Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Fokus auf
Austria'20

Die Österreicher des Jahres 2020

In acht Kategorien kürte „Die Presse“ auch in diesem Jahr wieder die „Österreicherinnen und Österreicher“ des Jahres.

Viel Kreativität und Flexibilität waren nötig, um die Austria-Preisverleihung zum mittlerweile 17. Mal auszurichten und in acht Kategorien die „Österreicherinnen und Österreicher“ des Jahres 2020 zu küren. Sie alle haben in ihrem jeweiligen Bereich Außergewöhnliches geleistet.

Überreicht wurde den meisten von ihnen die Trophäe bereits in den Tagen vor der Verleihung von „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak sowie den Partnern der einzelnen Kategorien, die sie an ihrem Arbeitsplatz oder unter dem Vorwand, ein Interview führen zu wollen, überraschten.

 

Nur in der Kategorie „Humanitäres Engagement“ erfuhren die Gewinnerinnen, nämlich die Gründerinnen des Projekts „Biber Newcomer“, am Abend der Verleihung im ORF Radiokulturhaus von ihrem Sieg. Diese Kategorie ist auch die einzige mit einer Dotierung, die Ränge eins bis drei erhalten jeweils 10.000 Euro als Unterstützung für ihren gemeinnützigen Einsatz – zur Verfügung gestellt von sämtlichen Partnern der Austria 20. An Bord waren auch in diesem Jahr wieder das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, die Forschungsförderungsgesellschaft FFG, die Österreichischen Lotterien, der ORF, die Wirtschaftskammer Österreich Wien sowie der Verbund, der heuer erstmals mit dabei ist. Die Preisverleihung, moderiert von Rainer Nowak und ORF-III-Chefredakteurin Ingrid Thurnher, war erstmals im TV-Hauptabendprogramm von ORF III zu sehen (22. Oktober um 20.15 Uhr auf ORF III), die Sendung kann in der TVthek nachgesehen werden.

 

 

Österreicher des Jahres

„Oma? Nachbarn? Helfen wir doch allen“

Mahmoud Mahmoud und Elias Bracher wagten sich im Lockdown für andere hinaus.

Wie viele Kilometer sie zu Fuß absolviert haben, wissen Mahmoud Mahmoud, Elias Bracher, Paul Hofbauer und Mete Argun nicht mehr. Auch nicht, wie viele Einkaufstaschen sie geschleppt, wie viele neue Straßen sie entdeckt und wie viele fremde Gesichter sie zum Strahlen gebracht haben. Eines aber können die vier Schüler mit Sicherheit sagen: „Es hat sich gut angefühlt.“

Es, damit meinen die 15-Jährigen ihr Engagement, das sie im Frühjahr, während des Lockdowns, an den Tag gelegt haben. Genauer gesagt ab dem 13. März. „Es war ein Freitag“, erinnert sich Bracher, „und es hieß, dass wir wegen des Coronavirus ab Montag vorerst nicht mehr in unser Gymnasium in der Rahlgasse in Wien Mariahilf kommen dürften.“ Daheim sitzen und Playstation spielen, das wollten die Jugendlichen aber nicht. „Da das Covid-19-Virus Jugendlichen weniger ausmacht, fanden wir, dass es besser ist, wenn wir hinausgehen und nicht Leute wie mein Vater, der an Diabetes leidet und schon zwei Herzinfarkte hatte“, sagt Mahmoud. Noch im Schulgebäude riefen die Freunde den Instagram-Account „Einkaufen gegen Corona“ ins Leben. „Wir gaben unsere Namen und Telefonnummern an und ermutigen all jene, die zu den Risikogruppen zählen, sich zu melden“, erzählt Bracher. Konkret: Personen über 60 Jahre, Menschen mit Vorerkrankungen oder Alleinerziehende. „Wir sagten uns: Warum sollen wir nur für unsere eigenen Eltern, die Oma oder unsere Nachbarn einkaufen, zur Apotheke, in die Drogerie, Wäscherei oder auf die Post gehen, helfen wir doch gleich ganz Wien“, fasst Mahmoud zusammen.

Noch am selben Tag begannen die Handys der Teenager, die am Donnerstag im Rahmen der Austria zu den „Österreichern des Jahres“ 2020 gekürt wurden, zu läuten und piepsen. Die Schüler besorgten sich Handschuhe und Masken und teilten sich in Teams auf. „Anders hätten wir nicht alles tragen können“, sagt Mahmoud. „Einmal mussten wir einen Weg zu zweit dreimal hin- und herlaufen, da der Kunde so viele Aufträge hatte“, schildert der Wiener mit ägyptischen Wurzeln. Auch das Timing war eine Herausforderung: „Anfangs hatten wir zwei, drei Anrufe pro Tag, bald liefen wir täglich von zehn bis 18 oder 19 Uhr durch.“

