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Coronavirus

Vorarlberg verlängert Sperrstunden-Regelung

Weiterhin ist in Vorarlberg um 22 Uhr Schluss in der Gastronomie.

In Vorarlberg müssen Gastronomiebetriebe weiterhin um 22 Uhr schließen. Das Land verkündete am Donnerstag die Verlängerung der Maßnahme zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auf bisher noch unbestimmte Zeit. "In Anbetracht der Entwicklungen beim Infektionsgeschehen ist eine Lockerung der Maßnahmen im Land nicht möglich", so Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Tourismuslandesrat Christian Gantner (beide ÖVP). In der Branche wächst indes der Unmut.

Man habe bei einem Austausch mit Vertretern der Tourismusbranche diesen mitteilen müssen, dass eine Aufhebung aufgrund der Entwicklung der Infektionszahlen in Vorarlberg, aber auch den Nachbarländern, nicht möglich sein werde. "Vordringlichstes Ziel ist, Vorarlbergs Sieben-Tage-Inzidenz nachhaltig wieder unter einen Wert von 50 zu senken, um damit die Reisewarnung Deutschlands und anderer Länder gegenüber unserem Land so schnell wie möglich wieder aufzuheben. Das geht nur mittels eines gemeinsamen Kraftakts", betonte Gantner. Gerade der Tourismus habe seine Hausaufgaben während des Sommers gemacht, doch die Steigerungen bei den Corona-Zahlen "hindern uns daran, Lockerungsschritte zu setzen".

Bitte um Ende privater Feiern

Aktuell liege der Wert Vorarlbergs bei der Sieben-Tage-Inzidenz bei 92,7. Die Landesräte appellierten einmal mehr an die Bevölkerung, sich an die Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung zu halten und soweit wie möglich auch von Feiern im privaten Umfeld Abstand nehmen. Bei Veranstaltungen mit zugewiesenen Plätzen dürfen mit Präventionskonzept in Innenräumen 250, im Freiluftbereich 500 Personen teilnehmen. Eine Bewirtung unter Einhaltung der allgemeinen Covid-19-Maßnahmen im Gastronomiebereich sei möglich, daran werde man in Vorarlberg weiter festhalten. Public-Health-Experte Armin Fidler unterstützte das Vorgehen: "Eine Lockerung wäre aus gesundheitspolitischer Sicht das völlig falsche Signal."

Die Verlängerung quittierte die Gastro-Branche mit Unverständnis und wachsender Wut. Man habe versucht, den Regierungsvertretern mit Zahlen und Fakten deutlich zu machen, was diese frühe Sperrstunde für die Branche bedeute. Diese hätten sich aber nicht einmal auf einen Kompromiss - 23 Uhr - eingelassen. "Viele Betriebe haben keine Luft mehr, keine Zuversicht", so Fachgruppenobmann Mike Pansi. Allein in den vergangenen drei Wochen seien 630 Arbeitslose in der Branche dazugekommen, Tendenz steigend. "Viele haben den heutigen Termin noch abgewartet und für den Fall einer Verlängerung von Kündigungen oder Betriebsschließungen gesprochen. Es wird dunkel werden in den Gemeinden", berichtete Pansi.

„Es geht um Existenzen“ 

Auch der Gastronomie sei sicheres Ausgehen ein großes Anliegen, man wolle Teil der Lösung sein. "Es geht hier nicht darum, sich eine goldene Nase zu verdienen, es geht um Existenzen. Zukunftsszenarien fehlen völlig", sagte er. Bereits jetzt würden Weihnachtsfeiern storniert, die in einigen Betrieben bis zu 30 Prozent des Umsatzes ausmachten. Die Abwanderung in die Schweiz und vor allem ins Private täten ihr Übriges. "Die Brauereien verzeichnen steigende Umsätze - ist klar, wo das hingeht", meinte Pansi. Er appellierte an die Bevölkerung, die Wirtshäuser, Hotels und Gaststätten zu besuchen.

Wegen der steigenden Corona-Zahlen war die Sperrstunde am 22. September für drei Wochen auf 22 Uhr vorverlegt worden. Die Maßnahme stieß bereits bisher auf viel Kritik, auch diesmal soll es harte Diskussionen gegeben haben. Schon bei der Einführung gingen die Wogen hoch. Nach entsprechender Diskussion - Hotelbetreiber im Montafon hatten eine Petition gestartet - schuf die Landespolitik am 29. September für die Vorarlberger Hotellerie eine Ausnahme bei der Sperrstundenregelung: Seither dürfen Übernachtungsgäste von Hotels in der Hausbar bis 1 Uhr konsumieren. Am Donnerstagvormittag kündigte der Vorarlberger Unos-Sprecher, Sasha Petschnig, im Fall der Verlängerung der Regelung eine Petition und Kundgebungen an. Er beklagte, dass Vorarlberger Gäste immer häufiger in die Schweiz auswichen, vor allem junge Leute führen per Shuttlebus direkt in Schweizer Diskotheken. Schweizer Unternehmen böten auch immer mehr Vorarlbergern die Möglichkeit für Hochzeiten. Das eigentliche Problem verschiebe sich also nur.

(APA)