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Konzerthaus

Beethovens „Mondschein“ am Sonntagvormittag

Mit „Sturm und Drang“ und Beethovens populärster Sonate eröffnete Rudolf Buchbinder seinen Beethoven-Sonatenzyklus.

Sechzig Mal hat Rudolf Buchbinder die Beethoven-Klaviersonaten zyklisch aufgeführt. In diesem Beethoven-Jahr widmet sich der Beethoven-Kenner erneut diesem Unterfangen, und zwar in einer siebenteiligen Reihe im Wiener Konzerthaus. Begonnen hat er seine jüngste Reise durch diesen Kosmos am Sonntag selbstredend mit Beethovens erster, noch der Idee des „Sturm und Drang“ verpflichteter f-Moll-Sonate. So zögerlich dieses Opus 2/1 beginnt, so leidenschaftlich schließt dieses Werk, wie es Buchbinder mit seiner virtuos-drängenden Interpretation darlegte.

In späteren Sonaten zeigt Beethoven seine Emotionen unmittelbarer, holt er aus dem Klavier orchestrale Klangfülle heraus, wie im Finalsatz seiner populärsten Klaviersonate, der „Mondschein“-Sonate Opus 27/2. Sie stellte Buchbinder an das offizielle Ende dieses Auftritts. Hier traten die Vorzüge seines Spiels besonders zutage: Im einleitenden Adagio sein Gefühl für harmonische Veränderungen, im Allegretto sein Sinn für tänzerischen Elan, im Presto agitato sein Faible für dramatische Entwicklungen. Leichtigkeit und pointierte Rhythmik bestimmte Buchbinders profunde Lesart der sonst meist weniger ernst genommenen G-Dur-Sonate Opus 14/2. Ebenso überzeugend, wie er die komplex konzipierte Es-Dur-Sonate Opus 27/1 in einem Bogen präsentierte, ohne die unterschiedlichen Atmosphären ihrer Sätze zu diminuieren.