Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Keine Angst vor Aston Villa: "Wir sind keine Samariter"

Keine Angst Aston Villa
Gepa
  • Drucken

Rapid-Trainer Peter Pacult schildert im "Presse"-Interview sein Studium von Aston Villa, erklärt, warum er seiner Elf ein Video erspart und meint: "Nikica Jelavić bleibt bis Saisonende."

„Die Presse“: Das Los hat es so gewollt, dass Rapid wie im Vorjahr im Play-off-Entscheidungsspiel der Europa League auf den englischen Spitzenklub Aston Villa trifft. Ist das ein Segen oder ein Fluch?

Peter Pacult: Ich habe die Auslosung im Teletext verfolgt und zunächst nicht gewusst, was ich davon halten soll. Ein komischer Zufall jedenfalls. Aber seltsame Gedanken werden beide Vereine gehabt haben. Im Vorjahr konnten wir Geschichte schreiben, als erster österreichischer Klub in K.-o.- Spielen gewinnen. Das war etwas Besonderes. Das geht heuer leider nicht mehr.

Haben Sie Angst davor, diesen Mythos zu zerstören?

Pacult: Wir sind auch heuer wieder gerüstet, wir sind bereit. Beide Mannschaften haben sich nicht allzu viel verändert, wir freuen uns auf zwei Highlights. Die Engländer haben wie im Vorjahr ein Meisterschaftsspiel in den Beinen, wir ein bisserl mehr. Neu ist nur, dass der Trainer von Aston Villa vor einer Woche zurückgetreten ist. Angeblich aus finanziellen Gründen. Vielleicht braucht der Gegner das Geld aus der Europa League dringender als wir. Aber wir sind keine Samariter – wir wollen auch in die Gruppenphase.

Hat Aston Villa Rapid im Vorjahr unterschätzt?

Pacult: Vielleicht. Engländer pflegen sich mit österreichischen Klubs angeblich nicht so intensiv zu beschäftigen. Das wird diesmal nicht der Fall sein! Ich fürchte, die werden uns schon richtig einschätzen. Und was ich am Wochenende beim 3:0 gegen West Ham gesehen habe, gibt es doch kleine Systemveränderungen bei Aston Villa.

Warum werden Sie der Mannschaft kein Video von Aston Villa zeigen?

Pacult: Ich habe das oft genug erlebt, dass dann eine ganz andere gegnerische Mannschaft auf dem Platz steht als auf der Kassette zu sehen war. Das will ich den Spielern ersparen.

 

Ist Ihre Mannschaft in der Entwicklung dort, wo sie stehen sollte?

Pacult: Wir sind nach einem durchwachsenen Start auf und in der richtigen Spur. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass wir den Kader reduziert haben. Jetzt haben wir wieder die richtige Qualität beim Training. Und wie man trainiert, so spielt man auch. Wir hatten zu viele Leute auf dem Trainingsplatz. Und einige haben geglaubt, sie können es locker angehen, das Werkl wird schon von allein rennen. So geht es aber nicht.

Die Lösung der Rapid-Tormann-Frage hat einige überrascht. Hat Sie die Wahl bereits enttäuscht?

Pacult: Warum sollte ich enttäuscht sein? Raimund Hedl hat mein Vertrauen. Mir war klar, dass es Diskussionen geben wird. Na und? Das war und ist eine rein sportliche Entscheidung. Auch Hedl wird einmal Fehler machen dürfen – alles andere wäre doch unfair.

Ist Helge Payer ein fairer Verlierer?

Pacult: Ich muss für die Entscheidung den Kopf hinhalten. Sonst niemand. Und die Stimmung innerhalb einer Mannschaft ist immer so, wie sie es selber haben will. So einfach ist das.

Welche Ziele kann man als Rapid-Trainer neben dem Einzug in die Europa League noch haben?

Pacult: Titel zu gewinnen. Eine Meisterschaft haben wir geholt. Dann gibt es noch den Cup. Klar ist Salzburg Favorit. Die haben genug Qualität im Kader, viel Geld investiert. Es ist schwer, am Ende der Meisterschaft vor den Salzburgern zu stehen – aber unmöglich ist das nicht.

Es wird auch nicht oft passieren...

Pacult: Es gibt auch andere Ziele. Ich wünsche mir, dass wir attraktiven Fußball spielen, dass wir begeistern. Darum ist das Hanappistadion auch voll. Und ich will noch mehr Junge ins Team einbauen, ihnen bei der Entwicklung helfen. Es gibt viele Gründe, Rapid-Trainer sein zu wollen.

Was gibt es Neues von Nikica Jelavić? Präsident Rudolf Edlinger sagte, dass er gegen Aston Villa spielen werde. Wäre damit der Transfer zu den Glasgow Rangers vom Tisch?

Pacult: Für mich ist er bis Saisonende Rapidler!

ZUR PERSON

Peter Pacult
* 28. Oktober 1959 in Wien. Als Stürmer sorgte er bei Rapid, Tirol, 1860 München und Austria für Tore. Als Trainer betreute er 1860, Kärnten und Dynamo Dresden, seit 2006 zieht er bei Rapid die Fäden.Im Europa-League-Play-off kommt es heute zur Neuauflage gegen Aston Villa (18.45 Uhr, ORF1). [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2010)