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Die Serie A trägt Corona-Scheuklappen

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Die Corona-Pandemie hat den italienischen Fußball im Würgegriff. Im Zusammenhang mit dem Virus müssen in der Serie A derzeit mehr als 30 Profis pausieren, Topclub Napoli liefert sich einen Rechtsstreit mit der Liga.

Die Corona-Pandemie hat den italienischen Fußball im Würgegriff. Im Zusammenhang mit dem Virus müssen in der Serie A derzeit mehr als 30 Profis pausieren, Topclub Napoli liefert sich einen Rechtsstreit mit der Liga und die allgemeine Sorge vor einer erneuten Zwangspause der Meisterschaft wächst. Die sportlichen Vorzeichen des Mailänder Derbys zwischen Inter und Milan am Samstag (18.00 Uhr) treten in den Hintergrund.

Am Donnerstag teilte Napoli mit, Einspruch gegen das mit 0:3 gewertete Spiel bei Juventus einzulegen. Das Team war am 4. Oktober wegen zwei Corona-Fällen im Team nicht zum Spitzenspiel in Turin angetreten. Die lokale Gesundheitsbehörde hatte dem Club die Reise in den Norden verboten. Die Liga und Juventus aber sagten die Begegnung trotzdem nicht ab - am Mittwoch wurde die Partie gegen Napoli strafverifiziert.

"Wir warten zuversichtlich auf das Ergebnis der Berufung und glauben fest an die Gerechtigkeit", hieß es nun im Einspruch der Süditaliener, welche die vierte Runde gegen das top gestartete Offensivteam Atalanta aus Bergamo (9 Punkte/13 Tore) eröffnen.

Doch mehr als 30 Spieler werden an diesem Serie-A-Wochenende aus Covid-19-Gründen nicht dabei sein. Allen voran Juventus-Star Cristiano Ronaldo, der sich während der Länderspielpause infiziert hat. Die Zeitung "Gazzetta dello Sport" brachte am Donnerstag die Porträtfotos der Betroffenen, die "traurige Anzeigetafel", wie das Blatt die Aufstellung nannte, nahm schon die halbe Seite ein - und dürfte im Herbst weiter anwachsen.

Doch die Liga pocht in abnormalen Zeiten auf Normalität. Die Spielpläne sind so voll wie früher, erst unlängst wurde festgelegt, dass Partien erst verschoben werden können, wenn einem Club weniger als 13 Profis zur Verfügung stehen oder zehn Corona-Fälle in einer Woche auftreten.

Deshalb stehen alle Spiele an diesem Wochenende unverändert auf dem Programm, darunter das Derby zwischen Inter und Milan am Samstag (18.00). Inter ist mit sechs unter Quarantäne gestellten Spielern nach Genua (10) der am schlimmsten betroffene Verein. Die "Nerazzurri" liegen zwei Punkte hinter der wie Atalanta beim Punktemaximum haltenden AC Milan zurück.

Starstürmer Zlatan Ibrahimovic dürfte nach seiner Corona-Infektion und rund zweiwöchiger Quarantäne wieder für Milan spielen. "Ein Typ, der sagt, Covid habe eine schlechte Idee gehabt, ihn herauszufordern, der ist im Kopf stärker als alle anderen", erwartete der frühere italienische Teamstürmer Christian Vieri einen unbeeindruckten Schweden. "Er spielt das Derby mit einer Zigarette im Mund, glauben Sie mir."

Meister Juventus steht vor einem Pflichtsieg beim punktelosen Aufsteiger Crotone. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Juventus trotz des neunten Titels in Folge erneut Verlust - in der abgelaufenen Saison knapp 90 Mio. Euro - eingefahren hat. Ohne Stadion-Zuschauer ist das nächste dicke Minus erwartbar, die Rückkehr der Menschen in die Stadien ist es nicht. Zumindest bis Mitte November sei daran nicht zu denken, meinte der italienische Sportminister Vincenzo Spadafora.