Dürre, Überschwemmungen, Erbeben. Den Volkswirtschaften dieser Welt ist allein im heurigen ersten Halbjahr durch Naturkatastrophen ein Schaden von 70 Mrd. Dollar entstanden.
Wien(nst).Auch bei den Versicherungen haben sich die Unwetter mit 22 Mrd. Dollar zu Buche geschlagen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres kamen die Assekuranzen mit Schäden von elf Mrd. Dollar weit billiger davon, wie Zahlen des Rückversicherers Munich Re zeigen.
In Westeuropa liegen die Kosten derzeit bei 3,4 Mrd. Dollar. In Österreich dürfte die Lage etwas entspannter sein als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Verband der Versicherungsunternehmen beziffert das Ausmaß der Katastrophen mit über 200 Mio. Euro. Im Vorjahr hatten die heimischen Assekuranzen in Summe rund 570 Mio. Euro zu schultern. „Heuer war dennoch kein billiges Jahr“, sagt Verbandssprecherin Daniela Ebeert. Unwetter in Österreich haben die Allianz bislang 7,2 Mio. Euro und damit weniger als im Vorjahreszeitraum gekostet. Der Generali wurden Schäden mit einem Gesamtaufwand von rund 17 Mio. Euro gemeldet. Die Uniqa wollte vor der Präsentation der Halbjahreszahlen keine Werte bekannt geben.
Anders bei der Vienna Insurance Group, besser bekannt unter dem Namen Wiener Städtische Versicherung. Im ersten Halbjahr 2010 entstanden der Assekuranz konzernweit Schäden im Ausmaß von über 100 Mio. Euro. Rund die Hälfte der Kosten wird von der Rückversicherung übernommen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Ausmaß der Kosten um das Zweieinhalbfache angestiegen. In den ersten sechs Monaten des Vorjahres habe das Unternehmen, nach Abzug der Summen, die die Rückversicherung übernimmt, bloß 20 Mio. Euro zu bezahlen gehabt, sagt Vorstand Peter Hagen.
In Österreich lag die Bruttoschadenssumme zum Halbjahr bei über 25 Mio. Euro, in Tschechien waren es 33 bis 34 Mio. Euro. In Polen ist die Lage mit 16 bis 17 Mio. Euro nur bedingt besser. Aber: „Die Versicherungsdichte in Tschechien ist höher als in Polen“, wie Hagen erklärt.
Lebensversicherungen gefragt
Ungeachtet der Schlechtwetterereignisse konnte der Konzern sein Ergebnis in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 9,2 Prozent auf 196,4 Mio. Euro verbessern. Dies ist vor allem auf höhere Prämieneinnahmen zurückzuführen.
Diese erhöhten sich um in Summe 7,9 Prozent auf rund 4,6 Mrd. Euro. Vor allem das Wachstum im Bereich Lebensversicherung nahm sich mit einem Plus von 17,5 Prozent beachtlich aus. Zum Vergleich: Die Segmente Schaden/Unfall und Krankenversicherungen wuchsen um 1,3 Prozent. Das Wachstum führt Generaldirektor Günter Geyer, auf die akquirierte s-Versicherung zurück, die die Produkte der VIG vertreibt. In ausgereiften Märkten werde zudem die Hälfte der Lebensversicherungen in Banken abgeschlossen, sagt Hagen. Auch das Geschäft mit Einmalerlägen (am Beginn der Laufzeit wird ein Betrag eingezahlt) zog um 25 bis 30 Prozent an. „Der ausgeprägte Wunsch zu sparen kommt uns zugute und führt zu den Zuwächsen“, sagt VIG-Chef Günter Geyer. Die Versicherungsleistungen des Konzerns erhöhten sich zum Halbjahr um 15,3 Prozent auf rund 3,4 Mrd. Euro.
Kosten sollen gekappt werden
Abseits der Ergebnisse hat das Unternehmen im Rahmen seines Kostensenkungsprogramms zehn Prozent seiner Mitarbeiter abgebaut. Bis Jahresende will der Konzern noch 20 Mio. Euro von in Summe hundert Mio. Euro einsparen. Künftig werde es kein Schwerpunktprogramm dieser Art geben, sagt Geyer. „Aber wird sind bemüht, unsere Einsparungsziele weiter fortzusetzen. Die Kosten sollen stabil bleiben.“ Auf Zahlen wollte sich Geyer nicht festlegen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2010)