Unterwegs waren die Schüler mit Bus, Straßenbahn, U-Bahn und – vor allem – zu Fuß. „Wir haben viele neue Ecken von Wien kennengelernt“, erzählt Mahmoud – „und einige Geschäfte, die ich ohne diese Aktion nie von innen gesehen hätte, so versteckt, waren die“, sagt er lachend. „Ohne Google Maps wären wir aufgeschmissen gewesen.“

Bald wählten auch Journalisten die Nummer der Helfer. „Der ORF wollte ein Interview“, sagt Mahmoud. Auch in französischen, kanadischen und ägyptischen Medien wurde über die Initiative berichtet. „Ein österreichischer Politiker hat uns sogar angeboten, uns mit dem Auto zu fahren, wir lehnten ab“, sagt Bracher. „Wir wollten einfach helfen, nicht berühmt werden.“

Ganz um die Politik herum kamen die Gymnasiasten dennoch nicht: „Nachdem wir nominiert wurden, lud uns ,Presse‘-Chefredakteur Rainer Nowak zu einem Interview ins Café Landtmann“, erzählt Mahmoud, der sich für den Termin eigens eine Krawatte umgebunden hatte. „Wir waren sehr aufgeregt, umso mehr, als Ingrid Thurnher vom ORF auftauchte und meinte, wir sollten mitkommen, sie hätte eine Überraschung für uns.“ Und zwar eine doppelte: „Wir durften ins Kanzleramt, wo uns Sebastian Kurz den Preis überreichte – und sagte, hätte er gewusst, dass ich Krawatte trage, hätte er sich auch eine umgebunden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)

Unternehmen mit Verantwortung

Die Verantwortung steckt im Burger

„Österreicher des Jahres“ sind Irene und Karl Schillinger. Ihre Swing-Kitchen-Restaurants boomen – auch in der Krise.

Die Überraschung ist geglückt. Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer und „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak platzten mitten in eine Team-Besprechung im Swing-Kitchen-Restaurant in der Schottenfeldgasse in Wien Neubau. Vor ihren Mitarbeitern erfuhren Irene und Karl Schillinger, dass sie zu „Österreichern des Jahres“ gekürt wurden. Die Leserinnen und Leser der „Presse“ hatten die Restaurantkette, die auf veganes Fastfood setzt, klar auf den ersten Platz gevotet. Auch ein Beweis dafür, dass Swing Kitchen über eine große Fangemeinde verfügt. Und diese Fans sind bekanntlich nicht unbedingt Veganer. Genauer: „80 Prozent unserer Gäste sind keine Veganer“, sagt Irene Schillinger.

Die Coronapandemie erforderte es, dass der Preis heuer nicht im Rahmen einer Gala, sondern in Form eines „Überfallskommandos“ verliehen wurde. Der Freude tat dies aber keinen Abbruch. Unter dem Jubel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahmen die Schillingers ihre Auszeichnung entgegen. Und auch wenn Wirtschaftskammer-Chef Mahrer und „Presse“-Chef Nowak alles andere als Veganer sind, diese Auszeichnung freute beide sehr. Denn gerade in Zeiten wie diesen wurde ein Gastronomieunternehmen ausgezeichnet, das mit jeder Menge Innovationsgeist und Optimismus in die Zukunft blickt.

Neun Restaurants betreibt Swing Kitchen in Wien, weitere in Graz, Berlin und Bern. 220 Mitarbeiter müssen nicht um ihren Job fürchten. Im Gegenteil: Irene und Karl Schillinger schmieden bereits neue Expansionspläne. Der Hunger nach veganer Küche muss schließlich gestillt werden.

Angefangen hat alles mit dem Dorfgasthaus der Familie Schillinger in Großmugl im niederösterreichen Weinviertel. Dort wuchs „Charly“ Schillinger auf. Als der Vater früh stirbt, sind da fünf Schweine im Stall, und Charly bringt es nicht übers Herz, sie zu töten. Die ganze Familie beschloss, kein Fleisch mehr zu essen. „Wir waren die ersten Vegetarier in Großmugl“, erzählt Schillinger. Das Wirtshaus ließ er bleiben, stattdessen zog es ihn als Fondsmanager in die Finanzwelt.

Im Wirtshaus Schillinger kochte Irene Schillinger nur noch zum Spaß. Natürlich vegan. Freunde wurden eingeladen. Und irgendwann waren die Koch-Sessions so beliebt, dass das Gasthaus modernisiert und neu eröffnet wurde. Das vegane Gasthaus Schillinger. Eine Sensation. Groß beworben wurde die vegane Küche nicht, dennoch lockte sie Neugierige aus allen möglichen Richtungen an. Es gab Schnitzel, Wildragout und sogar Martini-Gansl. Aber eben auf veganer Basis. „Bei uns diskutierten Jäger, ob das Wildragout vom Reh oder vom Hirsch ist“, erzählt Schillinger und lacht.

