Film

„Mignonnes“ auf Netflix: „Kinderporno“ oder großes Kino?

Elfjährige Mädchen, die zu Hip-Hop ihre Hüften schwingen: Der US-Shitstorm rund um „Mignonnes“ („Cuties“) gipfelt nun in einer Klage gegen Netflix. Was taugt der Film?

In Amys Haut möchte man nicht stecken. Das elfjährige Mädchen haust in einer Sozialwohnung in der Banlieue von Paris. Eine fast dämonische alte Tante zwingt ihr archaische Sitten aus einem fremden Afrika auf. Die Mutter verzweifelt daran, dass der Vater sich gerade aus dem Senegal eine Zweitfrau holt. Das Zimmer für die Hochzeitsnacht wird dekoriert, ein Fest vorbereitet. Amy will nur noch raus.

Sie schließt sich vier Mädchen an. Auf dem Schulhof gebärden sich die „Süßen“ rotzfrech und rauflustig wie Burschen, im Park trainieren sie in bauchfreien Tops und hautengen Hosen für einen Tanzwettbewerb. Zu Hip-Hop-Rhythmen kreisen sie ihre Hüften, wälzen sich lasziv am Boden, strecken ihre flachen Brüste raus und halten sich scheinbar lüstern einen Finger an den Mund. So, wie sie es ständig im Internet sehen. Es gibt für sie keine Kindheit mehr, aber auch dieses gespielte Erwachsensein ist falsch, kläglich, voller Lücken und Fallen. Man sieht es Amy an: Sie fühlt sich auch hier nicht wohl in ihrer Haut.