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Geldpolitik

Was die EZB in letzter Zeit von sich gibt, macht Experten konfus

Christine Lagarde.
Christine Lagarde.imago images/sepp spiegl
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Die Europäische Zentralbank hat ein gefährliches Kommunikationsproblem. Anleger wissen nicht recht, worauf sie sich einstellen sollen. Was will sie eigentlich sagen?

Frankfurt/Wien. Die Europäische Zentralbank (EZB) tut sich zu einem kritischen Zeitpunkt ihrer Reaktion auf die Coronavirus-Rezession ganz offensichtlich schwer, den Anlegern ihre Absichten deutlich zu machen. Ökonomen und Investoren beobachten nämlich uneinheitliche Botschaften von führenden Entscheidungsträgern der EZB. Am auffälligsten ist demnach eine wahrgenommene Diskrepanz zwischen den Pressekonferenzen von Präsidentin Christine Lagarde nach geldpolitischen Entscheidungen und den Blog-Posts von Chefvolkswirt Philip Lane just am nächsten Tag.

Nationale Notenbanker haben dies bereits zur Kenntnis genommen und im Privaten ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht, dass eine solche Dynamik die Glaubwürdigkeit von Lagarde untergraben könnte, während die EZB ja vor Debatten über eine mögliche Ausweitung der geldpolitischen Stimuli steht. Die Vertreter baten der Nachrichtenagentur Bloomberg gegenüber um Anonymität, da die internen Beratungen vertraulich sind.

Die in Frankfurt ansässige Institution hat nach Angaben von Euroraum-Vertretern inzwischen sogar erwogen, das Verfahren zu ändern, dass Lane nach der geldpolitischen Entscheidung einen Blog veröffentlicht. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.