 

Lockere Küche, ernstes Thema

Irgendwann reifte die Idee, eine vegane Restaurantkette zu gründen. Systemgastronomie. „Wir haben drei Jahre an dem Projekt getüftelt“, sagt Irene Schillinger. Dann standen Konzept und Name fest. Die erste Swing Kitchen sperrte 2015 auf.

Der Swing entstand in der Zwischenkriegszeit. Lockere Musik in einer sehr ernsten Zeit. Swing Kitchen sei eben lockere Küche zu einem ernsten Thema, nämlich Tier- und Umweltschutz. Die Schillingers servieren ihre Botschaft „ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit Fröhlichkeit“, erklärt die Chefin. Aber natürlich wird in den Restaurants auch unterschwellig serviert, dass ein veganer Burger weniger Ressourcen verbraucht und nachhaltiger ist als Fleisch. Das nennt man dann „Unternehmen mit Verantwortung“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)

Klimainitiative

„Wir haben dieses Wunder gebraucht“

Cornelia Daniel gewinnt für ihre Vision, auf jedem Firmendach im Land Solarstrom zu erzeugen.

Dieser Preis gehört nicht mir allein. Er gehört den fast hundert Menschen, die täglich daran arbeiten, dass der Traum von Tausendundein Dach Realität werden kann“, sagt Cornelia Daniel, kurz nachdem sie bei der Austria 20 zur „Österreicherin des Jahres“ in der Kategorie Klimainitiative gekürt wurde. Seit sechs Jahren verfolgt die Gründerin von Dachgold gemeinsam mit 10hoch4 ein ehrgeiziges Ziel: Jedes Unternehmen im Land soll überzeugt werden, dass sich eine eigene Solaranlage am Dach rechne. Das erste Zwischenziel, 1001 Solardächer, will Daniel mit ihrer Initiative Tausendundein Dach heuer erreichen.

„Ich freue mich so wahnsinnig über diesen Preis und hätte mir vor zehn Jahren nie träumen lassen, jemals so eine Auszeichnung zu bekommen“, sagt die gebürtige Waldviertlerin. „Ich bin ja eine große Verfechterin der Kraft der Visionen, aber hier habe ich gelernt: Manche Dinge gehen auch in Erfüllung, ohne dass man sie sich wünscht. Ich bin unglaublich dankbar und demütig für alles, was geschehen ist, und für alles, was jetzt noch kommt. Schließlich ist Tausendundein Dach nur der Startschuss für das Solarzeitalter in Österreich.“

Doch damit dieser Startschuss glückt, muss noch einiges geschehen. Aktuell hat die junge Wirtschaftsabsolventin 613 Solar-Dächer umgesetzt, 388 fehlen noch. Doch das schreckt die Unternehmerin nicht ab. Sie wusste schon 2014, als sie die Vision von Tausendundein Dach hatte, dass im letzten Jahr, in dem das exponentielle Wachstum geplant war, ein „Wunder“ vonnöten sein würde. Dann kam 2020, der Green Deal der EU, das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz in Österreich, die grüne Investitionsprämie. „Neben all dem, was die Regierung in den letzten Monaten auf die Beine gestellt hat, ist dieses Wunder aber auch dieser Preis.“ Täglich kämen gerade Dächer und auch Großprojekte hinzu. „Es kann jetzt also richtig schnell gehen.“

Doch es wäre nicht Cornelia Daniel, würde sie sich damit schon zufrieden geben. Mit einem Auge visiert sie schon die nächste Stufe auf dem Weg zu ihrer Lebensvision an – und beginnt zu rechnen: Wenn sie hundert Menschen braucht, um tausend Dächer mit Solaranlagen zu versehen, sind für das Regierungsziel von einer Million Solardächern also tausend mal mehr Menschen notwendig. „Ich lade jene 100.000 Menschen ein, die in sich ein Feuer für die Zukunft spüren, sich auf den Weg zu machen und einen neuen Berufsweg einzuschlagen. Wir brauchen euch in den nächsten zehn Jahren“, sagt Cornelia Daniel. Auch der Verband der Elektrotechniker warnte erst kürzlich, dass es in Österreich zu wenig geschulte Arbeitskräfte gebe, um den von der Regierung geplanten Ausbau der Solarenergie bis 2030 auch wirklich auf die Dächer zu bringen. Eine neue Ausbildung soll hier Abhilfe schaffen.

Niemand müsse Berührungsängste haben, betont Daniel. Beim Wirtschaftsstudium war sie mit ihrem Interesse für die Solarenergie noch die Exotin. „Ich wusste bis vor zehn Jahren genauso wenig über Fotovoltaik wie die meisten Österreicherinnen und Österreicher. Ich habe auch nicht gewusst, wohin das alles führen soll. Heute weiß ich es. Zum Erfolg und persönlichen Glück durch das Gefühl, etwas gegen den Klimawandel zu tun.“ Dieses Glück will sie teilen und ruft daher alle Interessierten auf, sich mit der Solarenergie zu beschäftigen. „Und dabei ist es auch ganz egal, ob man heute schon weiß, was eine Kilowattstunde ist. Alles kann man lernen.“

Start-ups

Wie man Jung und Alt zusammenbringt

Die Generationenfrage beschäftigte Klaudia Bachinger. Sie gründete WisR, ein ausgezeichnetes Start-up.

