nicht. "Da Home-Office vor allem unternehmensspezifische Vorteile hat, ist es nicht zielführend, eine branchenweit einheitliche Regelung anzustreben", schließt Eco Austria. In Deutschland wird derzeit darüber debattiert, auch in Österreich soll es bald Klarheit geben.

Grundsätzlich dürfte die Produktivität bei kreativen und selbstbestimmten Tätigkeiten daheim eher steigen, bei abhängigen eintönigen sinken. Außerdem gibt es Hinweise, dass die Produktivität nur bis zu 20 Wochenstunden zulegt. Sehr viel hängt aber auch von der technischen Ausstattung - Stichwort Internetverbindung und Datensicherheit - sowie den persönlichen Lebensumständen der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab.

Telearbeit ist bei eintönigen Arbeitsabläufen um bis zu 10 Prozent weniger produktiv, bei kreativen Tätigkeiten um bis zu 20 Prozent produktiver, so ein Experiment in den USA. Ähnliches zeigt eine Studie in Großbritannien, wonach Beschäftigte mit selbstbestimmten Tätigkeiten im Home-Office produktiver sind, Arbeitnehmer mit einem geringeren Grad an Autonomie hingegen weniger produktiv. Eine deutsche Untersuchung zeigt, dass flexible, auf Vertrauen aufbauende Vereinbarungen die Arbeitsproduktivität positiv beeinflussen.

Unterschied bei Dauer von Telearbeit

Auch die Dauer der Telearbeit scheint einen Unterschied zu machen. Bis zu 20 Stunden steigt die Produktivität, danach nicht mehr. Erklären lässt sich diese abnehmende Grenzproduktivität durch zunehmende Vereinsamung, die sich negativ auf die Lebenszufriedenheit auswirken kann. Auch wer einen längeren Anfahrtsweg hat, verzeichnet im Teleworking höhere Produktivitätsgewinne. Diese Erkenntnis aus Japan wird auf den Stress in den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgeführt.

Die gleiche japanische Studie zeigt, dass Telearbeit die allgemeine Lebenszufriedenheit steigert, aber auch zu mehr Stress führt, weil sich Arbeit und Freizeit und Haushaltstätigkeit vermischen. Das senke die Lebenszufriedenheit wieder, nicht aber die Produktivität. Beschäftigte in einem chinesischen Call Center wiederum waren in Telearbeit loyaler, bekamen aber weniger Beförderungen und litten unter Vereinsamung. In Großbritannien zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen Telearbeit und Zufriedenheit sowie Loyalität, vor allem weil der Stress am Arbeitsweg wegfiel. Das machte Firmen mit Telearbeit attraktiver für leistungsstarke und produktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Unternehmen müssen abwägen

In der Covid-Krise rücken andere, langfristige gesundheitliche und wirtschaftliche Überlegungen in den Hintergrund, in dieser Zeit stehen die Vorteile des Home-Office im Blick. Langfristig müsse aber jedes einzelne Unternehmen abwägen, ob die positiven Effekte überwiegen, empfiehlt Eco Austria.

Vor der Krise schwankte nach Zahlen von Eurostat der Anteil der Beschäftigten, die fallweise Telearbeit nutzten, zwischen fünf Prozent in Italien und rund 37 Prozent in Schweden. Österreich lag gemeinsam mit Frankreich mit rund 23 Prozent in der Mitte. In den meisten Ländern hatte es seit 2003 kaum mehr Zuwächse gegeben, in Österreich etwa nur von 18 Prozent auf 23 Prozent. In Deutschland stagnierte der Anteil bei 12 bis 13 Prozent.

Im April 2020 schnellte der Anteil der Österreicherinnen und Österreicher im Home-Office bis auf 42 Prozent hinauf, laut Statistik Austria dürften rund 30 Prozent aller Erwerbstätigen über das gesamten 2. Quartal 2020 von zu Hause aus gearbeitet haben, schreibt Eco Austria.

 

 
 

(APA)