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Outbreak of the coronavirus disease (COVID-19) in Cambridge
Kommunikation

Das gute Gespräch ist nicht digitalisierbar

Menschen reden, weil sie Menschen sind. Aber zum Großteil kommunizieren sie heute digital. Mit Emojis statt mit Empathie, von Display zu Display statt Face-to-Face. Das verändert Alltag, Gesellschaft und Beziehungen. Weil WhatsApp und Co. vor allem eines stumm schalten: die sozialen Signale.

Das Leben ist voller Gespräche. Manche sind unerfreulich, andere vergisst man nie, aus einigen taucht man erst nach der Sperrstunde wieder auf. Heute ist der Tag aber auch voller WhatsApp-Dialoge. Und anderer digitaler Interaktionen. Menschen müssen ja reden. Schließlich sind sie soziale Wesen. Einsamkeit ist ein evolutionärer Nachteil.

Das lässt uns die Evolution noch heute schmerzlich spüren. Aber vorsorglich hat sie uns auch mit einem sozialen Survival-Kit ausgestattet, gleichsam einem analogen Social-Media-Kanal: unseren Körper. Vor allem das Gesicht ist unentwegt auf Sendung. Auf seinem Display kreieren 26 Muskeln exaktere Botschaften als es 26 Buchstaben je könnten. Und spätestens damit war das geschehen, was Paul Watzlawick nicht nur für alle Erstsemestrigen der Kommunikationswissenschaft formuliert hatte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dafür kann man sich inzwischen aussuchen, wie man denn gern redet. Analog oder digital. Lieber mündlich in der Kaffeehausnische. Oder schriftlich in der überfüllten U-Bahn, mittendrin in den Gesprächen aller anderen.