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UNO

Friedensnobelpreis für das Welternährungs-Programm

Hunger und Konflikte gehen oft einher.
Hunger und Konflikte gehen oft einher.REUTERS
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Im Vorfeld wurde über eine Auszeichnung für Greta Thunberg oder die WHO spekuliert. Es wurde aber das World Food Programme der Vereinten Nationen.

Das norwegische Nobelkomitee hat das Geheimnis um den Namen des diesjährigen Preisträgers gelüftet: Ausgezeichnet wird das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Es sei die moderne Version eines Friedenskongresses, so die Begründung in Oslo. Der Mangel an Essen erzeuge Konflikte und Instabilität, der Kampf gegen den Hunger in der Welt dagegen trage dazu bei, Stabilität und Frieden in der Welt zu schaffen. Das sei insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie wichtig.

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen mit Sitz in Rom hat sich "stolz" über die Auszeichnung mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis gezeigt und dem Nobelkomitee "tiefen Dank" für die Ehrung ausgesprochen. "Das ist eine starke Erinnerung für die Welt, dass Frieden und #kein Hunger (#ZeroHunger, Anm.) Hand in Hand gehen", twitterte das WFP kurz nach der Bekanntgabe des Preisträgers am Freitag.

Fast 100 Millionen Menschen werden versorgt

Das WFP versorgt nach eigenen Angaben 97 Millionen Menschen in 88 Ländern mit Nahrungsmitteln. Jede neunte Person auf der Welt habe nicht genug zum Essen. 265 Millionen Menschen sterben jährlich an Unternährung. WFP wurde 1961 gegründet. Neben acht Verbindungsbüros in den wichtigsten Geberstaaten gibt es weltweit über 70 Länderbüros, in denen das WFP die Arbeit vor Ort koordiniert

Die UN-Agentur versorgt Menschen meist nach Naturkatastrophen, Dürren oder gewalttätigen Konflikten. Im Einsatz ist die Organisation aber auch in Gebieten mit dauerhaft schlechter Ernährungslage und führt dort Entwicklungsprojekte durch: So unter anderem das „Food-for-Work-Programme", bei denen notleidende Personen Nahrungsmittel als Ausgleich für ihre verrichtete Arbeit erhalten, die der nachhaltigen Entwicklung dienen – etwa dem Bau von Brunnen oder Bewässerungskanälen.

„Größte Fluggesellschaft der Welt“ 

Der Preis sei eine Anerkennung sowohl für die Mitarbeiter als auch die vielen freiwilligen Helfer und Helferinnen in aller Welt, erklärte der Sprecher des WFP in Genf, Tomson Phiri.

Das WFP habe trotz der weltweiten Reisebeschränkungen Hungrige versorgt. "Wir waren zu einem bestimmten Zeitpunkt die größte Fluggesellschaft der Welt", so Phiri. Das WFP hat Flugzeuge gechartert, nachdem kommerzielle Flüge, die sonst viel Material für das WFP befördern, nicht mehr geflogen waren.

"Wir waren zu einem bestimmten Zeitpunkt die größte Fluggesellschaft der Welt", so Phiri. Das WFP hat Flugzeuge gechartert, nachdem kommerzielle Flüge, die sonst viel Material für das WFP befördern, nicht mehr geflogen waren.

Überraschende Entscheidung

Die Entscheidung ist jedenfalls überraschend. Zuvor waren die Spekulationen hochgekocht: Thunberg oder Snowden, die WHO oder Black Lives Matter, ein Preis für Journalisten oder wieder einer für Friedensstifter in Afrika?

Aber häufig geht der Nobelpreis an Personen oder Organisationen, die international nicht so sehr im Rampenlicht stehen. Man denke an das Quartett für den nationalen Dialog in Tunesien 2015 oder den kongolesischen Gynäkologen und Menschenrechtsaktivisten Denis Mukwege, der in seiner Heimat gegen Gewalt an Frauen kämpft.

Im vergangenen Jahr war der Friedensnobelpreis an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed gegangen, der damit vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea geehrt worden war.

Nominiertenliste bleibt geheim

Insgesamt wurden nach Angaben des Nobelkomitees diesmal 318 Kandidaten für die renommierte Auszeichnung nominiert, darunter 211 Persönlichkeiten und 107 Organisationen. Das ist die vierthöchste Nominiertenzahl seit der ersten Preisvergabe im Jahr 1901.

Die Namen der Nominierten hält das Komitee traditionell für 50 Jahre geheim. Dafür hat aber eine Reihe von Nominierungsberechtigten - dazu gehören Politiker, Akademiker und frühere Friedensnobelpreisträger - enthüllt, wen sie der Jury in Oslo vorgeschlagen haben: Thunberg etwa, aber auch die nach Demokratie strebende Bevölkerung Hongkongs, den Whistleblower Edward Snowden und Wikileaks-Gründer Julian Assange.

Der Friedensnobelpreisträger wird als einziger aller Nobelpreisträger nicht in Stockholm, sondern in Oslo verkündet und geehrt. Verliehen werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag des Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel.

„Ein würdiger Gewinner"

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat jedenfalls die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises an die UN-Organisation begrüßt. Das WFP sei "ein würdiger Gewinner", schrieb Borrell am Freitag auf Twitter. "Mehr als nur Lebensmittel bringen sie Hoffnung und Leben für Menschen in extremem Leid und Armut."

Die EU sei "stolz" darauf, ein führender Beitragszahler zur weltweiten Kooperation des WFP zu sein, die Ergebnisse liefere, betonte der EU-Außenbeauftragte.

„Von Herzen" gratuliert auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen dem WFP. Mit seinem Ziel, den Hunger in der Welt zu bekämpfen, rette das Welternährungsprogramm täglich Leben "in einer Welt, in der eine von neun Personen an Hunger leidet", schrieb der Präsident auf Twitter.

 

(red./Ag.)