Vor wenigen Tagen veröffentlichten die Berater von Deloitte eine Studie zum Arbeiten im Alter. In 90 Prozent der befragten Unternehmen ist man überzeugt, dass Erwerbsarbeit in der Alterspension an Bedeutung gewinnt. Fast ebenso viele sehen in Generationenmix und Wissenstransfer zwischen Jung und Alt einen Vorteil.

Klaudia Bachinger hat das schon früher gesehen. Inspiriert von den Begegnungen mit vielen (älteren) Menschen auf dem 750 Kilometer langen Franziskusweg von Norditalien nach Rom, gründete sie 2017 die Plattform WisR (sprich „weiser“), die „Konzepte zum Umgang mit einer älter werdenden Belegschaft, insbesondere Mitarbeitern im Ruhestandsalter“ anbietet. Anders gesagt Projekt-, Teilzeit- und Minijobs anbietet, die Kompetenzen und Erfahrungen der Menschen 59+ einbindet, die neben der Pension dazuverdienen wollen. Das Thema demografischer Wandel gehe alle Altersgruppen an, sagt die 34-Jährige. Sie habe gesehen, wie viel Wissen mit der Pensionierung verloren geht. Und wie viel jene, die oft als Best Ager oder Silver Ager bezeichnet werden, leisten können und wollen – aber in vielen Fällen nicht dürfen, weil Unternehmen eine restriktive Pensionierungspolitik betreiben.

Für diese Idee und ihre Umsetzung wurde Klaudia Bachinger nun von Wiens Wirtschaftsstadtrat, Peter Hanke, als „Österreicherin des Jahres“ in der Kategorie Start-ups ausgezeichnet. Und völlig überrascht. Denn Hanke „überrumpelte“ Bachinger gemeinsam mit den Chefredakteuren von ORF III und „Presse“, Ingrid Thurnher und Rainer Nowak, während sie in ihrem neuen Wiener Büro, im „Collab“, das an das von Lin Reimann geführte „The Student Hotel“ angeschlossen ist, ein Interview gab. Umso größer waren Freude und Überraschung.

„Innovation, Kreativität und Technologie – drei Begriffe, die die Jungen gut im Griff haben“, sagt Hanke. Daher könne man sich auch darauf verlassen, dass sie ihre jungen Unternehmen gut gemanagt durch und aus der Covid-19-Krise führen werden. Wien, sagte Hanke, habe sich vor allem im Life-Science-Bereich zu einem Top-Standort für Start-ups entwickelt. Reüssieren können Start-ups aber auch in anderen Bereichen, wie WisR zeigt.

Bachinger und ihr Team arbeiten längst an weiteren Entwicklungen: Als Covid-19 die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ihrer vornehmlich aus dem KMU-Bereich stammenden Kunden einknicken ließ, war sie froh, längst ein weiteres Geschäftsfeld aufgemacht zu haben. Sie bietet eine in Wien programmierte Softwarelösung für große Unternehmen an, die über das wertschätzende Offboarding in den Ruhestand den Kontakt zu den ehemaligen Angestellten hält. Für Spitzenzeiten oder wenn Fragen auftauchen, für deren Beantwortung das Wissen und die Erfahrung Älterer gebraucht werden. Die Pensionisten werden eingeladen, im Senior Experts Pool ein Profil anzulegen. Darin enthalten sind nicht nur die Projekte, an denen sie beteiligt waren, ihre Auslandserfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse, sondern auch die Information, für welche Form des Engagements sie ansprechbar sind: Projektmitarbeit, Beratungs- oder Mentorentätigkeiten. Autozulieferer, Handel und Logistik seien besonders an den „Weisen“ interessiert, ebenso familiengeführte Unternehmen: „Sie haben eine nachhaltige Personalstrategie.“ Primär große Organisationen. Denn, sagt Bachinger, „Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitern kann niemand mehr allein überblicken“. Da könne ihr Angebot helfen, die richtigen Menschen anzusprechen. Jene, die vielleicht etwas älter, aber jedenfalls weiser sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)

Forschung

Richtige Diagnose zur richtigen Zeit

Jama Nateqi schuf mit Symptoma die genaueste digitale Diagnosehilfe für Covid und andere Erkrankungen.

Da habe ich mich gewundert, warum die Film-Crew das Boot nicht stoppt, das uns mitten in die Aufnahme hineinfährt“, sagt Jama Nateqi. Die Filmszene trug sich im Attersee zu, bei nur fünf Grad Außentemperatur – doch Nateqi schwamm, so wie jeden Tag, im eiskalten Wasser. Gefilmt wurde dort für die Auszeichnung zum „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie Forschung, ganz in der Nähe des Hauptquartiers des von Nateqi gegründeten Unternehmens Symptoma. „Dann habe ich erst gesehen, dass auf dem Boot Rainer Nowak steht und die Trophäe in der Hand hält“, lacht Nateqi.

