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Coronavirus

Ein Skiwinter am Rande des Abgrunds

Die Sicherheitskonzepte in den Wintersportorten stehen. Hoteliers, Seilbahnen und Gastronomie tun viel, um den Skiurlaub so sicher wie möglich zu machen. Doch solang es Reisewarnungen aus Deutschland gibt, droht eine wirtschaftliche Katastrophe.

Normalerweise wäre Andreas Steibl jetzt gerade auf PR-Tour durch ganz Europa. „Vier Wochen im Flugzeug von einer Stadt zur anderen“, erzählt er. 20 bis 25 Städte absolviert der Chef des Tourismusverbands Ischgl. Normalerweise. Aber diesmal ist nichts normal. Einen einzigen Termin im Ausland hat er hinter sich – „Den Haag“, erzählt er. Und dieser Trip hätte ihm auch gestohlen bleiben können. Zumindest hat die blonde Frohnatur, die Andreas Streibl quasi von Berufs wegen ist, erfahren, was es dieser Tage heißt, zu reisen.

„Schon an der Grenze zu Deutschland bin ich aufgehalten worden“, erinnert er sich. Dann am Flughafen München. Und als er aus Holland wieder in München landete, wollten sie schon wieder einen Coronatest von ihm. „Dabei habe ich eh Antikörper“, sagt er. Er und 42,2 Prozent der Ischgler Bevölkerung haben sich im vergangenen Winter infiziert. Wenn die Corona-Katastrophe ein Gutes hatte in dem Skiort, dann ist es die außergewöhnlich hohe Durchseuchung. Der Rest war schlicht eine Katastrophe. Und dass Tirol von vielen europäischen Ländern auf die Rote Liste gesetzt worden ist, hat wohl in erster Linie mit der steigenden Zahl an Corona-Infizierten zu tun, die Ereignisse aus Ischgl wirken aber in Deutschland, den Beneluxstaaten, in Großbritannien und Skandinavien nach.

Und so stehen die österreichischen Wintersportorte vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Nach dem Bericht der Expertenkommission wurde Ischgl sogar zum Thema im Nationalrat. Reisewarnungen, Imageschaden und steigenden Covid-19-Fällen zum Trotz bereitet man sich dennoch auf die Saison vor.  „Unser großes Plus sind die Stammgäste“, sagt Klaus Ennemoser. Er ist Hotelier und betreibt ein Consulting-Unternehmen in Innsbruck. „Im Winter reden wir von 60 Prozent Stammgästen“, sagt er. Und diese haben Vertrauen in ihren Hotelier und in die Skiregion.

Das größte Problem sei also nicht der Wille zum Skifahren, sondern die Reisewarnungen in Deutschland und den Beneluxländern. „Werden diese bis Anfang Dezember aufgehoben, wird der Winter ähnlich verlaufen wie der vergangene Sommer“, sagt Ennemoser. Zumindest was die Nächtigungen angeht. Ennemosers optimistische Prognose: „Ich rechne mit zehn bis 20 Prozent weniger Nächtigungen.“ Aber eben nur, wenn die Grenzen zwischen Deutschland und Österreich offen sind und die Quarantänebestimmungen aufgehoben werden.