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Walk of Häme

Echte Angst zu Halloween

Oder: Warum Kärnten sich positiv abhebt und warum das gar nicht negativ ist.

Die aktuelle Lage öffnet auch bei ganz harmlosen Gesprächen einigen Raum für Missverständnisse: „Hallo, wie geht's denn so?“ „Ich bin positiv.“ „Um Himmels willen, hast du schon Symptome?“ „Nein, du hast mich falsch verstanden, ich bin negativ.“ „Oje, das tut mir leid, Kopf hoch, das wird schon wieder werden.“ Der Umstand, dass negativ zu sein positiv ist und umgekehrt, ist nur eines der gewöhnungsbedürftigen Phänomene und kann als Chiffre für die paradoxe Situation herhalten.

Zu der Ende Oktober, Anfang November auch Folgendes gehört: ein bundesweiter Ferienstart, mit dem behördlichen Appell, auch ja zu Hause zu bleiben; ein Halloween-Fest, bei dem sich die zu Hause Heimgesuchten erstmals tatsächlich vor den verkleideten Kindern fürchten; und Trauernde und Gedenkende, die, wenn sie unvorsichtig sind, den Tod auf den Friedhof bringen könnten.

Doch es gibt auch (tatsächlich) Positives im (wirklich) Negativen: So kann sich Kärnten freuen, als einziges Tourismusland ohne Reisewarnung dazustehen und unter Umständen einen großen Teil des verbleibenden Touristenkuchens abzubekommen und so finanziellen Boden nach der Hypo-Alpe-Adria-Pleite gutzumachen. Vielleicht zahlt es sich sogar aus, den Stadionwald wieder zu eröffnen.

Wobei die Corona-Ampel immer wieder für Staunen sorgt. Nachdem den ganzen Wiener Wahlkampf lang über eine rote Ampel für Wien spekuliert wurde, mit dem Zusatz, Wien sei nur wegen der Wahl noch nicht hochgestuft, gilt plötzlich für den ganze Westen die allerhöchste Warnstufe, aber die Bundeshauptstadt ist immer noch orange. Weder in terms of Pandemie noch politisch ist zwei Wochen nach der Wahl absehbar, ob am Ende doch wieder rot, grün oder Rot-Grün kommt.

In den USA geht es am 3. November um Rot oder Blau. Wobei sich der politische Farbcode dort unserem gängigen Verständnis widersetzt. Rot ist nämlich die Farbe der Republikaner, die heftig dagegen ankämpfen, dass in den USA sozialistische Strukturen entstehen (wozu ihrem Verständnis nach auch schon ein funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem zählt). Die Demokraten wiederum sind blau, was nach österreichischem Verständnis besser zu den Positionen von Donald Trump passen würde. Aber wie gesagt: Es ist viel Raum für Missverständnisse.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2020)