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Interview

Ludwig: „Bringe mich gerne bei der Bundespartei ein“

Michael Ludwig am Wahlabend
Michael Ludwig am WahlabendAPA/HELMUT FOHRINGER
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Michael Ludwig sieht die SPÖ Wien im Interview mit der „Presse“ als „starken Partner“ für die Bundespartei.

Die Presse: Sie haben dazugewonnen, aber eine absolute Mehrheit ist sich nicht ausgegangen und Sie haben doch nur wenige FPÖ-Wähler abgeholt. Schmerzt das ein bisschen?

Michael Ludwig:
Zum einen war eine absolute Mehrheit bei keiner einzigen Umfrage in Sichtweite, zum zweiten habe ich erst vor zwei Jahren das Amt des Bürgermeisters übernommen. Mein Ziel war immer, das Ergebnis meines Amtsvorgängers Michael Häupl zu erreichen, das waren 39,6 Prozent 2015. Das war ein sehr gutes Ergebnis. Dass ich dieses Ergebnis nicht nur erreicht, sondern sogar getoppt habe, freut mich sehr. Und wie viele ehemalige FPÖ-Wähler ich da angesprochen habe, ist für mich gar nicht so bedeutsam, weil ich ein Angebot an alle Wienerinnen und Wiener mache, unabhängig davon, was wer einmal früher gewählt hat.

Aber wäre nicht gerade jetzt ein guter Moment gewesen, um Wähler von der FPÖ zurückzuholen?

Ich bin eigentlich zufrieden, dass wir eine Partei sind, die in schwierigen Zeiten zugelegt hat, und dass wir den Abstand zur zweitstärksten Partei deutlich vergrößert haben. Wir sind doppelt so stark wie die zweitstärkste Partei, der Unterschied zur zweitstärksten Partei war bei der letzten Wahl bei acht Prozent, jetzt dürfte es 21, 22 Prozent sein. Von da her wird man sich schwer tun, dieses Wahlergebnis schlecht zu reden.

Der Zweitplatzierte, die ÖVP, hat ordentlich zugelegt. Deutet der Wählerwille nicht in Richtung Rot-Türkis?

Ich habe immer eine Koalition mit der FPÖ und dem Team HC Strache ausgeschlossen. Es gibt jetzt drei Parteien, die alle drei zugelegt haben und zwar von unterschiedlichem Niveau heraus. Es haben die Neos zum Beispiel um ein Drittel mehr Stimmen als sie 2015 gehabt haben. Wichtig ist, dass man jetzt inhaltliche Schnittmengen findet und ein Zukunftsprogramm entwickeln kann, dass für die Stadt einen Sprung nach vorn bedeuten kann.

Gibt es da Themen, die ganz besonders wichtig sind?

Für michist gerade jetzt in der Coronakrise wichtig, dass wir das öffentlich finanzierte Gesundheitswesen – das auch der Grund ist, warum wir so gut durch die Krise gekommen sind – dass wir das entsprechend der Situation anpassen. Ebenso wie die Auswirkungen der Coronakrise was den Wirtschaftsstandort Wien betrifft, die Auswirkungen auf die Klein- und Mittelbetriebe, aber dass man vor allem auch den Arbeitsmarkt stabilisiert. Mir ist wichtig, dass ich für jeden Arbeitsplatz kämpfe und dass ich Bündnispartner für diesen Kampf suche. Gleichzeitig möchte ich auch das Bildungswesen reformieren, da haben wir in diesem Jahr mit der kostenfreien Ganztagsschule an 70 Standorten in Wien einen Meilenstein geschaffen. Aber es gibt weitere Herausforderungen und das gilt auch für die Projekte gegen den Klimawandel. Man wird sehen, mit welcher Partei es leichter möglich sein wird, alle diese Schwerpunkte abzuarbeiten.

Sie haben jetzt die Bildung vor dem Klimathema genannt. Sind die Neos eine spannende neue Variante, die ins Spiel kommt?

Es sind drei Parteien, die sich interessiert zeigen, mit der SPÖ eine Koalition einzugehen, und ich werde jetzt in den ersten Gesprächen sortieren, wo es die stärksten inhaltlichen Schnittmengen gibt, und mit der Partei werde ich dann vertiefende Koalitionsgespräche führen.

Gibt es einen Zeitplan? Bis wann wollen Sie eine Stadtregierung haben?

Sehr schnell, ich warte jetzt einmal das endgültige Ergebnis ab, das wird entweder Dienstagabend oder Mittwochvormittag vorliegen. Und dann werde ich sehr schnell Terminvereinbarungen mit allen Parteien treffen.

Haben Sie einen Tipp für die Bundespartei, bezüglich Wahlerfolge?

Das sind unterschiedliche Rahmenbedingungen. Wir sind seit langer Zeit eine sehr erfolgreiche regierende Partei in Wien und haben die Gelegenheit zu zeigen, was die Sozialdemokratie in der Lage ist umzusetzen. Die Bundespartei befindet sich in Opposition, in einer schwierigen Zeit und von daher sind das ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen. Aber ich werde mich gerne in Zukunft auch in der Bundespartei inhaltlich einbringen und sehe auch die SPÖ Wien als einen ganz starken Partner der Bundespartei.


[QUMQE]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2020)