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Volle Betten in Kroatien, leere in Rumänien

(c) APA (ART/SOCHOR)
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Die Wirtschaftskrise fordert auch im globalen Tourismus weiter ihre Opfer. Die südosteuropäischen Staaten ziehen eine gemischte Bilanz über die bisherige Tourismus-Saison. Kroatien erzielt Rekordnächtigungen.

Wien. Die Finanz- und Wirtschaftskrise fordert auch im globalen Tourismus weiter ihre Opfer. Das Vorjahr blieb mit 880 Millionen Reisenden um vier Prozent hinter 2008 zurück. Heuer hofft die Welttourismusorganisation wieder auf einen kleinen Zuwachs. Zwei der Verlierer wie auch zwei Gewinner stammen aus der Region südöstlich von Österreich.

Griechenland und die Türkei, historisch nicht gerade befreundet, aber im Gefolge des Zypern-Kriegs 1974 wenigstens in keinen bewaffneten Konflikt verwickelt, stehen im harten Wettbewerb um Touristen, den heuer eindeutig das Land am Bosporus zu gewinnen scheint.

Die regelmäßigen, oft gewalttätigen Proteste gegen Sparmaßnahmen haben tausende Gäste aus Griechenland und von den Inseln in der Ägäis vertrieben. Viele landeten in der Türkei, die in der ersten Jahreshälfte 11,5 Millionen Gäste zählte, um neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

 

Rekordbilanz in Kroatien

Ebenso hoch war der Anstieg in Kroatien, wo allein im Juli 2,7 Millionen Touristen 19 Millionen Nächte verbrachten. Mit diesem Rekord wurde auch die heurige Gesamtbilanz des Urlaubslandes an der Adria aufpoliert: Ein drohendes Minus kehrte sich in einen dreiprozentigen Zuwachs.

Der kroatische Tourismusminister Damir Bajs hatte nur einen Grund zur Vorsicht: Deutsche und Italiener – traditionell die stärksten Herkunftsländer der Kroatien-Urlauber – ließen heuer etwas aus, was sich zumindest im Fall Italiens mit dem soeben begonnenen Ferragosto noch ändern könnte.

Der zweite südosteuropäische Verlierer des Tourismusjahres ist Rumänien. Die Regierung in Bukarest, die unter dem Druck des Internationalen Währungsfonds (IWF) wie jene in Athen scharfe Sparmaßnahmen verfügt und damit Massenproteste ausgelöst hat, ist mit einer kontinuierlichen Abnahme des Touristenstroms konfrontiert.

 

Schwarzes Jahr für Rumänien

Waren in den ersten drei Monaten praktisch ebenso viele Ausländer gekommen wie ein Jahr zuvor, so blieben die Zahlen fürs Halbjahr bei Personen und Nächtigungen schon um 3,5 Prozent hinter der Vergleichszeit 2009. Die höchste Diskrepanz zum Vorjahr ergab sich mit minus 4,5 Prozent im Juni.

Damit dürfte Alin Burcea, Chef der privaten Reiseagentur Paralela45, recht behalten, der schon im Mai gemeint hat: „Es gibt keine Maßnahmen, die auf die Wiederbelebung des Schwarzmeer-Tourismus gerichtet sind.“ Tourismusministerin Elena Udrea habe alle Vorschläge stereotyp beantwortet, mit den knappen Worten: „Es gibt kein Geld.“

Paralela45 zog die Konsequenz und bietet heuer bevorzugt Arrangements in Bulgarien und der Türkei, aber auch in Griechenland an. Burcea befürchtet, dass die Zahl der Schwarzmeergäste von einer Million Menschen heuer um 15 Prozent fallen könnte.

Dabei galt in Rumänien bisher 2009 als das „schwarze Jahr des Tourismus“. Die Zahl der Gäste sank um 16 Prozent auf nur noch knapp über sieben Millionen.

Ungarn, das im Vorjahr ebenfalls einen Rückgang verzeichnet hatte, durfte heuer wieder Hoffnung schöpfen. Allerdings nur leicht: Im ersten Halbjahr 2010 nahm die Zahl der Gäste gerade einmal um einen Prozentpunkt zu, während die Einnahmen um ebenso viel schrumpften. Soll heißen: Die Zimmerpreise befanden sich vor dem Hochsommer im freien Fall.

 

Euro in Ungarn am meisten wert

Ganz besonders stark brachen sie am Balaton ein, dem „ungarischen Meer“, wo mehr Feriendomizile denn je frei waren oder auch gleich zum Verkauf standen.

An den Österreichern lag es nicht. Sie nutzen die Angebote in unserem östlichen Nachbarland am exzessivsten.

Zumal der Euro laut einem internationalen Kaufkraftvergleich in Ungarn am meisten „wert“ ist: Für 100 Euro bekommen Touristen den Gegenwert von 153 – weit mehr als in Tschechien, der Slowakei und Polen, den nächsten Ländern in der Reihung der Statistik Austria. Kein Wunder, dass die Zahl der Ungarn-Reisenden aus Österreich um sieben Prozent zugenommen hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2010)