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Geschmacksfrage

Testessen im Augustiner Bräu im Gasthaus zu den 3 Hacken

Christine Pichler
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Heute ein kleiner Ersatz zum Oktoberfest: Eine Münchner Großbrauerei hat ein altehrwürdiges Wiener Wirtshaus übernommen. Skandal! Oder doch nicht?

 

Für eine meiner ersten Restaurant­kritiken – oder besser: Restaurant­elogen  – durfte ich das damals wiedereröffnete Wirtshaus „Zu den 3 Hacken“ testen. Zufall oder nicht, ich war der erste zahlende Gast in dem hübsch renovierten Schmuckkästchen und saß wie der Musterschüler am Fenstertischchen. Es gab Faschierten Braten mit Erdäpfelpüree, den ich artig aß und dann empfahl. Ich mochte das geschichtsträchtige Lokal, auch weil es so heimelig ist und zu mir passt: schön klein. Gefühlt war das in den frühen 80er-Jahren, aber vermutlich doch später. In den vergangenen Jahren war ich öfter dort, begeisterte mich an der fair kalkulierten Weinkarte und erfuhr, dass dort FPÖ-Politiker gern einkehren.

Aber wie ich immer zu meinem Freund, dem Eigentümer des Schwarzen Kameels, sagen will: Man kann sich seine Gäste nicht aussuchen. Jedenfalls wurde das Wirtshaus von der in halb Mitteleuropa sehr erfolgreichen (mehr als 60 Adressen!) Münchner Augustiner-Bräu-Kette übernommen. Die Nachricht mobilisierte den Kritiker in mir, gemeinsam mit den autochthonen Lokaltestern der Stadt wollte ich mit diesem Münchner Anschlag auf unsere Stadtkultur und unser Wertesystem gnadenlos abrechnen. Halblustige Pointen wie „Ist das die späte Rache, dass wir euch den bösen Mann aus der Meldemannstraße geschickt haben?“ wurden bereits vorformuliert. Doch nach zwei ­Besuchen muss ich schreiben: Das Wirtshaus wirkt vielleicht ein wenig seelenlos, aber Küche, Service, Weinkarte und vor allem das Bier, alles tadellos.

Christine Pichler

Der Schank­bereich wurde hübsch renoviert, das Bier punktet mit herbhopfigem Charme und unterscheidet sich vom Zuckergerstensaft, der in Österreich häufig als Bier verkauft wird. Auf der Weinkarte findet sich die eine oder andere Mezzie. Das Personal wurde nicht aus München geliefert, sondern untersteht wie auch ein großer Teil der Speisekarte einer lokalen Wiener Führung, das ist gut. Das bedeutet Gebackenes, wie es sein soll: Sowohl das Wiener als auch das Hirn vom Ötscherblickschwein wie der Kalbskopf punkten mit qualitativem Inhalt und knusprig-blasiger Panier.

Die Kalbsleber schmiegt sich dank Zwiebel, Pürree und dick-molligem Saft an den Gaumen, wie die Kollegen früher geschrieben hätten. Wirklich lustig ist das sogenannte Schäufele in dunkler Biersauce mit Fasskraut und Erd­äpfelknödel: Diese assoziative Mischung aus Schweinsbraten und -stelze kommt gar nicht aus Bayern, sondern aus dem Frankenland und dem Elsass. Es handelt sich um die knusprig gebratene flache Schweinsschulter. Damit Sie hier auch etwas lernen. 2021 eröffnen wir dann ein Schweizerhaus in München!

Augustiner Bräu München im Gasthaus Zu den Drei Hacken, Singerstraße 28, 1010 Wien, Tel.: +43/(0)1/512 58 95,
Restaurant: Mo–Sa: ­11–23   Uhr.

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