Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Erfolg International

Der Forscher mit dem Hoffnungs-Wirkstoff

„Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak, Außenministeriums-Generalsekretär Peter Launsky-Tieffenthal und Moderatorin Ingrid Thurnher (v. l.) mit dem per Video aus Kanada zugeschalteten Josef Penninger.(c) Die Presse/Clemens Fabry
  • Drucken

Josef Penninger forscht an einem Medikament gegen die Folgen einer Coronavirus-Infektion.

Nicht, dass man die leidige Sache mit dem Virus angesichts der doch recht außergewöhnlichen Preisverleihung in diesem Jahr vermeiden könnte. Aber die Vergabe der Auszeichnung an Josef Penninger, den Preisträger in der Kategorie „Erfolg International“, stand dann doch ganz im Zeichen der Pandemie. Weil Penninger seiner Forschungsarbeit derzeit in Kanada nachgeht, wurde er (nach ein paar Anlaufschwierigkeiten) per Skype zugeschaltet. „Presse“-Chefredakteur und Moderator Rainer Nowak meinte, er hätte zwar gern ein Boot gechartert, um Penninger zu überraschen, aber Kanada war doch zu weit weg.

Schließlich stand die Leitung, und Peter Launsky-Tieffenthal, der Generalsekretär des Außenministeriums, der den Preis in Vertretung des wegen seiner Corona-Infektion abwesenden Außenministers, Alexander Schallenberg, überreichte, betonte, er sei „stolz, wie viele Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher weltweit erfolgreich in so unterschiedlichen Sparten tätig sind. Und es macht dankbar, dass diese Österreich so verbunden bleiben“. Penninger ist zweifellos einer, der diese enge Verbindung gern pflegt. Er freue sich sehr über den Preis aus der Heimat, so Penningers Reaktion aus dem morgendlichen Vancouver. In Kontakt mit der Heimat sei er aber ohnehin viel – sei es mit Freunden, über den österreichischen Fußball, den er leidenschaftlich verfolge, oder durch die Kooperation mit Forschungskollegen.

Aus Kanada zugeschaltetet: Josef Penninger.(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Diese Forschungsarbeit hat Penninger in den vergangenen Monaten international und in Österreich besonders ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt: Schließlich arbeitet er an einer möglichen Therapie der Erkrankung Covid-19. Was kann sein Medikamentenkandidat APN01, wie weit ist die Entwicklung und wie stehen die Chancen, dass die Arznei in der Therapie erfolgreich sein wird? Penninger erklärt via Video-Schaltung: „Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren an einem Protein, ACE2, das ist die Tür, die das Sars-Coronavirus, auch das Virus, das Covid-19 auslöst, verwendet, um uns zu infizieren. Wir haben vor vielen Jahren herausgekriegt, wie diese Infektionen funktionieren. Basierend auf der Forschung von 20 Jahren haben wir ein Medikament mit zwei Funktionen entwickelt: Die erste Funktion ist, dass es das Virus blockiert, sodass dieses quasi die Tür nicht mehr findet. Die zweite Funktion ist, dass es Organe schützt. Das Herz, die Lunge, Blutgefäße. Dieses Medikament ist jetzt in Phase zwei der klinischen Entwicklung. Es wird in Europa und Russland, bald auch in Amerika getestet. Wir rekrutieren 200 Patienten. 100 bekommen den ,Standard of Care‘, 100 das Medikament. Wir hoffen, dass wir die Studie bald abschließen“, sagt Penninger.

 

Getestet wird auch in Linz

Getestet wird das Medikament in einer klinischen Studie unter anderem am Linzer Kepler Universitätsklinikum (KUK). Zuletzt gab es in Bezug auf APN01 auch vorsichtig positive Signale: Zumindest bei einer Patientin mit schwerer Covid-19-Erkrankung könnte der Medikamentenkandidat geholfen haben, das berichtete das Fachmagazin „The Lancet Respiratory Medicine“ kürzlich unter Berufung auf die Fallstudie eines internationalen Forscherteams unter Beteiligung des Imba (Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften).

Ob es die Hoffnungen am Ende erfüllt oder nicht – über einen Preis für seine Arbeit aus der Heimat darf sich Penninger jedenfalls freuen. Erst recht, wenn die Trophäe mit der Post in Vancouver ankommt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)