Die Überraschung über den Sieg in dieser Kategorie ist gelungen – und Nateqi wurde auf dem Boot zum ersten Preisträger in der Geschichte der Austria-Verleihungen, der die Trophäe im Neoprenanzug entgegennahm.

Der gebürtige Deutsche war schon im September überrascht, als er von der Nominierung bei der Austria 20 erfuhr. Und das, obwohl sein Unternehmen Symptoma mittlerweile an Auszeichnungen gewöhnt sein sollte – im Vergleich mit ähnlichen Systemen zur digitalen Diagnosehilfe landete der österreichische Chatbot zuletzt immer auf Platz eins, auch in einer Publikation des Journals „Nature“.

Gegründet hat Nateqi Symptoma mit Thomas Lutz, der schon seit 2002 mit Nateqi zusammenarbeitet: Auf der kostenfreien Webseite symptoma.at können Patienten und Ärzte Symptome und Suchwörter zu über 20.000 Erkrankungen eingeben. Die künstliche Intelligenz stellt dann weitere Fragen und listet jene Krankheiten auf, die als Ursache für die Symptome infrage kommen – sortiert nach Wahrscheinlichkeit.

Über 40 Millionen Nutzer auf der ganzen Welt hat das Symptoma-System bisher mit der Antwort versorgt, ob eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt. Weltweit ist es die genaueste Möglichkeit der digitalen Risikoeinschätzung einer Covid-19-Erkrankung. „In unserem Team nutzen alle Mitarbeiter täglich vor der Arbeit das System, und ich informiere mich vor eigenen Arztbesuchen auch mit Symptoma genau, was die Ursache meiner Beschwerden sein könnte“, sagt Nateqi. Und er hört immer öfter, dass Ärzte in ihrer Praxis während des Patientengesprächs nicht in Suchmaschinen, sondern mit Symptoma nach Antworten recherchieren: Immerhin kann eine korrekte und rechtzeitige Diagnose Leben retten.

Bei der Ehrung im Radiokulturhaus bedankte sich Nateqi bei seinem gesamten Team in Attersee, Wien und Salzburg, dem Investor und den öffentlichen Fördergebern (Land Salzburg, Land OÖ, FFG, AWS und Europäische Kommission) sowie bei seiner Frau, die ihn trotz des hohen Arbeitspensums liebt und unterstützt. „Selbst wenn ich morgens um ein Uhr aufstehe, um zu arbeiten“, sagt er.

 

Covid-19 auch Thema bei Finalistinnen

Das Thema Corona war auch bei weiteren Finalistinnen der Kategorie Forschung vertreten: Reingard Grabherr, Leiterin des Departments für Biotechnologie der Boku Wien, entwickelte einen Antikörpertest, der mit fast 100-prozentiger Sicherheit angibt, ob man bereits eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht hat oder nicht.

Und Katja Schechtner vom Austrian Institute of Technology (AIT) und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA entwickelt als Mobilitäts- und Urbanitätsforscherin Methoden, die große Menschenmassen stressfrei lenken, Drohneneinsätze clever regeln und Lieferketten stabil halten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)

Humanitäres Engagement

Heldinnen, die mit Hingabe helfen

Gleich drei Gewinnerinnen gab es in dieser Kategorie: etwa das Schulprojekt „Newcomer“.

Sie opfern ihre Freizeit, arbeiten ehrenamtlich und weigern sich hinzunehmen, wenn etwas in unserer Gesellschaft nicht funktioniert – lieber setzen sie sich dafür ein, dass es besser wird. Auch heuer wurden für die Austria 20 wieder herausragende Persönlichkeiten für ihr humanitäres Engagement nominiert. Ausgewählt, welche drei Projekte prämiert werden, haben die Leser und User selbst. Und die Kategorie ist die einzige, in der jeweils an die Bestplatzierten ein Scheck in Höhe von 10.000 Euro als Unterstützung für den gemeinnützigen Einsatz vergeben wird.

Einen besonderen Applaus gab es dann bei der Verleihung für die Siegerinnen, als diese auf die Bühne kamen. Der erste Platz ging an das Schulprojekt „Newcomer“ des Magazins „Biber“, durch das oft sozial benachteiligte Jugendliche ihre eigene Geschichte erzählen können. Dort schreiben sie etwa Artikel, nehmen Podcasts auf oder gestalten Videos – den Inhalt bestimmen sie selbst. Drei Journalistinnen haben das Projekt initiiert: Melisa Erkurt war langjährige Leiterin von „Newcomer“, mittlerweile haben die „Biber“-Redakteurin Aleksandra Tulej und die „Biber“-Chefredakteurin, Delna Antia-Tatić, übernommen.

