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Klimainitiative

„Wir haben dieses Wunder gebraucht“

Cornelia Daniel bei der Überreichung des Preises durch den designierten Verbund-Chef, Michael Strugl, über den Dächern von Wien.(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)
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Cornelia Daniel gewinnt für ihre Vision, auf jedem Firmendach im Land Solarstrom zu erzeugen.

Dieser Preis gehört nicht mir allein. Er gehört den fast hundert Menschen, die täglich daran arbeiten, dass der Traum von Tausendundein Dach Realität werden kann“, sagt Cornelia Daniel, kurz nachdem sie bei der Austria 20 zur „Österreicherin des Jahres“ in der Kategorie Klimainitiative gekürt wurde. Seit sechs Jahren verfolgt die Gründerin von Dachgold gemeinsam mit 10hoch4 ein ehrgeiziges Ziel: Jedes Unternehmen im Land soll überzeugt werden, dass sich eine eigene Solaranlage am Dach rechne. Das erste Zwischenziel, 1001 Solardächer, will Daniel mit ihrer Initiative Tausendundein Dach heuer erreichen.

„Ich freue mich so wahnsinnig über diesen Preis und hätte mir vor zehn Jahren nie träumen lassen, jemals so eine Auszeichnung zu bekommen“, sagt die gebürtige Waldviertlerin. „Ich bin ja eine große Verfechterin der Kraft der Visionen, aber hier habe ich gelernt: Manche Dinge gehen auch in Erfüllung, ohne dass man sie sich wünscht. Ich bin unglaublich dankbar und demütig für alles, was geschehen ist, und für alles, was jetzt noch kommt. Schließlich ist Tausendundein Dach nur der Startschuss für das Solarzeitalter in Österreich.“

Doch damit dieser Startschuss glückt, muss noch einiges geschehen. Aktuell hat die junge Wirtschaftsabsolventin 613 Solar-Dächer umgesetzt, 388 fehlen noch. Doch das schreckt die Unternehmerin nicht ab. Sie wusste schon 2014, als sie die Vision von Tausendundein Dach hatte, dass im letzten Jahr, in dem das exponentielle Wachstum geplant war, ein „Wunder“ vonnöten sein würde. Dann kam 2020, der Green Deal der EU, das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz in Österreich, die grüne Investitionsprämie. „Neben all dem, was die Regierung in den letzten Monaten auf die Beine gestellt hat, ist dieses Wunder aber auch dieser Preis.“ Täglich kämen gerade Dächer und auch Großprojekte hinzu. „Es kann jetzt also richtig schnell gehen.“

Doch es wäre nicht Cornelia Daniel, würde sie sich damit schon zufrieden geben. Mit einem Auge visiert sie schon die nächste Stufe auf dem Weg zu ihrer Lebensvision an – und beginnt zu rechnen: Wenn sie hundert Menschen braucht, um tausend Dächer mit Solaranlagen zu versehen, sind für das Regierungsziel von einer Million Solardächern also tausend mal mehr Menschen notwendig. „Ich lade jene 100.000 Menschen ein, die in sich ein Feuer für die Zukunft spüren, sich auf den Weg zu machen und einen neuen Berufsweg einzuschlagen. Wir brauchen euch in den nächsten zehn Jahren“, sagt Cornelia Daniel. Auch der Verband der Elektrotechniker warnte erst kürzlich, dass es in Österreich zu wenig geschulte Arbeitskräfte gebe, um den von der Regierung geplanten Ausbau der Solarenergie bis 2030 auch wirklich auf die Dächer zu bringen. Eine neue Ausbildung soll hier Abhilfe schaffen.

Niemand müsse Berührungsängste haben, betont Daniel. Beim Wirtschaftsstudium war sie mit ihrem Interesse für die Solarenergie noch die Exotin. „Ich wusste bis vor zehn Jahren genauso wenig über Fotovoltaik wie die meisten Österreicherinnen und Österreicher. Ich habe auch nicht gewusst, wohin das alles führen soll. Heute weiß ich es. Zum Erfolg und persönlichen Glück durch das Gefühl, etwas gegen den Klimawandel zu tun.“ Dieses Glück will sie teilen und ruft daher alle Interessierten auf, sich mit der Solarenergie zu beschäftigen. „Und dabei ist es auch ganz egal, ob man heute schon weiß, was eine Kilowattstunde ist. Alles kann man lernen.“