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Geschlechter

Gleichstellung erst 2080

Die Coronapandemie dürfte die Ungleichheiten zwischen Mann und Frau vergrößern.

Wien/Vilnius. Europäische Frauen sind noch mindestens 60 Jahre von der Gleichstellung mit Männern entfernt: Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt die aktuelle Studie des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (Eige). Die Coronapandemie könne den Prozess sogar noch verlangsamen, warnen die Studienautoren. „Das Virus bedeutet auch für den Gleichstellungsprozess eine ernsthafte Gefahr, die wir uns nicht leisten können“, mahnt Eige-Direktorin Carlien Scheele. Immer noch sind es die Frauen, die einen Großteil der unbezahlten, häuslichen Arbeit übernehmen und durch Covid-19 größere wirtschaftliche Risken haben. „Frauen tragen noch mehr als sonst die Bürde der Care-Arbeit, die ihre Stellung in der Arbeitswelt verschlechtert“, so EU-Parlamentarierin Evelyn Regner, Vorsitzende des Ausschusses für Frauen und Gleichbehandlung.

Der Gender Equality Index misst in jährlichen Abständen die Ungleichheiten zwischen Mann und Frau in der EU in wichtigen Bereichen wie Arbeit, Geld, Zeit, Macht oder Gesundheit. Ein Wert von 100 Punkten würde völlige Gleichstellung bedeuten, doch im Schnitt kommen die Mitgliedstaaten auf 67,9 Punkte. Zuletzt verbesserte sich der Wert jährlich um etwa einen halben Prozentpunkt. Die Zugewinne waren hauptsächlich auf die Ernennung von Frauen für Vorstandsetagen und mehr Repräsentantinnen in der Politik zurückzuführen. Umgekehrt sind immer noch mehr Frauen als Männer in schlecht bezahlten Berufen im Gesundheits- oder Sozialbereich beschäftigt.

EU-weit schneiden Dänemark und Schweden in Gleichstellungsfragen am besten ab, während Ungarn und Rumänien die Schlusslichter bilden. Österreich liegt unter EU-Schnitt. (aga)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2020)