Alle drei waren für den Austria-Award nominiert, entgegen nahm die Trophäe stellvertretend Tulej. „Der Preis ist für uns als kleine Redaktion sehr viel wert. Er bedeutet für uns, dass wir jetzt noch mehr Jugendliche erreichen können und Talente fördern, die sonst nicht die Chance dafür hätten.“ Freude kam auch bei Antia-Tatić auf, die bei der Verleihung im Publikum saß: „Das Newcomer-Projekt ist unser Herzensprojekt. Die Austria 20 zu gewinnen bringt den Schülerinnen und Schülern einmal eine andere Art medialer Aufmerksamkeit. Normalerweise wird negativ über sie berichtet – beim ,Newcomer‘ zeigen sie, wie viel in ihnen steckt.“ Und Erkurt kündigte an, dass das Projekt in Zukunft wachsen soll: „Jetzt legen wir los. Denn die Schülerinnen und Schüler wollen endlich gehört werden und ihre Geschichten selber erzählen.“

Auch Elisabeth Cerwenka konnte an diesem Abend einen Scheck mit nach Wörgl nehmen: Die Tirolerin setzt sich seit 16 Jahren mit ihrem Entwicklungsprojekt „Grenzenlos helfen“ ehrenamtlich in Ghana ein. Als „Engel von Ntronang“ wird Cerwenka in dem afrikanischen Dorf gern bezeichnet, wo sie mithilfe von Spendengeldern bereits eine Krankenstation und eine Schule gebaut hat, regelmäßig schickt sie auch Hilfsgüter. „Es steht aber noch immer viel an“, sagte sie bei der Verleihung, bei der sie sichtlich gerührt war und sich „unfassbar“ freute – etwa eine Geburtenstation will sie mit dem Preisgeld nun bauen.

In ihrer Uniform kaum zu übersehen war Maria Swittalek an diesem Abend. „Ich muss etwas machen, ich kann nicht einfach die Füße hochlegen“, sagte sie sich im März, als sich das Coronavirus in Österreich auszubreiten begann – und das Rote Kreuz nach Freiwilligen suchte, um mobile Testungen durchzuführen. „Wer bei der Hotline 1450 anrief und über Husten, Fieber, Kurzatmigkeit klagte, den besuchten wir, teils in Teams, teils war ich allein unterwegs“, sagte die Sanitäterin. Ein Engagement, das ihr einen Platz am Siegerpodest und ein Preisgeld einbrachte. „Ich möchte, dass die 10.000 Euro jene bekommen, die am wenigsten damit rechnen: Die, die 365 Tage und Nächte im Jahr viel mehr geben, als sie nehmen“, betonte die Medizinstudentin. Und meint: „Die freiwilligen Helfer des Roten Kreuzes.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)

Erfolg International

Der Forscher mit dem Hoffnungs-Wirkstoff

Josef Penninger forscht an einem Medikament gegen die Folgen einer Coronavirus-Infektion.

Nicht, dass man die leidige Sache mit dem Virus angesichts der doch recht außergewöhnlichen Preisverleihung in diesem Jahr vermeiden könnte. Aber die Vergabe der Auszeichnung an Josef Penninger, den Preisträger in der Kategorie „Erfolg International“, stand dann doch ganz im Zeichen der Pandemie. Weil Penninger seiner Forschungsarbeit derzeit in Kanada nachgeht, wurde er (nach ein paar Anlaufschwierigkeiten) per Skype zugeschaltet. „Presse“-Chefredakteur und Moderator Rainer Nowak meinte, er hätte zwar gern ein Boot gechartert, um Penninger zu überraschen, aber Kanada war doch zu weit weg.

Schließlich stand die Leitung, und Peter Launsky-Tieffenthal, der Generalsekretär des Außenministeriums, der den Preis in Vertretung des wegen seiner Corona-Infektion abwesenden Außenministers, Alexander Schallenberg, überreichte, betonte, er sei „stolz, wie viele Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher weltweit erfolgreich in so unterschiedlichen Sparten tätig sind. Und es macht dankbar, dass diese Österreich so verbunden bleiben“. Penninger ist zweifellos einer, der diese enge Verbindung gern pflegt. Er freue sich sehr über den Preis aus der Heimat, so Penningers Reaktion aus dem morgendlichen Vancouver. In Kontakt mit der Heimat sei er aber ohnehin viel – sei es mit Freunden, über den österreichischen Fußball, den er leidenschaftlich verfolge, oder durch die Kooperation mit Forschungskollegen.

