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Wien-Wahl

Briefwahlstimmen werden ausgezählt: Überholen die Neos die FPÖ?

Rund 300.000 Briefwahlstimmen müssen die 23 Bezirkswahlbehörde ab heute, Montag, auswerten.
Rund 300.000 Briefwahlstimmen müssen die 23 Bezirkswahlbehörde ab heute, Montag, auswerten.(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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Die Briefwähler könnten Platz vier der Landtagswahl noch ändern und die Innere Stadt sowie die Josefstadt drehen. Die Wahlbeteiligung bleibt niedrig: Es gibt weit mehr Nichtwähler als die SPÖ Stimmen hat.

Wahlsieger Michael Ludwig hat eine Palette von Möglichkeiten vor sich. Der Chef der Wiener SPÖ, seines Zeichens amtierender Bürgermeister der Bundeshauptstadt, hat bei der Landtagswahl die 40-Prozent-Marke geknackt. Dadurch, dass er im Wahlkampf einzig eine Koalition mit den Freiheitlichen vehement ausgeschlossen hat, befindet er sich nun in der komfortablen Position, sowohl mit der ÖVP, den Grünen, aber auch den Neos eine Koalition bilden zu können. Mit allen dreien hätte er jeweils eine sichere Mehrheit - obgleich das endgültige Wahlergebnis noch nicht vorliegt.

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Tatsächlich ist die Wiener Gemeinderatswahl zwar geschlagen - aber noch nicht fertig ausgezählt. Noch rund 300.000 Briefwahlstimmen müssen die 23 Bezirkswahlbehörden ab heute, Montag, auswerten. Es handelt sich um einen Rekordwert. Das allein wäre schon Rechtfertigung genug dafür, dass das Auszählen etwas dauert - ist es aber nicht: So erschweren auch die aufgrund der Coronapandemie ausgegebenen Sicherheitsmaßnahmen ein rasches Vorankommen. Die Folge: Die kompletten Ergebnisse dürften wohl bis morgen, Dienstag, auf sich warten lassen.

Wählerstromanalyse

Für die Top drei der Wahl - SPÖ vor ÖVP vor Grünen - dürfte das nichts mehr ändern. Auch Heinz-Christian Strache, der mit seinem „Team HC Strache“ ins Rennen ging, dürfte der Einzug in den Landtag (hierfür braucht es 5,2 Prozent) weiter verwehrt bleiben, obgleich er seine aktuellen 3,6 auf 4 Prozent ausbauen könnte.

Spannender werden dürfte indes das Rennen um Platz vier und fünf: Bei den am Sonntag ausgezählten Urnenwählern - die rund 418.000 Stimmen abgaben - lag die FPÖ mit 8,9 Prozent deutlich vor den Neos mit 6,9 Prozent. Das könnte sich mit der Wahlkarten-Auszählung noch ändern. Das Institut SORA sieht die Pinken mit 7,8 Prozent knapp vor der FPÖ mit 7,7 Prozent - während die ARGE Wahlen keine Umreihung erwartet.

Überdies könnte ein Bezirk - auf Gemeinderatsebene - noch umgefärbt werden: In der Inneren Stadt lag bei den Urnenwählern die SPÖ knapp vor der Volkspartei, das dürfte sich laut den Hochrechnern noch ändern. Mitmischen könnten die Briefwähler auch beim Ausgang der Bezirksvertretungswahlen in der Josefstadt. Der achte Bezirk könnte letztlich noch an die Grünen gehen, wenngleich bei den Urnenwählern die ÖVP klar vorne lag.

Mehr Nichtwähler als Stimmen für die SPÖ

Fest steht: Abgestürzt ist bei der Gemeinderatswahl die Wahlbeteiligung. Sie wird im Zuge der Auszählung der Briefwahlstimmen zwar noch ansteigen, es jedoch nicht über 65 Prozent schaffen. Anders gerechnet: Im Vergleich zum Urnengang vor fünf Jahren dürfte sie um mindestens zehn Prozentpunkte schrumpfen. Damit wird es weit mehr Nichtwähler geben als die SPÖ Stimmen hat. Als Grund für den Rückgang orten Wahlforscher zum einen die Coronapandemie, zum anderen den Umstand, dass viele FPÖ-Wähler diesmal zu Hause blieben.

Historisch betrachtet bedeutet eine Wahlbeteiligung von 63 bis 65 Prozent, einen Wert, den es zuletzt vor rund 30 Jahren gab. Vor fünf Jahren hatte die Flüchtlingskrise eine starke Polarisierung und damit auch Mobilisierung der Wähler bewirkt: Mit 74,7 Prozent war die Beteiligung in Wien hoch wie zuletzt vor 40 Jahren.

Wahlberechtigt waren heuer übrigens 1.133.010 Wiener für den Gemeinderat und 1.362.789 Wiener und nicht-österreichische EU-Bürger für die Bezirksvertretungen.

Das vorläufige Wahlergebnis auf einen Blick

Die Wien-Wahl am Sonntag hat mit einem klaren Wahlsieg der SPÖ geendet. Die Sozialdemokraten übertrafen ihr Ergebnis von 2015 deutlich - und kommen inklusive Briefwahlstimmen-Schätzung der Hochrechner auf 42,2 bis 42,9 Prozent der Stimmen. Die ÖVP verdoppelte ihren Stimmenanteil, die FPÖ erlitt einen Absturz in die Einstelligkeit und deren Ex-Chef Heinz-Christian Strache scheitert mit seiner Liste am Einzug. Leichte Zuwächse brachte die Wahl für die Grünen wie auch die Neos.

Die Kleinparteien Links, SÖZ und die Bierpartei kamen insgesamt auf 6,07 Prozent bei den Urnenwählern. Inklusive der Briefwahlstimmen dürfte deren gemeinsamer Anteil bei 5,2 (ARGE) bzw. 5,7 Prozent (SORA) liegen.

Auf Bezirksebene erzielten die Sozialdemokraten im Urnenergebnis in sechzehn Bezirken Stimmenzuwächse, in allen war die SPÖ stärkste Partei.

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(hell/APA)