Unter dem Motto #herzschlag-oesterreich berichten oberösterreichische Unternehmer, wie sie die Zeit der Corona-Krise erleben und wie sie Österreichs Wirtschaft wieder in Schwung bringen.
Der sogenannte „Green Deal“ der Europäischen Kommission sieht vor, Europa bis 2050 treibhausgasneutral zu machen. Für die Industrie bedeutet diese Zielsetzung eine enorme Herausforderung – und dennoch sei die Industrie laut Franz Peter Mitterbauer, Vizepräsident der Industriellenvereinigung (IV) und CEO der Miba AG, bereit, Verantwortung zu übernehmen, um die Klimaziele zu erreichen. „Klar ist aber auch, wir stehen im globalen Wettbewerb und Verantwortung bedeutet auch, dass wir Wohlstand sichern“, sagt Mitterbauer im „Presse"-Online-Interview. „Daher müssen wir die europäischen und nationalen Klimaziele so gestalten, dass kein Wettbewerbsnachteil für unseren Standort entsteht, sonst wird man vom Industriestandort Europa eines Tages sagen: Die Industrie stand dort.“
Drohende Kostenexplosion
Für die Industriellenvereinigung steht außer Frage, dass die Industrie der Schlüssel für eine klimaneutrale Zukunft ist. Europa gehe weltweit mit gutem Beispiel voran. Jetzt muss man allerdings aufpassen, bei den Wunschvorstellungen nicht übers Ziel zu schießen. „Die Europäische Kommission möchte die CO2-Reduktion bis 2030 von aktuell minus 40 Prozent auf minus 50 bis 55 Prozent anheben.“ Das kann negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie mit sich bringen. „Die aktuellen CO2-Reduktionsziele der EU sind bereits die ambitioniertesten weltweit.“ Besonders kritisch sieht Mitterbauer die Kosten, die mit dieser weiteren Zielerhöhung einhergehen und er stellt die Frage: „Wer wird das bezahlen?“ Laut Schätzungen soll der angestrebte Kurs an die minus 50 Prozent-Marke in den nächsten zehn Jahren rund 4000 Milliarden Euro verschlingen – und das ohne zusätzlichen BIP-Wachstum. Deshalb lautet Mitterbauers Appell: „Wir müssen Wohlstand und Ökologie gemeinsam denken, um eine starke europäische und nationale Industrie sicherzustellen. Nur dann kann der Green Deal ein Erfolg werden.“
Zwei wesentliche Faktoren
Gerade Österreich als Exportland sichert sich durch seine Industrie den hohen Wohlstand. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, bedarf es laut Mitterbauer vor allem zwei Grundvoraussetzungen. „Wir brauchen Technologieoffenheit und Technologieneutralität.“ Beide Faktoren lassen sich etwa am Thema Mobilität gut veranschaulichen.„Die Mobilität der Zukunft benötigt Technologieoffenheit für alle Antriebskonzepte, die maßgeblich zur CO2-Reduktion beitragen.“ Der zweite Punkt - Technologieneutralität - bedeutet die Gesamtbetrachtung des ökologischen Fußabdrucks. „Im Falle der Mobilität, die ganzheitliche Betrachtungsweise der Gesamtenergiebilanz von Antriebskomponenten. Das ist zentral, um Klimaschutz voranzutreiben.“ Mitterbauer vermisst in der aktuellen Debatte eine Gesamtkostenbetrachtung, aber auch eine Gesamtbetrachtung des ökologischen Fußabdrucks und wünscht sich von der Politik Maßnahmen, um Wohlstand und Arbeitsplätze in Europa, aber vor allem auch in Österreich zu sichern.
Compliance-Hinweis
Diese Serie entsteht in redaktioneller Unabhängigkeit und wird von der Industriellenvereinigung Oberösterreich finanziell unterstützt.