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Fahnder entdecken soziale Netzwerke

AP

Im Bundeskriminalamt wird Facebook genauestens beobachtet und ausgewertet. Die eigenen Dienstleistungen der Behörde sind aber nur schwer auf dessen Website zu finden.

Wien. Im Bundeskriminalamt (BK) gibt es seit einigen Monaten ein neues Steckenpferd: Neben der kriminalistischen Tagesarbeit widmen sich heimische Ermittler vermehrt dem Internet. Im sozialen Netzwerk Facebook hat das BK eine offizielle Seite mit mittlerweile knapp 13.600 Fans. Dort bietet das BK einerseits Sicherheitstipps an, gibt aktuelle Informationen zu bestimmten Kriminalitätsformen, verlinkt aber auch bei aktuellen Fahndungen auf seine Homepage.

Denn dort habe man die „Datenhoheit“, auf Facebook dürfe man keine personenbezogenen Infos veröffentlichen. Projektleiter Gerhard Lang zur „Presse“: „Es gab unzählige Diskussionen mit unseren Juristen darüber, aber letztendlich hat sich doch die Meinung durchgesetzt, dass es unverzichtbar ist, hier dabei zu sein.“

So gerne Lang über die BK-Seite auf Facebook spricht, so still wird er auf die Frage, ob heimische BK-Ermittler undercover in sozialen Netzwerken ermitteln. Seine Antwort ist ausweichend, auf ein Ja oder Nein will er sich nicht einlassen: „Es ist bei Facebook nicht verboten, sich mit einer fiktiven Identität anzumelden.“ Würden Beamte das tun, könnten sie mit einer falschen Identität mit Personen in Kontakt treten, die sie möglicherweise im Visier haben. Viele Nutzer akzeptieren Freundschaftsanfragen ohne Prüfung. Der Verdächtige würde Fahndern so die Tür zu seinem Privatleben öffnen.

 

„Versteckte“ Polizeiseite

Auch die Wiener Polizei versucht – offiziell seit gestern, Mittwoch – via Internet mit den Bürgern verstärkt in Kontakt zu treten. Auf der Homepage der Wiener Polizei wird ab jetzt täglich über verschiedene Delikte der vergangenen 96 Stunden informiert. „Unser Ziel ist es, präventiv zu wirken, ohne die Bevölkerung zu verunsichern“, erklärt Walter Hladik, in der BPD Wien für Kriminalprävention zuständig. „Die Presse“ berichtete bereits im April über diese Seite, jedoch lief sie laut Polizei ab Juni „erst im Probebetrieb“.

Unter dem Menüpunkt „aktuelle Sicherheitsinformationen“ listet die Polizei nun spezielle Delikte auf, die in den vergangenen Tagen in einem bestimmten Grätzel gehäuft aufgetreten sind. Das Gebiet wird grafisch dargestellt. Alle Daten sind anonymisiert. Mit einer roten Markierung werden Standorte der Polizeiinspektionen (PI) angezeigt. Klickt man auf das rote Viereck, erhält man die Kontaktdaten dieser PI und kann sich dort über die Sicherheitslage informieren. „Uns geht es auch um eine aktive Partnerschaft zwischen den Bewohnern und der für sie zuständigen Inspektion“, erklärt Hladik. Daneben gibt die Exekutive auch Tipps zur Prävention. Werden etwa an einem Tag Kfz-Einbrüche angezeigt, werden die Besucher darüber informiert, wie man sich vor Autoeinbrüchen schützen kann.

Großes Manko dieser Applikation ist allerdings, dass Interessierte diese Seite nur schwer finden. Der Link lautet: www.bmi.gv.at/ cms/bpdwien/sicherheitsinformation/. Rat von Hladik: „Googeln Sie die BPD Wien und versuchen Sie so, auf die Seite zu kommen.“ Meinung, Seite 27

AUF EINEN BLICK

Facebook. Das Bundeskriminalamt (BK) hat seit einigen Monaten eine eigene Seite auf Facebook. Dort werden den mehr als 13.000 Fans vor allem Präventionstipps geboten. Bei aktuellen Fahndungen wird auf die Seite des Bundeskriminalamtes verlinkt. Da es auf Facebook nicht ausdrücklich verboten ist, sich mit einer fiktiven Identität anzumelden, könnten das auch Polizisten tun, um das Privatleben von ins Visier geratenen Personen auszukundschaften. Das BK will sich dazu nicht näher äußern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2010)