Aus Kanada zugeschaltetet: Josef Penninger.(c) Die Presse/Clemens Fabry (Clemens Fabry)

Diese Forschungsarbeit hat Penninger in den vergangenen Monaten international und in Österreich besonders ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt: Schließlich arbeitet er an einer möglichen Therapie der Erkrankung Covid-19. Was kann sein Medikamentenkandidat APN01, wie weit ist die Entwicklung und wie stehen die Chancen, dass die Arznei in der Therapie erfolgreich sein wird? Penninger erklärt via Video-Schaltung: „Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren an einem Protein, ACE2, das ist die Tür, die das Sars-Coronavirus, auch das Virus, das Covid-19 auslöst, verwendet, um uns zu infizieren. Wir haben vor vielen Jahren herausgekriegt, wie diese Infektionen funktionieren. Basierend auf der Forschung von 20 Jahren haben wir ein Medikament mit zwei Funktionen entwickelt: Die erste Funktion ist, dass es das Virus blockiert, sodass dieses quasi die Tür nicht mehr findet. Die zweite Funktion ist, dass es Organe schützt. Das Herz, die Lunge, Blutgefäße. Dieses Medikament ist jetzt in Phase zwei der klinischen Entwicklung. Es wird in Europa und Russland, bald auch in Amerika getestet. Wir rekrutieren 200 Patienten. 100 bekommen den ,Standard of Care‘, 100 das Medikament. Wir hoffen, dass wir die Studie bald abschließen“, sagt Penninger.

 

Getestet wird auch in Linz

Getestet wird das Medikament in einer klinischen Studie unter anderem am Linzer Kepler Universitätsklinikum (KUK). Zuletzt gab es in Bezug auf APN01 auch vorsichtig positive Signale: Zumindest bei einer Patientin mit schwerer Covid-19-Erkrankung könnte der Medikamentenkandidat geholfen haben, das berichtete das Fachmagazin „The Lancet Respiratory Medicine“ kürzlich unter Berufung auf die Fallstudie eines internationalen Forscherteams unter Beteiligung des Imba (Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften).

Ob es die Hoffnungen am Ende erfüllt oder nicht – über einen Preis für seine Arbeit aus der Heimat darf sich Penninger jedenfalls freuen. Erst recht, wenn die Trophäe mit der Post in Vancouver ankommt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)

Kulturerbe

Junge Talente „finden, fördern und begleiten“

Mit dem Wettbewerb Goldene Note unter- stützt Leona König Österreichs Nachwuchsmusiker auf dem nicht immer ganz einfachen Weg auf die großen Bühnen.

Es war eine kleine Weltpremiere – jenes Stück, das die 18-jährige Cellistin Ania Druml bei der Auszeichnung der „Österreicher des Jahres“ im Radiokulturhaus im Zusammenspiel mit DJ Mel Merio zur Aufführung brachte. Und es war ein schönes Beispiel für die Arbeit Leona Königs, die es sich zum Ziel gemacht hat, talentierten jungen Künstlern Bühnenerfahrung und Aufmerksamkeit zu verschaffen.

„Goldene Note“ heißt jener Wettbewerb, den König dafür vor vier Jahren ins Leben gerufen hat (die vielseitig begabte Ania Druml war Preisträgerin im ersten Jahr – damals am Klavier). In Auditions sucht dabei eine Jury, in der die wichtigsten Musikinstitutionen und Universitäten vertreten sind, nach Nachwuchstalenten im Alter zwischen fünf und 18 Jahren; die ausgewählten Kinder und Jugendlichen treten dann bei einem jährlichen Galakonzert auf.

 

„Ziel, dass andere mitziehen“

Dabei geht es König, selbst Mutter einer begabten Tochter, nicht nur darum, den Kindern eine große Bühne zu bieten, „sondern auch darum, sie nachhaltig zu unterstützen. Ich will die jungen Talente finden, fördern und weiter begleiten.“ Ein Anliegen, das, sagt König, auf immer mehr Resonanz stößt.

„Ich sehe langsam nicht nur am Publikum, sondern auch an den Künstlern, dass das Interesse geweckt wird.“ Auch hier sei Ania Druml ein gutes Beispiel; in den vergangenen Jahren seien andere Künstler bereits auf sie aufmerksam geworden. „Erst unlängst“, sagt König, „ist sie im Musikverein aufgetreten. Das ist etwas, was mir besonders Freude macht – dass ich mit meinem Engagement erreiche, dass andere Leute mitziehen.“

Insgesamt sind es rund 50 Kinder und Jugendliche aus ganz Österreich, die von Leona König und ihrer Stiftung, der International Music Foundation for Highly Gifted Children, inzwischen begleitet werden. Für sie gibt es etwa Hilfe bei der Suche nach jeweils passenden Ausbildungsmöglichkeiten, Masterclasses oder bei Bedarf auch finanzielle Unterstützung.

Seit dem Vorjahr verfolgt König außerdem das Konzept, Künstler wie Juan Diego Flórez, Valentina Nafornita, Lidia Baich – sie war dabei, als König von Sender-Chef Peter Schöber mit der Austria-Trophäe bei einem Dreh für ORF III überrascht wurde – oder Hyung-ki Joo an Bord zu holen, „die einen sehr, sehr großen Beitrag bei der Unterstützung der Kinder leisten, weil sie selbst genau wissen, wie schwer der Weg auf die großen Bühnen ist.“

 

Bedarf in der Kulturweltstadt

2020 gab es erstmals auch eine Kooperation mit dem ORF; coronabedingt in anderer Form als geplant mit einer „Goldenen Note spezial“, die in voller Länge auf ORF III ausgestrahlt wurde. Inzwischen, sagt König, gebe es bereits mehrere neue Projekte. Genaueres dürfe sie noch nicht verraten – außer so viel dann doch: „Wir haben unsere Kooperation mit dem ORF vertieft.“ Daneben laufen die Vorbereitungen für die Auditions für die Goldene Note 2021.

