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Klassik

Ein neues Kapitel im „Heldenleben“ der Wiener Symphoniker

Zum Antrittskonzert des neuen Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada.

Andrés Orozco-Estrada, der quirlige wienerische Kolumbianer und Ämterkumulierer, hat nach Frankfurt und Houston seinen dritten Kapitänsjob ergattert. Kein Grund für Jubel in der dürren ersten Programmhälfte, aber hübsch die Idee, mit Zeitgenössischem zu beginnen. Reines Wunschdenken bereits der Titel „Vorfreude“ des fanfarenartigen Auftragswerks der Niederländerin Carlijn Metselaar, einer belanglosen siebenminütigen, im Raum verteilten Klanginstallation. Geradezu rührend, dass eine 31-Jährige so altväterisch schreiben kann. Als hätte es Stockhausens „Gruppen“ nie gegeben.

Hatte jemand erwartet, Orozco-Estrada wäre imstande, Wiens Publikum die fantasievoll-verführerischen Klangwelten Erich Wolfgang Korngolds näherzubringen? Ohne Sensibilität und Wiener Schmäh verkommen die Kräfte des Einfalls und des Ausdrucks zum Buchstabieren von Fremdwörtern.

Für die Orchesterfassung (1917) „Einfache Lieder“ gaben sich die Symphoniker zwar redlich Mühe, klangen aber eher dumpf. Christiane Karg konnte dem bei unscharfer Diktion, mit poröser Mittellage und zugespitzten Höhen wenig Profil entgegensetzen. Der Mut zu außergewöhnlichem Repertoire blieb unbelohnt. Die bereits programmierte Zugabe, der Weltschlager „Glück, das mir verblieb“, versandete dank Persönlichkeitsmangel und Unbeholfenheit.