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Forschung

Richtige Diagnose zur richtigen Zeit

Jama Nateqi ist „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie Forschung (Mitte), mit den Gratulanten und FFG-Geschäftsführern Henrietta Egerth und Klaus Pseiner. DJ Mel Merio legt derweilen im Hintergrund auf.(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)
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Jama Nateqi schuf mit Symptoma die genaueste digitale Diagnosehilfe für Covid und andere Erkrankungen.

Da habe ich mich gewundert, warum die Film-Crew das Boot nicht stoppt, das uns mitten in die Aufnahme hineinfährt“, sagt Jama Nateqi. Die Filmszene trug sich im Attersee zu, bei nur fünf Grad Außentemperatur – doch Nateqi schwamm, so wie jeden Tag, im eiskalten Wasser. Gefilmt wurde dort für die Auszeichnung zum „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie Forschung, ganz in der Nähe des Hauptquartiers des von Nateqi gegründeten Unternehmens Symptoma. „Dann habe ich erst gesehen, dass auf dem Boot Rainer Nowak steht und die Trophäe in der Hand hält“, lacht Nateqi.

Die Überraschung über den Sieg in dieser Kategorie ist gelungen – und Nateqi wurde auf dem Boot zum ersten Preisträger in der Geschichte der Austria-Verleihungen, der die Trophäe im Neoprenanzug entgegennahm.

Der gebürtige Deutsche war schon im September überrascht, als er von der Nominierung bei der Austria 20 erfuhr. Und das, obwohl sein Unternehmen Symptoma mittlerweile an Auszeichnungen gewöhnt sein sollte – im Vergleich mit ähnlichen Systemen zur digitalen Diagnosehilfe landete der österreichische Chatbot zuletzt immer auf Platz eins, auch in einer Publikation des Journals „Nature“.

Gegründet hat Nateqi Symptoma mit Thomas Lutz, der schon seit 2002 mit Nateqi zusammenarbeitet: Auf der kostenfreien Webseite symptoma.at können Patienten und Ärzte Symptome und Suchwörter zu über 20.000 Erkrankungen eingeben. Die künstliche Intelligenz stellt dann weitere Fragen und listet jene Krankheiten auf, die als Ursache für die Symptome infrage kommen – sortiert nach Wahrscheinlichkeit.

Über 40 Millionen Nutzer auf der ganzen Welt hat das Symptoma-System bisher mit der Antwort versorgt, ob eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt. Weltweit ist es die genaueste Möglichkeit der digitalen Risikoeinschätzung einer Covid-19-Erkrankung. „In unserem Team nutzen alle Mitarbeiter täglich vor der Arbeit das System, und ich informiere mich vor eigenen Arztbesuchen auch mit Symptoma genau, was die Ursache meiner Beschwerden sein könnte“, sagt Nateqi. Und er hört immer öfter, dass Ärzte in ihrer Praxis während des Patientengesprächs nicht in Suchmaschinen, sondern mit Symptoma nach Antworten recherchieren: Immerhin kann eine korrekte und rechtzeitige Diagnose Leben retten.

Bei der Ehrung im Radiokulturhaus bedankte sich Nateqi bei seinem gesamten Team in Attersee, Wien und Salzburg, dem Investor und den öffentlichen Fördergebern (Land Salzburg, Land OÖ, FFG, AWS und Europäische Kommission) sowie bei seiner Frau, die ihn trotz des hohen Arbeitspensums liebt und unterstützt. „Selbst wenn ich morgens um ein Uhr aufstehe, um zu arbeiten“, sagt er.

 

Covid-19 auch Thema bei Finalistinnen

Das Thema Corona war auch bei weiteren Finalistinnen der Kategorie Forschung vertreten: Reingard Grabherr, Leiterin des Departments für Biotechnologie der Boku Wien, entwickelte einen Antikörpertest, der mit fast 100-prozentiger Sicherheit angibt, ob man bereits eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht hat oder nicht.

Und Katja Schechtner vom Austrian Institute of Technology (AIT) und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA entwickelt als Mobilitäts- und Urbanitätsforscherin Methoden, die große Menschenmassen stressfrei lenken, Drohneneinsätze clever regeln und Lieferketten stabil halten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)