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„Bleibt Kärnten treu!“ Propaganda zur Volksabstimmung, 1920.
Selbsterfahrung

Jeder hat seinen Schrecken: Eine Kindheit in Kärnten

Die Krachlederlauten vom Land. Die Mundart, die ich nicht nachahmen konnte. Frau Meier, die immer drohte, uns aus dem Haus zu schmeißen. Und dieser Mann mit den eisblauen Augen, dem Gamsbart auf dem Hut und dem Zettel in der Hand. Kärnten – eine Selbsterfahrung.

Sagen wir, die Geschichte geht so: Jahrelang hielt ich Ausschau nach den gesichtslosen Bösen, vor denen die Großmutter warnte, hauptsächlich unter jenen, die eigene Lieder sangen. Aber dieser Verdacht erwies sich als unbegründet. Böse Menschen, hieß es, haben gar keine Lieder. Womöglich waren die Bösen unter den Schreiern zu finden, deren Wirtshausgelächter im Dorf meiner Kärntner Kindheit bis auf die Überlandstraße und auf die Felder drang. Neben diesen Lauten war ich nicht einfach nur klein, sondern geradezu nichtig. Erst recht, wenn mich einer von ihnen in seiner Mundart ansprach, die ich nicht nachahmen konnte: „Diandle, wos schaustn so pritschat?“ Ich presste den Mund zum Strich, um kein Wort zu verlieren, nicht wieder belangt zu werden wegen der anderen Sprache. Mein trippelndes „Nåchdaschriift“ war fast genauso verdächtig wie das rollende R der dalmatinischen Mutter, die den Bruder und mich – sicher aus gutem Grund – stets zum Stillsein ermahnte.