Interview

Andreas Treichl: „Manches muss man einfach machen. Punkt“

Andreas Treichl: „Krisenmodus ist relativ einfach: Es heißt, alle seine Kräfte zu bündeln.“
Andreas Treichl: „Krisenmodus ist relativ einfach: Es heißt, alle seine Kräfte zu bündeln.“ (c) Die Presse (Clemens Fabry)
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„Viel Geld zu verdienen per se, ist kein Ziel“, sagt Andreas Treichl seinen drei Söhnen immer wieder. „Vielmehr soll man machen, was man gern tut, das aber besonders gut.“ Dass die Covidkrise die Menschen und Unternehmen so unterschiedlich trifft, erschüttert ihn. Zuversichtlich bleibt er dennoch. Wie sein Krisenmodus aussieht, verriet er der „Presse am Sonntag“.

Sie sind jemand, der die Bereitschaft, Risiko einzugehen und Entscheidungen zu treffen, hochhält. Wurden Sie von Ihren Eltern erzogen, Verantwortung zu übernehmen?

Andreas Treichl: Wahrscheinlich war der Einfluss meiner Mutter für mich maßgeblich. Sie sagte immer wieder, dass man im Leben Sinnvolles machen und seine Begabungen dafür einsetzen soll, anderen Menschen zu helfen – ohne darum großes Aufsehen zu machen. Sie war eine sehr ernsthafte Frau, hat aber manchmal Entscheidungen, die weitreichend waren, sehr locker genommen. Da habe ich mitbekommen, dass es an einem selbst liegt, Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen. Manches muss man einfach machen. Punkt.


Ernsthaft zu sein und gleichzeitig mit einer gewissen Lockerheit zu entscheiden, schließt sich demnach nicht aus.

Stimmt. Wenn man sich alles bis ins letzte Detail überlegt und nur dann eine Entscheidung trifft, wenn man sich seiner Sache zu 100 Prozent sicher ist, dann wird man selten etwas verändern können. Wer Entscheidungen trifft, die wirklich etwas bewirken, nimmt immer das Risiko in Kauf, dass er falsch liegt. Diesbezüglich habe ich extrem viel in den USA gelernt, wo ich – aus verschiedenen Gründen – gleich nach meinem Studium hingegangen bin. Ich hatte dort einen Freund, der sehr erfolgreich und wohlhabend war. Als ich nach Amerika kam, hatte ich überhaupt kein Geld. Er war so nett und lud mich immer wieder zum Segeln und in seinen Klub zum Tennisspielen ein. So bin in den Genuss von Sachen gekommen, die ich mir damals nie hätte leisten können. Doch wenig später ging er pleite und musste sein Leben von einen Tag auf den anderen total umkrempeln. Er musste aus all seinen Klubs austreten und hat für ein Unternehmen gearbeitet, das Milch auslieferte. Doch er hat sich wieder hochgearbeitet. Zwei Jahre später war er wieder super wohlhabend.


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