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Früher bestand oft der Wunsch nach einer bewusst erlebten Sterbestunde.
Sterbehilfe

Diskussion Sterbehilfe: Tod auf Rezept?

Wir wollen dem Tod heute nicht mehr ins Auge sehen und hegen die Hoffnung auf einen leichten, möglichst nicht wahrgenommenen Übergang. Vom Verlust der Autonomie und der ersehnten Selbstbestimmung am Lebensende.

Selbstbestimmung und uneingeschränkte Selbsterschaffung sind die großen Versprechen der Neuzeit, der Tod als das ohnmächtige Ende des Trägers aller Selbstbestimmung ist die ebenso große wie beständige Kränkung des neuzeitlichen Menschen: „Du wirst von allen Einschränkungen frei nach deinem eigenen freien Willen . . . dir selbst deine eigene Natur bestimmen, . . . damit du wie ein Former und Bildner deiner selbst nach eigenem Belieben und aus eigener Macht . . . dich ausbilden kannst.“ So lässt im Jahre 1486 der erst im 24. Lebensjahr stehende Florentiner Philosoph des Renaissance-Humanismus Pico della Mirandola in seiner berühmten „Oratio de hominis dignitate“ („Rede über die Würde des Menschen“), die gleichsam ein Manifest der Autonomie des Subjekts ist, Gott zum Menschen sprechen. Der Humanismus der Renaissance leitet aber auch die Entwicklung der heute kulturprägenden Naturwissenschaften ein. In diesem neuen Weltbild spricht kein Gott mehr zu einem als frei gedachten Menschen, diesem steht nur mehr eine nach mathematischen Gesetzen ablaufende, letztlich mechanische, im Ursprung tote Natur gegenüber, als deren Herr und Gestalter er sich versteht.