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Handels-KV: Gewerkschaft will Inflationsabgeltung und Corona-Prämie

(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Einen so schnellen Abschluss wie bei dem Metaller-KV strebe man nicht an. Viele Beschäftigte hätten in Krisenzeiten „unmenschliches geleistet“.

Bei den nächste Woche startenden Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 418.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Handel fordert die Gewerkschaft "mindestens eine Inflationsabgeltung" und eine Corona-Mitarbeiterprämie von Betrieben, die wirtschaftlich gut dastehen. Die Beschäftigten hätten in Krisenzeiten die Stellung gehalten, "um Österreich mit Produkten des täglichen Bedarfs zu versorgen", so die gewerkschaftliche Chefverhandlerin Anita Palkovich von der GPA-djp.

Von Oktober 2019 bis August 2020 lag die Teuerungsrate im Schnitt bei 1,45 Prozent. Bei den Verhandlungen für den Handels-KV wird auch noch die September-Inflation, die am Freitag veröffentlicht wird, miteinbezogen. Bei den Metaller-KV-Verhandlungen einigten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter Ende September überraschend in der ersten Verhandlungsrunde auf ein Lohn- und Gehaltsplus von 1,45 Prozent.

Die Coronakrise hat die Handelsbranche höchst unterschiedlich getroffen. Während der Lebensmittelhandel, Online-Shops, Elektronikketten, Baumärkte und Einrichtungshäuser Umsatzzuwächse verzeichneten, brachen die Erlöse im Textil, Schuh- und Kfz-Handel massiv ein. "Mit Durchschnittswerten kommen wir nicht weit", sagte KV-Verhandlerin Palkovich vor Journalisten. Es gehe um einen "fairen KV-Abschluss" für die Beschäftigten und Unternehmen.

Laut Gewerkschaft sollen nur Unternehmen eine verpflichtende Corona-Prämie an ihre Mitarbeiter auszahlen, die es sich wirtschaftlich leisten können. Bis Ende des Jahres sind Covid-19-Prämien auch steuerfrei. "Für uns ist wichtig, dass die Mitarbeiter Geld bekommen", sagte die gewerkschaftliche Chefverhandlerin. Einige Supermarktketten hatten im März und April für ihre Mitarbeiter freiwillig Gutschein- oder Geld-Prämien ausgezahlt, weil es zu einer hohen Arbeitsbelastung durch den großen Kundenansturm vor und am Anfang des Corona-Lockdowns gekommen ist. Die Details zur geplanten Corona-Einmalzahlung will die Gewerkschaft ab nächster Woche mit den Arbeitgebern ausverhandeln. Bisher sind mit 21. Oktober, 3. November und 10. November drei KV-Verhandlungstermine fixiert.

In Corona-Krisenzeiten „übermenschliches geleistet"

Eine so schnelle Einigung wie in der Metallindustrie wird von der Gewerkschaft beim Handels-KV offenbar nicht anvisiert. "Hudeln tun wir nicht", sagte der gewerkschaftliche Verhandler Martin Müllauer. Er ist Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der GPA-djp und Betriebsratsvorsitzender der Morawa Buch- und Medien GmbH. Es gehe bei den KV-Verhandlungen um die Anerkennung der Leistungen der Handelsangestellten, so Müllauer. Die Beschäftigten hätten in den Corona-Krisenzeiten "übermenschliches geleistet". Themen bei den KV-Verhandlungen werden laut dem gewerkschaftlichen Verhandler auch die bezahlte Maskenpause und mehr Erholungsmöglichkeiten sein.

Knapp zwei Drittel der Angestellten im Handel in Österreich sind Frauen, im Einzelhandel liegt der Frauenanteil noch etwas höher. Viele Frauen arbeiten Teilzeit. Das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte liegt derzeit im alten Kollektivvertrag bei 1675 Euro brutto pro Monat, im neuen KV macht es 1714 Euro brutto aus. Allerdings arbeitet ein Großteil Teilzeit. Bis Anfang Dezember 2021 müssen alle Betriebe in den neuen Handels-KV wechseln, die Übergangsfrist lief seit Dezember 2017. KV-Verhandlerin Palkovich schätzt, dass der neue Kollektivvertrag bisher für rund ein Drittel der Beschäftigten gilt. "Wir haben den Unternehmen immer gesagt, steigt um", so die Gewerkschafterin.

(APA)