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Replik

Warum es wichtig ist, dass die Bundesheer-Leistungsschau am Heldenplatz stattfindet

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP), Brigadier Kurt Wagner und Regisseur Stefan Ruzowitzky bei einer Pressekonferenz zur Leistungsschau.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP), Brigadier Kurt Wagner und Regisseur Stefan Ruzowitzky bei einer Pressekonferenz zur Leistungsschau.APA/HERBERT NEUBAUER
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Es ist wichtig, dass die bewaffnete Macht auf diesem historischen Platz gelobt, „Österreich und das Österreichische Volk zu schützen“.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

„Eignet sich der Heldenplatz für Angelobung und Leistungsschau überhaupt“ fragt Anna Goldenberg in „Die Presse". Und sie stellt fest: „Zwar war der Ort schon Gastgeber vieler historischer Ereignisse, aber sieht man hier Waffen auffahren, ist die Assoziation mit der Verkündung des "Anschluss" 1938 nicht zu leugnen. Damals zog die NS-Militärparade über Mariahilfer Straße und Ring auf den Heldenplatz.“

Der Heldenplatz ist voller Geschichte, war Aufmarschplatz des Bundesheers der 1. Republik, ist Standplatz eines Reiterdenkmals, das -  im Gegensatz zu vielen anderen - nur auf zwei Füßen steht, Namensgeber für Literatur, ein Ort, an dem die Staatsspitze Kränze niederlegt und er ist seit kurzem auch Tagungsort des Parlaments.

Er ist für viele aber vor allem historisch belastet. Adolf Hitler hat hier am 15. März 1938, vor begeisterten Menschenmassen den „Anschluss Österreichs“ Österreichs an das Deutsche Reich verkündet. Umkränzt und dekoriert von seinen Soldaten.

Und deshalb ist es der falsche Ort, ohne Geschichtsbewusstsein unsensibel ausgewählt, gerade hier eine Leistungsschau des Bundesheeres zu zelebrieren, meinen die Kritiker.

Gerade weil dieser Platz historisch belastet ist, ist es wichtig zu zeigen, dass das demokratische Österreich und seine Institutionen diesen Platz fest im Besitz haben.

Aber ist nicht genau das Gegenteil richtiger: Es ist gut und wichtig, dass gerade hier, an diesem historischen Platz jedes Jahr die bewaffnete Macht Österreichs - denn genau so wird das Bundesheer in unserer Verfassung bezeichnet - vor der Öffentlichkeit gelobt, „Österreich und das Österreichische Volk zu schützen“. Dieser Platz gehört uns, den Bürgern, den demokratischen Institutionen der Republik und damit uns Soldaten. Genau jene Soldaten, die hier jedes Jahr auf die Republik angelobt werden, die der interessierten Bevölkerung zeigen, was mit ihren Steuergeldern gekauft wurde und wofür es verwendet und eingesetzt wird. Jedes Jahr geloben Wehrpflichtige am Heldenplatz, unter Anwesenheit des Bundespräsidenten und der Regierung, für alle hörbar, die Demokratie, die Meinungs-und Pressefreiheit und alle damit verbundenen Werte, „mit der Waffe“ und damit auch mit ihrem Leben zu verteidigen. Es sind wohl auch jene Werte, die für Frau Goldenberg bedeutet sind.

Ich bin daher froh, dass unsere Soldaten dieses Bekenntnis genau auf diesem Platz und für alle sichtbar machen. Gerade weil dieser Platz historisch belastet ist, ist es wichtig zu zeigen, dass das demokratische Österreich und seine Institutionen diesen Platz fest im Besitz haben. Und ihn auch nicht mehr hergeben. Und alles unterscheidet uns von jener Armee, die 1938 auf diesem Platz stand: Das Bundesheer ist die Armee eines demokratischen Staates, kontrolliert vom Parlament, gebildet aus Wehrpflichtigen aus allen sozialen Schichten, eine Integrationsarmee, geführt von Soldaten, die aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Und was sollte dagegensprechen, dass gerade unsere eigenen Soldaten jenen Platz nutzen, den fremde Armeen besetzt hatten?  

Corona ändert den bisherigen Ablauf der Leistungsschau: Sie verlegt ihn vom Heldenplatz ins Wohnzimmer; das Internet und der ORF machen es möglich. Aber der Platz bleibt besetzt. Durch Soldaten, die unsere Söhne und Töchter, unsere Väter und Mütter sind. Und die bereit sind, unsere Demokratie, unsere Freiheit und unsere westlichen Werte zu verteidigen. Und das sollen alle hören und sehen. Und jeder soll sehen, dass diese Soldaten genau am Heldenplatz stehen.

Oberst Mag. Michael Bauer (*1965) ist seit 2009 Sprecher des Verteidigungsministeriums.