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Blockchain im Börsehandel: „Das Risiko ist anders“

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Martin Fröhler, Gründer des Start-ups Morpher, über die auf Blockcahin basierten Smart Contracts, was Regulatoren von dezentralem Börsenhandel halten und über die Haftung bei einem Fehler im Algorithmus.

Wie funktioniert Morpher genau?
Martin Fröhler: Morpher ist ein Blockchain-Protokoll, das börsengehandelte Assets in Echtzeit beobachtet und auf der Blockchain virtuelle Kopien von diesen Märkten erstellt, die die Nutzer dann frei handeln können, und zwar über eine Kryptowährung. Die Kryptowährung, die auch wir aufgesetzt haben, dient als Settlement Currency für den Börsenhandel dieser virtuellen Kopie. Man kann sich das so vorstellen: Wenn jemand hundert von unseren Morpher-Token hat, dann kann er diese Token auf die Wertentwicklung eines Marktes setzen, zum Beispiel die Apple-Aktie. Wenn die Apple-Aktie im Preis 10 Prozent steigt, erhält der Nutzer 110 Token, wenn die Aktie fällt, verliert er Token. Das Ganze funktioniert ohne Mittelsmänner und ohne Gegenpartei – es ist ein Smart Contract, der die neuen Token erzeugt oder Token vernichtet.
 
Wie garantiert Morpher Liquidität?
Wir garantieren Liquidität, indem der Smart Contract Token minten und burnen kann, also erzeugen und zerstören. Das kann man sich so vorstellen, als würde man mit der Zentralbank eine Wette abschließen. Die Zentralbank geht in die Wette mit dem Einsatz, neues Geld zu drucken – wenn man verliert, verbrennt die Zentralbank das eingesetzte Geld. Das ist ein System mit garantierter Liquidität, da der Smart Contract per Design Token auszahlen kann.
 
Beim Börsenhandel geht es auch um Geschwindigkeit, kann die Blockchain da mithalten?
Die Blockchain-Lösungen, die derzeit am Markt sind, können das in der Regel nicht. Ethereum hat zum Beispiel das Problem, dass es eine 15-sekündige Block Time hat. Eine Transaktion braucht mindestens einen Block, um auf der Blockchain verifiziert zu werden, also mindestens 15 Sekunden. Um dieses Problem zu lösen, haben wir eine Ethereum-basierte Blockchain entwickelt, also eine Sidechain, die eine Block Time von nur einer Sekunde hat. Diese Sidechain haben wir kryptografisch mit der Ethereum-Blockchain verschränkt, damit sie von der Sicherheit der Haupt-Blockchain profitiert, wir aber gleichzeitig unseren Kunden gebührenfreien Handel im 1-Sekunden-Bereich anbieten können.
 
Ihr seid Ende August gestartet, wie ist der Handel angelaufen?
Es wird schon sehr viel getradet. Wir haben jetzt über 2500 aktive User pro Tag und im Wochenverlauf über 10.000. Das Schöne an der Plattform ist, dass die Nutzer kein Mindestkapital brauchen, sondern im Moment die Token zum Handeln verwenden, die sie von uns per Airdrop gratis bekommen haben.
 
Wie viel ist einer dieser Token wert?
Im Moment 1,4 Dollar-Cent, aber wie bei jeder Währung ist das ein Spiel von Angebot und Nachfrage.
 
Der Token war zu Beginn gratis und ist jetzt sehr wenig wert – ist der Handel auf Morpher derzeit eher eine Spielerei?
Das kommt auf den Einsatz an. Man kann das natürlich jetzt schon sehr ernst betreiben. Unser Token ist auf einer dezentralen Börse, Uniswap, gelistet und man könnte dort theoretisch 10.000 oder 50.000 Euro einsetzen, um Token zu kaufen. Dann kann man diese Token auf Morpher handeln und auf Uniswap wieder zurücktauschen.
 
Was halten Regulatoren von dezentralem Börsenhandel wie auf Morpher?
Wir haben bewusst Europa als Standort gewählt, weil die Regulierung hier weiter fortgeschritten ist als in Amerika. In Amerika gibt es nur ein sehr altes und nicht sehr klares Framework. Die meisten Assets fallen in die Definition eines Wertpapiers. In Europa gibt es ein recht klares Regelwerk, nach dem beurteilt werden kann, ob ein Krypto-Asset nun ein Finanzinstrument ist oder nicht. Wir arbeiten in Österreich mit der Kanzlei Stadler Völkel zusammen, die uns geholfen hat, das so zu strukturieren, dass es ihrer und unserer Ansicht nach kein Finanzinstrument ist – hier in Europa. Der Grund ist einfach: Es gibt bei Morpher im Unterschied zu anderen Finanzplattformen keine Gegenpartei. Jeder Finanzkontrakt ist ein Kontrakt zwischen zwei Parteien mit einer Verpflichtung der Parteien zueinander. Das fällt bei Morpher weg, da es von keiner zweiten Partei eine Verpflichtung gibt. Wir sind davon überzeugt, dass Morpher kein Finanzinstrument ist und haben das auch schon von einigen europäischen Regulatoren bestätigen lassen. Wir warten derzeit gespannt auf eine Antwort der FMA.
 
Wer haftet, wenn der Algorithmus einen Fehler hat?
Das ist eine gute Frage. Im Prinzip gibt es keine Haftung. Sollte ein Smart Contract tatsächlich einen Fehler haben, könnt es im schlimmsten Fall für jeden Besitzer des Tokens heißen, dass diese wertlos sind. Das Risiko hat man auch bei Aktien: Wenn mit der Firma, die hinter der Aktie steht, etwas schiefgeht, dann wird die Aktie an Wert verlieren oder sogar wertlos. Dieses Risiko besteht auch bei Morpher. Das ist das Contract Risk, das alle Defi-Projekte mit sich bringen. Wir schauen natürlich, dass wir dieses Risiko minimieren, es gibt aber nie eine hundertprozentige Garantie.
 
Ist das Risiko für einen Trader höher als beim traditionellen Börsehandel?
Ja und nein, das Risiko ist anders. Beim traditionellen Handel hat der Trader eine Gegenpartei und einen Treuhänder, der seine Funds aufbewahrt. Aber auch Broker und Investmentbanken können pleitegehen, wie Lehman Brothers zum Beispiel. Dieses hohe systemische Risiko der Finanzbranche fällt bei uns weg, weil der Smart Contract per Design solvent ist – er kann die Token erzeugen, um jede Wette auszubezahlen. Bei uns gibt es stattdessen das Contract Risk.