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Song der Woche

Unbehagen im Wohnzimmer

Julia Holter.
Julia Holter.
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„Tragedy“ und „Ekstasis“ hießen die ersten Alben der 1984 in Los Angeles geborenen Julia Holter, das beschreibt ihre oft introspektive, von Klassik beeinflusste Musik ganz gut.

Julia Holter: »So Humble the Afternoon«. Man soll Künstler nicht selbst ihre Werke beschreiben lassen, aber diesmal passt's einfach zu gut: Irgendetwas am nebligen Unbehagen („hazy malaise“) dieses Songs, sagt Julia Holter, scheine ihr einfach in diese „endlessly apocalyptic time“ zu passen. Wie so viele unbehagliche Erzählungen dieser Tage spielt der Song im Wohnzimmer, bei leicht beschleunigtem Herzschlagrhythmus. Es säuselt, braust und zischt, und auch Julia Holter, von ihrem eigenen Echo verfolgt,flüstert mehr, als sie singt: „Quick storms blow right through, doesn't have to be the window.“ Gibt es hier überhaupt ein Fenster? Einmal hört man Glas klingen, dann versiegt auch schon bald der Rhythmus, und es bleiben nur die gehauchte Stimme und Klangflächen, die an- und abschwellen. „You know if I fall, doesn't have to be the last time“, so haben die letzten Zeilen gelautet. Sie klingen nach, an diesem unheimlichen Heim-Nachmittag.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Christoph Sepin (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 19 Uhr und 21 Uhr auf FM4. Weitere Infos auf www.diepresse.com/songderwoche und www.fm4.ORF.at.