Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Studie: Wickeln und Putzen sind Frauensache

Studie Wickeln Putzen sind
(c) Clemens Fabry
  • Drucken

Immer mehr Männer arbeiten zwar im Haushalt mit. Doch zwei Drittel der unbezahlten Tätigkeiten werden nach wie vor von Frauen verrichtet, besonders die Kinderpflege, Wäsche und Putzen.

WIEN (pri).Das Lob der Frauen für die Männer klingt folgendermaßen: Sie packen deutlich stärker im Haushalt mit an als noch vor 30 Jahren, sie kochen und verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern. Doch gewisse Dinge, so scheint es, ändern sich nie oder nur sehr langsam: Frauen erledigen immer noch zwei Drittel der unbezahlten Arbeit, während sich Männer – so sagt es Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) – „die Rosinen herauspicken“.

Zu diesem Schluss kommt die „Zeitverwendungsstudie 2010“, die von ihrer Vorgängerin Doris Bures (jetzt Infrastrukturministerin) in Auftrag gegeben und am Donnerstag von Heinisch-Hosek präsentiert wurde. Über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr (März 2008 bis April 2009) hatte die Statistik Austria 8000 Österreicher veranlasst, ihre Tätigkeiten auf Tagebuchblättern detailreich aufzulisten.

Dabei stellte sich heraus, dass Frauen 66 Stunden pro Woche arbeiten, wovon 41 Prozent nicht bezahlt werden. Männer kommen auf 64,3 Wochenarbeitsstunden – 25 Prozent davon entfallen auf unbezahlte Tätigkeiten. Das Fazit der Studienautoren: Haushalt und Kindererziehung würden von Frauen gewissermaßen „nebenbei“ erledigt, und zwar auf Kosten ihrer Freizeit. Denn Männer haben mit täglich 4:16 Stunden mehr Zeit für sich als Frauen mit 3:34 Stunden.

„Der Mann kocht zwar ein Haubenmenü, überlässt das Schlachtfeld Küche aber der Partnerin“, analysiert die Frauenministerin die Lage in den österreichischen Haushalten. Erfreulich sei natürlich, dass sich deutlich mehr Männer daheim engagieren als früher: In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich ihre Zahl verdoppelt. Von „halbe-halbe“, sprich: einer wirklich partnerschaftlichen Aufteilung könne jedoch (noch) keine Rede sein, sagt Heinisch-Hosek.

Die Studie stützt ihre These: Männer machen sich daheim um täglich 86 Minuten weniger nützlich als Frauen (wobei heute insgesamt weniger Hausarbeit verrichtet wird; siehe Grafik). Das hat sich über die Jahre nur marginal geändert: 1981 wendeten Männer für den Haushalt 63 Prozent jener Zeit auf, die ihre Frauen dafür investierten. 2009 waren es 66 Prozent.

 

Männer kochen und kaufen ein

Was heute anders ist? „Beim Wocheneinkauf und Kochen sind die Männer durchaus engagierter“, sagt die Ministerin. 39 Prozent der Männer kaufen ein, 32 Prozent kochen. Doch andere Arbeiten seien immer noch Frauensache: Nur 26 Prozent der Männer beteiligen sich am Wohnungsputz, 15 Prozent waschen Wäsche, und elf Prozent nehmen ein Bügeleisen in die Hand.

Ein ähnliches Bild zeichnet die Kinderbetreuung: Väter, die sich im Jahr 2010 zwar verstärkt einbringen, legen vor allem dann besonderes Engagement an den Tag, wenn es um Aufgaben mit sozialer Anerkennung geht: Sonntagsausflüge etwa. Die „Knochenarbeit“ (Heinisch-Hosek), nämlich Füttern oder Windelwechseln, werde jedoch von den Müttern erledigt.

Die Frauenministerin sagt: „Ich will nicht, dass Männer weiter die Rosinenpicker bleiben.“ Was also tun? Einkommenstransparenz (ab 2011), Ausbau der Kinderbetreuung und Bewusstseinsbildung sind ihre Schlagworte. Im Herbst startet eine Imagekampagne für die Väterkarenz; Personalchefs sollen in Workshops unterrichtet werden, welche Vorteile karenzierte Väter ihren Unternehmen bringen. Denn Wunsch und Wirklichkeit klaffen hier weit auseinander: Heinisch-Hosek wünscht sich einen Männeranteil von 20 Prozent. Tatsächlich liegt er bei knapp fünf Prozent.

„Ob chic oder cool“, sagt die Ministerin, „die Väterkarenz soll normal werden.“ Notfalls – wenn der Erfolg weiter überschaubar bleibt – will sie deshalb das deutsche Modell andenken: Wenn der Partner nicht in Karenz geht, wird das Elterngeld um zwei Monate gekürzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2010)