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Pizzicato

Don Juan Carlos

Über Juan Carlos türmen sich am Persischen Golf düstere Wolken.

Wie eine Kaskade stürzen die Peinlichkeiten, Enthüllungen und Skandale über den abgedankten König in seiner Suite in einer Luxusherberge im Exil in Abu Dhabi ein, wo sich der einstige Schürzen- und Elefantenjäger vor der Welt und ihren Nachstellungen versteckt. Verstoßen, verbannt, verfolgt: Juan Carlos Alfonso Víctor María de Borbón y Borbón-Dos Sicilias, wie der Ex-Monarch in voller Pracht und Herrlichkeit heißt, bleibt wahrlich nichts erspart – und erinnert so ein wenig an einen Kaiser, dessen Stammhaus ein Imperium gründete, in dem die Sonne nie unterging.

Über Juan Carlos türmen sich indes am Persischen Golf düstere Wolken. Die Schmiergeldzahlungen der arabischen Scheichs, die Schweizer Konten, die Bekenntnisse seiner deutschen Geliebten Corinna und jetzt auch noch mehrere Vaterschaftsklagen, die das Sittenbild am spanischen Hof komplettieren – unschön, das alles, wenngleich nicht weiter ungewöhnlich für seine Gastgeber.

Von Felipe, seinem Sohn, über seine entfremdete Frau Sophia bis zum Premier sind sie in Madrid heilfroh, dass der „Alte“ weit weg ist. Seriöse Gazetten und Klatschblätter aber frohlocken über ihren Don Juan Carlos. Er liefert den Stoff, aus dem Stücke, Opern, Romane, Filme sind. Herbei, geschwind – Spaniens Dichterfürsten, Verdi- und Schiller-Epigonen sind auf den Plan gerufen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2020)