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Glaubensfrage

Der Papst muss ausmisten

VATICAN-POPE-AUDIENCE
APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI
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Finanzskandale, Kardinalsrücktritt, Missbrauchsprozess gegen zwei Priester eines Vatikan-Seminars und das Festhalten am Geheimpakt mit China zeichnen ein katastrophales Bild der Kirchenzentrale.

Da ist in den vergangenen Tagen viel Unerfreuliches zusammengekommen! Man muss schon über robusten Glauben oder ein Höchstmaß an Gleichgültigkeit verfügen, um nach den Schauermeldungen aus dem Inneren des Vatikans nicht zu (ver)zweifeln. Während Papst Franziskus von einer besseren Welt, einer gerechteren Wirtschaftsordnung träumt und der Welt ein einschlägiges Lehrschreiben vorlegt, geht es an der vatikanischen Kurie, in seinem engsten Wirkungsbereich, drunter und drüber.

Der fatale Eindruck verfestigt sich: Das Oberhaupt der 1,3 Milliarden Katholiken versagt (noch immer?), Herr im eigenen Haus zu sein. Möglich, dass dieser Umstand ohnedies nicht neu ist. Dass die Kurie seit jeher vor sich hin werkt, wobei es vollkommen gleichgültig ist, wer sich unter ihr Papst nennen darf. Johannes Paul II. war ein Very-Big-Player der globalen Politik, hatte recht hermetische Vorstellungen in der Lehre für seine Kirche und setzte auf rigides Durchsetzen derselben. Die Vorgänge im italienisch dominierten Vatikan waren dem Mann aus Polen – wie zu vermuten ist – bis zuletzt weniger wichtig und blieben ihm fremd. Benedikt XVI. mangelte es nicht an der Kenntnis, Missstände zu sehen. Nur fehlte ihm letztlich die Kraft, diese abzustellen, was mittelbar zu seinem spektakulären Rücktritt geführt hat.

Das topaktuelle Bild des Zustands im Vatikanstaat ist erbärmlich. Finanzskandal: Papst zwingt Kardinal zum Rücktritt – Finanzskandal: Kardinal überweist Vertrauter mindestens eine halbe Million Euro – Finanzskandal: Vertraute dementiert Verhältnis zum Kardinal – Finanzskandal: Kardinal spricht von lediglich „institutioneller“ Beziehung zur Vertrauten – Finanzskandal: Haftbefehl gegen Vertraute des Kardinals – Finanzskandal: Vertraute des Kardinals verhaftet – Finanzskandal: Spendengelder für soziale Zwecke in hoch spekulativem Geschäft verbrannt – Finanzskandal: Ermittlungen wegen Verdachts von Erpressung, Unterschlagung, Betrug und Geldwäsche beim Kauf von Londoner Luxusimmobilien – Missbrauch: Prozess gegen zwei Priester eines Knabenseminars im Vatikan – China: Weihbischof der früheren verfolgten Untergrundkirche tritt wegen des vatikanischen Geheim-Pakts mit dem KP-Regime zurück – China: Kardinal spricht von einem Abkommen mit dem Teufel. So lautet in Schlagzeilenform die Chronologie der jüngsten Ereignisse.

Die letzte Neuigkeit: Nach mehr als sechs Jahren, in denen Papst Franziskus im Kreis von Kardinälen seines Vertrauens über die Reform der Kurie berät, schleppt sich die in die nächste Runde. Um glaubwürdig nach außen zu sprechen, muss Papst Franziskus intern für Ordnung sorgen. Raschest. ⫻