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Marktbeobachtung

Bürosektor: Vorübergehend gedämpfte Nachfrage

Der Bürosektor wird laut Signa ab Mitte 2021 wieder anspringen. CBRE rechnet bis dahin mit unterdurchschnittlichen Vermietungszahlen, EHL ortet derzeit Rückgänge bei Büronachfrage in Wien.

Die Signa-Immobiliengruppe geht nur von einer vorübergehend gedämpften Büronachfrage durch die Coronakrise aus. "Wir rechnen damit, dass der Markt im zweiten Quartal 2021 wieder kommt", sagte der CEO des Real-Estate-Bereichs der Gruppe, Christoph Stadlhuber. Auch andere Marktbeobachter würden erwarten, dass der Sektor Mitte kommenden Jahres wieder anspringe. Abhängig sei das von der Verfügbarkeit von Covid-19-Impfungen und der Etablierung von Schnelltests.

Es gebe derzeit eine Unsicherheit in den Märkten über den weiteren Fortgang der Pandemie, so Stadlhuber, der auch im fünfköpfigen Executive Board der Signa Group rund um den Tiroler Investor Rene Benko sitzt. Außerhalb der Branchen Pharma, Daten und IT, die Gewinner der Krise seien, würden sich Unternehmen derzeit kaum für die langfristige Anmietung von Büroflächen entscheiden. Andererseits habe Signa als größter Bürovermieter in Wien die "The Icon Vienna"-Türme im Quartier Belvedere beim Wiener Hauptbahnhof sogar mitten im Lockdown zwischen März und Juni fast vollständig vermieten können.

Rückgang bei Büronachfrage

Natürlich seien manche Bauträger bei Projekten gebremst worden. Fertigstellungstermine hätten sich nach hinten verschoben, räumte Stadlhuber ein. Auch konstatierte der Immo-Berater EHL kürzlich, dass die Büronachfrage in Wien spürbar zurückgegangen sei, weil Firmen Umzugspläne "on hold" stellten. Der Consulter CBRE rechnet bis Mitte 2021 mit unterdurchschnittlichen Vermietungszahlen. Aus Deutschland berichtete der Makler Savills, dass in großen Städten im zweiten und dritten Quartal nur halb so viel angemietet worden sei, gerade große Mieter würden sich zurückhalten. Signa habe jedoch wegen Corona kein Projekt abgeblasen oder massiv verändert, betont der CEO, auch wenn es im Frühjahr wegen ruhender Baustellen infolge der Pandemie vier bis sechs Wochen Verzögerung gegeben habe.

Vermehrtes Home-Office

Einen grundsätzlichen Rückgang der Büroflächen-Nachfrage in Zukunft durch möglicherweise vermehrtes Home-Office auch nach der Coronakrise sieht der Signa-Manager nicht. Manche Experten würden sogar einen höheren Pro-Kopf-Bedarf sehen, etwa durch allgemein größere Abstände, verweist er etwa auf einen Bericht der deutschen "Immobilien Zeitung".

Auch wenn künftig Home-Office stärker Einzug halte, sei das nicht mit dem erzwungenen Daheim-Arbeiten durch Corona zu vergleichen. "Ich rechne nicht, dass Dauer-Home-Office-Regelungen funktionieren. Da bleibt die Identifikation mit dem Unternehmen auf der Strecke", so Stadlhuber. Neue Ideen und kreative Prozesse entstünden nicht an einem Schreibtisch, sondern in einer immer stärkeren Kooperation und Kollaboration im Arbeitsleben, in Teams. Und: "Büros müssen so attraktiv sein, dass jeder sagt, wir arbeiten lieber dort als zuhause." Das stehe auch im Einklang mit der Tendenz zu im Schnitt immer kleineren Wohnungen, deren permanente Nutzung als Home-Office manchmal problematisch sei.

Stadthotellerie „schwer getroffen"

Die Stadthotellerie sei durch die Covid-19-Krise "schwer getroffen", sie würde aller Voraussicht nach anhaltend - mehrere Quartale noch - unter der coronabedingten Reisezurückhaltung zu leiden haben. "Die Prognosen gehen auf plus minus zwei Jahre", so Stadlhuber. Signa betreibt mit Partnern etwa in Wien das Park Hyatt und das Hyatt Andaz. Die großen Hotelketten würden die Krise durchtauchen können, schwierig werde es für Familienbetriebe. Viele müssten zusperren oder sich im Zweifel auch statt einer Weitergabe innerhalb der Familie für einen Verkauf der Immobilie entscheiden.

 

(APA)