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Radsport

Der Pedalritt auf drei Hochzeiten

Der Giro hat Norditalien erreicht. Während es in den Alpen noch um den Gesamtsieg geht, fällt in Spanien der Startschuss für die Vuelta.
Der Giro hat Norditalien erreicht. Während es in den Alpen noch um den Gesamtsieg geht, fällt in Spanien der Startschuss für die Vuelta.(c) APA/AFP/LUCA BETTINI
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Mit Giro, Klassiker und nun bald Vuelta sind die Rennställe gefordert: Es galt Personal und Material klug zu organisieren.

Wien. Es ist der ultimative Stresstest für den Radsportzirkus. Der dichte Kalender erfordert eine organisatorische Höchstleistung der World-Tour-Teams. Denn am Sonntag fuhren ihre Profis zeitgleich den Giro d'Italia (Tagessieger Tao Geoghegan Hart) und die Flandern-Rundfahrt (Mathieu van der Poel gewann den Klassikerschlusspunkt), zudem galt es die letzten Vorbereitungen für die am Dienstag im Baskenland beginnende Vuelta a España zu treffen. Womöglich hatte manch einer ob der Absage von Paris-Roubaix (25. Oktober) insgeheim aufgeatmet.

In Flandern wurden so jedenfalls Erinnerungen an früher wach: Radprofis kletterten wieder aus einfachen Campern anstatt der gewohnten Luxusbusse. Denn nicht alle Rennställe verfügen über zwei dieser Gefährte, und selbst wenn, waren diese schon in Norditalien und gen Baskenland unterwegs. Improvisation war also gefragt, es galt auch Mechaniker und Physiotherapeuten aufzustocken. Nicht mehr zweigleisig planen muss Jumbo-Visma, das mit Titelverteidiger Primož Roglič und Tom Dumoulin die Vuelta-Favoriten stellt. Wird der Giro-Ausstieg nach Coronafällen am Ende noch ein Vorteil?

Auch Giro-Renndirektor Mauro Vegni weiß um diese organisatorische Herausforderung. „Es ist klar, dass das Management von drei Rennen parallel für die Teams ein großes Problem darstellt. Aber dieses Jahr ist besonders. Wir müssen akzeptieren, was ist“, so der 61-Jährige. Sein Motto laute deshalb: „Alles, was klappt, ist gut.“

 

Erholung vor den Alpenpässen

In diesem Sinn hält Vegni an der Zieleinfahrt des 103. Giro d'Italia am 25. Oktober in Mailand fest. „Ich sehe das nicht als Wahrscheinlichkeit, sondern als Gewissheit“, betonte er vor dem heutigen zweiten Ruhetag. Ein Fiasko wie vor einer Woche sollte sich nach den negativen Zwischentestungen nicht wiederholen. Echte Erholung wäre für die Profis essenziell, gilt es doch Kräfte für die letzte Woche zu sammeln. In dieser warten fünf Etappen mit einer Länge um die 200 km, gespickt mit den schweren Anstiegen auf Valbona-Pass (17. Etappe), Stilfser Joch (18.) und Colle dell'Agnello (20.) – sofern das Wetter es erlaubt.

Auch für Patrick Konrad wird sich in den Alpen zeigen, ob er den siebenten Gesamtrang aus 2018 heuer toppen kann. „Die wirklich harten Etappen kommen erst. Ich bin weiter optimistisch, was die Gesamtwertung betrifft“, so der Niederösterreicher. Nach dem Rückfall im Zeitfahren kam er am Sonntag mit der Verfolgergruppe als Sechster ins Ziel und blieb Gesamtneunter. Der Vorsprung von Spitzenreiter João Almeida (POR) schrumpfte auf 15 Sekunden. (swi)

Giro und Vuelta

Der 103. Giro d'Italia bestreitet seine finale Alpenwoche, wenn am Dienstag die 75. Vuelta a España beginnt. Mit Bora-Profi Felix Großschartner startet dort nur ein Österreicher. Im Blickpunkt wird Chris Froome (Ineos) stehen, als Favoriten gelten aber Primož Roglič und Tom Dumoulin (beide Jumbo-Visma).

15. Etappe (185 km): 1. Gheoghegan Hart (GBR) Ineos 4:58:52 Std., 2. Kelderman (NED) Sunweb +0:02 Min., 3. Hindley (AUS) Sunweb +0:04, 4. Almeida (POR) Quickstep +0:37, 6. Patrick Konrad (AUT) Bora +1:29, 14. Hermann Pernsteiner (AUT) Bahrain +1:54.
Gesamt: 1. Almeida 59:27:38 Std., 2. Kelderman +0:15 Min., 3. Hindley +2:56, 9. Konrad 4:09, 15. Pernsteiner +9:30.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2020)