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Mein Samstag

Gurkensalat auf Englisch

Schon lustig. Jetzt, da das Kind aufs Gymnasium geht, fallen mir allerlei vergessen geglaubte Erinnerungen aus meiner Unterstufenzeit ein. Der Geruch, den ich mit der ersten Klasse verbinde, ist jener nach Gurkensalat.

Weniger, weil es den beim Schulbuffet gab, sondern weil die Zettel im Englischunterricht einen für kopierte Zettel außerordentlich ungewöhnlichen Geruch hatten, der uns Kinder an Gurkensalat erinnerte. Weshalb wir immer, wenn die Frau Professor uns Übungszettel ausgeteilt hat, dies mit „Wäh, das riecht ja wie Gurkensalat“ kommentiert haben. (Ob die Zettel in anderen Fächern auch gurkig gerochen haben, weiß ich nicht mehr. Vermutlich aber nicht, in meiner Erinnerung war es ein zutiefst englisches Problem.)

Überlagert wird diese Gurkenerinnerung nur von jener an Erbsensuppe. Die gab es nämlich, das Kind kann es kaum glauben (und ich eigentlich auch nicht, und doch ist es wahr), bei uns beim Kaffee- und Kakaoautomaten. Genauer gesagt: im Kaffeeautomaten. Einige ältere Schüler lauerten dabei darauf, dass Erstklassler ihre Münzen für den Kakao in den Automaten werfen, um dann, ehe diese selbst auf „Kakao“ drücken können, blitzschnell den Knopf für „Erbsensuppe“ zu drücken. Woraufhin eine extrem fragwürdige gräulich-grüne Masse in den Plastikbecher gepurzelt ist.

Durchaus bemerkenswert, dass ich trotz der Gurkenkopien später Anglistik studiert habe (vielleicht, weil ab Klasse zwei eine andere Lehrerin gurkengeruchsfrei kopiert hat) und dass meine Kaffeepassion später an ebendiesem Erbsensuppen-Automaten begonnen hat. Auch ohne Gurkenkopien hätte die Luftqualität in unserer ersten Klasse damals keinerlei Gütesiegel bekommen: Die Fenster ließen sich nämlich nur kippen. Und auch auf diese Mini-Sauerstoffzufuhr haben wir meist verzichtet. Kombiniert mit der Tatsache, dass wir nach dem Turnen kollektiv nicht geduscht haben, hat das dazu geführt, dass unser Geolehrer jede Stunde mit den Worten „Fenster auf, hier riecht es ja wie in einem Affenkäfig!“ eröffnet hat. In diesem Sinne: Schönes Wochenende! Vergessen Sie nicht zu lüften!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com