Zeitreise

Das Wirtshaus und die ungeliebte Sperrstunde

Der Wirt, die Gäste und die Behörde: ein Spannungsfeld, das sich in der Vergangenheit regelmäßig am Problem der Sperrstunde auftat. Aus gegebenem Anlass: eine nüchterne historische Betrachtung des spätnächtlichen Wirtshaustreibens.

Wie sollte der Zecher in vergangenen Jahrhunderten wissen, wann sein Stündlein schlug, also wann er sein Wirtshaus verlassen und heimgehen musste? Es war dann, wenn die Lumpenglocke am Stadtturm schlug. Sie hat „die ehrsamen und nicht ehrsamen Bürger des Städtleins von den Wein-, Bier- und Branntweinbänken hinweggezaubert oder doch zum Stillschweigen gebracht“, hieß es in einem Text von 1853. Ihr Läuten verkündete, wann es Zeit war, die Stadttore zu schließen, oder eben wann die Sperrstunde war. Die Glocke am Grazer Uhrturm etwa läutete ab 1822 bis Anfang des 20. Jahrhunderts zur Sperrstunde um 23 Uhr.