Den Bedarf für ihre Arbeit sieht König jedenfalls als gegeben an. Denn Wien sei zwar Kulturweltstadt, „aber dafür, Kinder schon in sehr jungem Alter zu fördern, wird leider sehr wenig gemacht“.

Die Auszeichnung im Bereich Kulturerbe – und die Freude „ihrer“ jungen Musiker darüber – sei ein großer Ansporn, sich weiter für den Nachwuchs einzusetzen. „Für mich ist das eine Auszeichnung, die nicht nur mir gehört, sondern den Kindern, die hart arbeiten und Zeit und Fleiß investieren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)

Innovation

Die Boys und Marie haben die Krise eingekocht

Weil sie im Sommer keine Praktikumsplätze bekamen, gründeten sie einfach ein Pop-up-Restaurant.

Sie sind zwischen 17 und 19 Jahre alt, gehen großteils noch zur Schule und wurden diesen Sommer doch so etwas wie ein Synonym für „Krisenbewältigung“. Dafür erhielten Die Boys und Marie den Sonderpreis der Wirtschaftskammer in der Kategorie Innovation im Rahmen der Prämierung der „Österreicher des Jahres“.

Moritz Pennetzdorfer, Ian Straight, Marvin Sumaric-Steininger, Nathanael Iles und Riccardo Regvart besuchen die Tourismusschulen in der Bergheidengasse bzw. Wassermanngasse in Wien. Alle standen im Frühling vor dem gleichen Dilemma. Aus ihren tollen Praktikumsplätzen wurde nichts. Die Restaurants sagten allesamt aufgrund der Coronapandemie ab. Was dann geschah, steht in großen Lettern auf ihrer Homepage: „Wir schaffen uns unseren Praktikumsplatz selbst!“

Mit Unterstützung ihrer Eltern, ihrer Lehrer und vieler Sponsoren stampften sie in wenigen Wochen ein eigenes Pop-up-Restaurant aus dem Boden. Fürs Service und den Empfang kam ihnen Marie Söllhammer zu Hilfe. Die Boys und Marie waren perfekt. Als Location fand sich ein ehemaliges Priesterwohnheim in der Wiener Ungargasse. Das Ergebnis war schräg, chillig und kulinarisch anspruchsvoll.

Seit Ende September drücken die Boys wieder die Schulbank. Aber so viel verriet Moritz Pennetzdorfer bei der Preisverleihung im ORF-Radiokulturhaus: „Wir werden nächstes Jahr wieder irgendwo aufpoppen.“ Mehr wird vorerst nicht verraten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)

Digitalisierung

Spielerisch lernen in digitalen Zeiten

Die Wiener Digitalagentur Ovos Media vermittelt Lerninhalte durch Spaß und Begeisterung.

Für Jörg Hofstätter stehen die „Lehrer immer im Zentrum der Bildung“. Das betont er stets, auch wenn er und seine Mitarbeiter in der Wiener Digitalagentur Ovos Media die Lernräume gern erweitern möchten. Ovos entwickelt digitale Erfahrungswelten und ist damit in den Tagen von Distance Teaching mehr denn je am Puls der Zeit. Bei Ovos stellt man sich die Frage, wie man Jung und Alt fürs Lernen begeistert. Anleitungen nehmen sie dabei aus der Welt der Computerspiele. Dort sind die Methoden, wie man Spieler bei der Stange hält, bekannt. Wer ein „Computer-Kid“ zu Hause hat, weiß ein Lied davon zu singen. Was macht diese Computerspiele aus? „Sie belohnen, sie geben ein Gefühl der Produktivität und zeigen genau, wo man steht“, sagt Hofstätter. Genau so sollte Lernen auch funktionieren. Lang vor Corona hat man bei Ovos erkannt, dass die Digitalisierung eine große Chance in der Wissensvermittlung bietet. Deshalb erhielt Ovos den Sonderpreis der Wirtschaftskammer in der Kategorie Digitalisierung.

„Die digitale Lernwelt schert nicht alle über den Kamm“, sagt Hofstätter. Während Lehrkräfte verschiedene Talente in einer Klasse unter einen Hut bringen müssen, führe die Digitalisierung zu einer Individualisierung, etwa wenn es darum geht, Unterrichtsstoff zu erarbeiten. Vor allem auch bei lernschwachen Kindern. Ovos dabei nur auf schulisches Lernen zu beschränken, tut dem Unternehmen unrecht. Es ist auch in der unternehmerischen Weiterbildung tätig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)