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Studie mit Sensoren

Fledermäuse betreiben Social Distancing, wenn sie krank sind

Bei Krankheit: Vampifledermäuse sondern sich von ihren Artgenossen ab
Bei Krankheit: Vampifledermäuse sondern sich von ihren Artgenossen ab(c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
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Berliner Forscher und US-Kollegen haben wilde Fledermäuse nachverfolgt, die bei Krankheit von ihren Artgenossen Abstand halten. „Es ist eine natürliche Reaktion, um den Erreger zu stoppen.“

In Gefangenschaft konnte das Phänomen bereits beobachtet werden, nun haben Forscher des Naturkundemuseums Berlin und US-Kollegen von der Ohio State University auch in der Wildnis Social Distancing bei Fledermäusen nachweisen können.

In der neu präsentierten Studie haben sie herausgefunden, dass Vampirfledermäuse mit Krankheitssymptomen deutlich weniger Zeit mit ihren Artgenossen verbringen als üblich. "Dadurch, dass kranke Tiere weniger Kontakt zu gesunden Artgenossen haben, kann sich ein Erreger langsamer verbreiten,“ sagt der Erstautor der Studie, Biologe Simon Ripperger zur Deutschen Presse-Agentur.

Im Normalfall seien die untersuchten Fledermäuse hochsoziale Tiere. „Wir vermuten, dass das Abstandhalten eine natürliche Reaktion ist, denn die kranken Fledermäuse waren lethargisch und schliefen mehr,“ so Ripperger. „Sie betreiben gegenseitige Fellpflege und teilen Nahrung,“ sagt der Biologe. Bei Krankheitsfällen seien diese Interaktionen deutlich seltener.

31 Fledermäuse in Mittelamerika nachverfolgt

Für das Experiment sind in der Wildnis von Lamanai, Belize, 31 Weibchen eingefangen worden. Der Hälfte wurde ein Substanz verabreicht, die für sechs bis zwölf Stunden eine bakterielle Infektion simuliert. Daraufhin wurden die Flugtiere mit Näherungssensoren ausgestattet und wieder entlassen. „Die Sensoren erfassen sekundengenau, wer sich in wessen Nähe befindet. Außerdem lässt sich messen, wie nah sich die Tiere kommen,“ erklärt der Berliner Forscher.

„Diese Hightech-Sensoren aus Eigenbau eröffnen uns völlig neue Perspektiven auf das höchst dynamische Sozialverhalten dieser Fledermäuse. Derartige Experimente in freier Wildbahn durchzuführen und zeitgleich Veränderungen im sozialen Netzwerk einer ganzen Kolonie im Sekundentakt beobachten zu können, war bisher undenkbar.“

Viel wichtiger als diese erste Erkenntnis, im sehr kleinen Versuchsaufbau mit nur 31 Tieren, sei laut dem Forscher die neuartige Forschungsmethode mit Sensoren. Erstmals sei es möglich genauere Daten über die Bewegung von Tieren in der freien Wildbahn zu sammeln, als durch bloße Beobachtung.

Damit könne die Ausbreitung von Krankheiten auch bei anderen Organismen simuliert werden. Solche Daten könnten schon bald helfen, neue Erkenntnisse über die genaue Verbreitung von Krankheitserregern zu finden.

Die Ergebnisse aus der Fachzeitschrift "Behavioral Ecology"

(Red.)