Schnellauswahl
Formel 1

Ein Champion in neuen Sphären

Lewis Hamilton setzt zum 91. Mal die Champagnerflasche an.
Lewis Hamilton setzt zum 91. Mal die Champagnerflasche an.Pool via REUTERS
  • Drucken

Lewis Hamilton stellt die Schumacher-Bestmarke von 91 Siegen ein. Und weil auch im Titelkampf eine Vorentscheidung fällt, wackelt schon der nächste Rekord der deutschen Legende.

Nürburg. Ausgerechnet auf dem Nürburgring, auf dem am Sonntag erstmals nach sieben Jahren wieder ein Formel-1-Rennen stattfand, hat Lewis Hamilton einen Rekord eingestellt, der für die Ewigkeit bestimmt schien: Die 91 Grand-Prix-Siege von Michael Schumacher. Der 91. Triumph des britischen Mercedes-Piloten gelang damit nur unweit von Schumachers Geburtsort.

Hamilton, sonst nicht müde zu betonen, dass derartige Bestmarken nicht sein Antrieb seien, musste sich kurz fassen, als Mick Schumacher, 21-jähriger Nachwuchsfahrer und Sohn der Formel-1-Legende, ihm einen Helm des berühmten Vaters überreichte. „Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll. Eine Ehre für mich. Ich werde eine Weile brauchen, um das zu realisieren“, aber keiner könne sich trotz aller Rekorde jemals mit Schumacher vergleichen, meinte der 35-Jährige.

Das Rennen am Nürburgring war bald entschieden: In der zwölften Runde verbremste sich Pole-Position-Mann Valtteri Bottas, Hamilton überholte seinen Teamkollegen, der danach auch noch mit Defekt ausschied. Den Restart nach langer Safety-Car-Phase zehn Runden vor Schluss meisterte Hamilton souverän, auch weil der am Ende zweitplatzierte Max Verstappen im Red Bull etwas geschlafen hat. Dritter wurde Daniel Ricciardo (Renault).

Kein Schumacher-Fan

Über Schumacher, zu dem er nun aufgeschlossen hat, spricht Hamilton stets respektvoll, aber auch nüchtern. Große Schumacher-Fans waren weder Hamilton noch sein Vater Anthony. „Ich hatte nie wirklich eine Beziehung zu ihm“, meinte Hamilton.

Der Brite kam 2007 in die Formel 1, im Jahr nach Schumachers Rücktritt. Hinzu kommt, dass Schumachers Vertrag nach seinem Mercedes-Comeback nicht mehr verlängert wurde, weil der Rennstall die Chance sah, Hamilton zu verpflichten. Tatsächlich löste der Brite in der Saison 2013 Schumacher bei den Silberpfeilen ab. Es heißt, der siebenfache Weltmeister wäre gerne noch weitergefahren.

Nichts Neues ist indes über den Gesundheitszustand des 51-jährigen Schumacher bekannt. Nach einem Skiunfall in Frankreich befindet er sich auch heute noch in medizinischer Rehabilitation in der Schweiz.
Dass Hamilton den nun eingestellten Rekord von 91 Grand-Prix-Siegen schon demnächst übertreffen wird, daran besteht angesichts der aktuellen Mercedes-Dominanz kein Zweifel. Außerdem betont der Brite immer wieder: „Ich habe nicht vor, allzu bald aufzuhören.“

Mit dem Erfolg im elften Saisonrennen fiel auch eine kleine Vorentscheidung im WM-Kampf zugunsten von Hamilton. Bei noch sechs zu absolvierenden Rennen, 69 Punkte Vorsprung auf Verfolger Bottas und der Konstanz des Titelverteidigers müsste schon viel für den Finnen laufen, um Hamilton noch zu gefährden. So nähert sich der Brite seinem siebenten WM-Triumph – und damit der nächsten Rekordmarke von Schumacher.

Unermüdlicher Räikkönen

Einen anderen Formel-1-Rekord hat sich an diesem Rennwochenende Kimi Räikkönen gesichert. Nur wenige Tage vor seinem 41. Geburtstag ist der Finne der erste Fahrer, der bei 323 Grand Prix gestartet ist. Räikkönen überholte damit den Brasilianer Rubens Barrichello. Ob er auch 2021 weiterfährt, ist noch offen. (joe)

 

Grand Prix der Eifel Nürburgring

1. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes 1:35:49,641 Std.
2. Max Verstappen (NED) Red Bull +4,470 Sek.
3. Daniel Ricciardo (AUS) Renault +14,613
Weiters: 4. Sergio Pérez (MEX) Racing Point +16,070 5. Carlos Sainz jr. (ESP) McLaren +21,905 6. Pierre Gasly (FRA) AlphaTauri +22,766 7. Charles Leclerc (MON) Ferrari +30,814 8. Nico Hülkenberg (GER) Racing Point +32,596 9. Romain Grosjean (FRA) Haas +39,081 10. Antonio Giovinazzi (ITA) Alfa Romeo +40,035 11. Sebastian Vettel (GER) Ferrari +40,810 12. Kimi Räikkönen (FIN) Alfa Romeo +41,476
WM-Stand (11 von 17 Rennen): 1. Hamilton 230 2. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 161 3. Verstappen 147.