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Drittes Quartal

Andrang an den Börsen wie seit 20 Jahren nicht

APA/AFP/ANGELA WEISS
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Im dritten Quartal stürmten Firmen weltweit auf das Parkett – außer in Österreich. Dafür punktete Wien woanders.

Nach einem schwachen ersten Halbjahr wurde der Markt für Börsengänge von einem wahren Boom erfasst. Die vergangenen drei Monate waren mit weltweit 447 Börsenneulingen und einem Emissionsvolumen von 95 Milliarden Dollar das stärkste dritte Quartal seit 20 Jahren, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY zeigt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der Erstemissionen (IPOs) um 78 Prozent, das Emissionsvolumen hat sich sogar mehr als verdoppelt (plus 138 Prozent).

Üblicherweise ist das dritte Quartal wegen der Sommerpause eine eher ruhige Zeit für Börsengänge. Doch wegen der Coronakrise wurden zahlreiche Emissionen im ersten Halbjahr zunächst verschoben. Die temporäre Entspannung bei der Pandemie im Sommer und die reichlich vorhandene Liquidität trieb die US-Aktienmärkte zwischenzeitlich auf Rekordhochs, und auch an anderen Börsen ging es kräftig bergauf, sodass immer mehr Unternehmen den Sprung auf das Parkett wagten.

Der größte Börsengang weltweit war im dritten Quartal die Erstnotiz des chinesischen Chip-Herstellers Semiconductor Manufacturing International, der 7,5 Milliarden Dollar einbrachte. Der US-Softwarespezialist Snowflake spielte 3,9 Milliarden Dollar ein.
Auch in Europa stieg die Zahl der IPOs, aber weniger stark als in China und den USA. Sechs deutsche Unternehmen schafften es zwischen Juni und September auf den Kurszettel – darunter Siemens Energy, der Rüstungskonzern Hensoldt und der Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert. Die Impfstoff-Firma Curevac, die auch an einer Covid-Impfung arbeitet, wählte die US-Technologiebörse Nasdaq.

In Österreich gab es im dritten Quartal übrigens keinen einzigen Börsengang. Anders sieht es bei Anleihen aus. Hier steuert die Wiener Börse auf ein Rekordjahr zu. Per Ende September seien bereits mehr als 1900 Anleihen mit einem Gesamtvolumen von rund 112 Mrd. Euro gelistet, so EY. 78 Prozent der Anleihen wurden von ausländischen Emittenten begeben. Damit avanciere Wien zu einem der am schnellsten wachsenden Börsenplätze für Anleihenemittenten in Europa.
Zurück zu Aktien. EY-Experte Martin Steinbach hält eine Jahresendrally bei IPOs weltweit für möglich. Aber es gebe auch Gegenwind durch Risikofaktoren: steigende Infektionszahlen, US-Handelsstreit mit China, Brexit, US-Wahlen. Erst kürzlich hat der Wissenschaftsverlag Springer Nature seinen Börsengang zum dritten Mal verschoben.

(Reuters/Apa/Est)