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Die Welt bis gestern

Südtirol: Paula schlägt sich durch

Das Mädchen Paula war für ihre vier jüngeren Brüder wie eine zweite Mutter.
Das Mädchen Paula war für ihre vier jüngeren Brüder wie eine zweite Mutter.Privatarchiv Morandell Mila Pavan
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Die Flucht der jungen Paula war „nur“ ein Einzelschicksal. Sie steht aber für eine ganze Generation von Südtirolern, die zwischen die Mühlsteine der Geschichte geriet.

Emotional zerrissen war Österreich an diesem 10. Oktober 1920. Triumph stand neben Tragödie. „Die Gefühle ganz Österreichs sind bei den Kärntnern“, schrieb die „Neue Freie Presse“, als sie über den „Deutschen Sieg“ bei der Kärntner Volksabstimmung schrieb. Doch der Jubel der Zeitung war gedämpft: „Die Kärntner haben nun vor den unglücklichen Südtirolern voraus, dass ihr Recht auf Selbstbestimmung, dasselbe Recht, das den anderen verwehrt blieb, anerkannt wurde.“ Am selben Tag gab es in Innsbruck, ja eigentlich in allen Teilen Tirols, Trauerkundgebungen, Tausenden kamen die Tränen, als sie sangen „Ade, mein Land Tirol“. Der 10. Oktober, der Tag, an dem in Kärnten die Einheit gerettet wurde, war zugleich der Tag, an dem Südtirol endgültig verloren war. Das italienische Parlament ratifizierte den Friedensvertrag von Saint-Germain und machte die Annexion Südtirols zur Tatsache.