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Morgenglosse

Endlich wurde das Ischgl-Buch von vorn gelesen

CORONAVIRUS: PK ISCHGL KOMMISSION: ROHRER
Ronald Rohrer, früherer Vizepräsident des Obersten Gerichtshofs und Vorsitzender der Expertenkommission, bei der Präsentation des Abschlussberichts am Montag.APA/EXPA/JOHANN GRODER
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Politische Konsequenzen sind in Tirol nach Ronald Rohrers Abschlussbericht über die Causa Ischgl unausweichlich.

Ein Buch von hinten zu lesen, sei immer einfacher, lautet einer der einstudierten Sätze von Landeshauptmann Günther Platter zur Rechtfertigung der Ereignisse in Ischgl. Soll also heißen: Im Nachhinein ist man immer klüger. Der Abschlussbericht der Expertenkommission unter Vorsitz von Ronald Rohrer zeigt aber, dass dieses Buch auch von vorn nicht so schwierig zu lesen gewesen wäre.

Insbesondere das Einstellen des Skibetriebs am 12. März (drei Tage zu spät) sowie die überhastete und unkontrollierte Abreise vieler Urlauber am 13. März sei ohne Vorbereitung erfolgt – mit fatalen Auswirkungen. Vermeidbare Fehlentscheidungen, die infolge massiver Überforderung aller Beteiligten gefällt worden seien, die sich noch nie in so einer Situation befanden und darauf nicht vorbereitet waren. Auch die Kommunikation zwischen Bund und Land ließ zu wünschen übrig.

Genau das wurde von den politisch Zuständigen, neben Platter etwa auch Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg, nie eingeräumt, sondern wiederholt negiert. Eine Haltung, die nicht mehr haltbar ist. Platter und Tilg müssen die Verantwortung gar nicht übernehmen, sie tragen sie längst. Jetzt keine politischen Konsequenzen zu ziehen, käme dem Ignorieren des Berichts und einer Geringschätzung des Vorsitzenden gleich – der im Übrigen noch gnädig war. Er würde nicht von einem Multiorganversagen sprechen, meinte Rohrer. Vielleicht, weil er weiß, dass das Versagen offensichtlich ist.

koeksal.baltaci@diepresse.com