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Tennis

Aus im Viertelfinale: Ein letzter Applaus für Dominic Thiem

Dominic Thiem
Dominic ThiemGEPA pictures
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Für den geschwächten 27-Jährigen ist wie für den lustlosen Novak Djoković im Viertelfinale der Erste Bank Open Endstation. Es war für beide Superstars das letzte Turnier vor Fans für lange Zeit.

Dominic Thiem ist im Viertelfinale der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle ausgeschieden. Der Titelverteidiger unterlag Andrej Rublew in 1:34 Stunden Spielzeit mit 6:7 (5), 2:6. Dem Niederösterreicher machte nicht nur die Spielstärke seines Gegners, sondern im zweiten Satz auch eine Blase am rechten Fuß zu schaffen. „Nach dem ersten Satz sind die Probleme immer schlimmer geworden. Mehr war heute nicht möglich“, sagte Thiem, der bei Hallenturnieren immer wieder über Blasen am Fuß klagt.

Ob er kommende Woche beim ATP-1000-Event in Paris aufschlägt, möchte der US-Open-Champion heute, Samstag, entscheiden, „aber ich tendiere zu einer Absage, weil die Heilung einige Tage in Anspruch nimmt.“ Sein Antreten bei den ATP-Finals der acht besten Spieler in London (ab 15. November) sei jedenfalls nicht gefährdet.

Dass Rublew für Thiem eine große Hürde darstellen würde, war schon vor dem ersten Ballwechsel klar. Der Russe ist der Aufsteiger des Jahres und hält nach Siegen in Doha, Adelaide, Hamburg und St. Petersburg bei vier Saisontiteln – nur Novak Djoković hat eine solche Bilanz vorzuweisen.

Rublew letzter Top-10-Mann in Wien

Rublew gehört als aktuelle Nummer acht seit zweieinhalb Wochen den Top 10 der Weltrangliste an, zu Jahresbeginn war er noch die Nummer 23. Die Entwicklung des jungen Mannes aus Moskau, der zu Thiems favorisierten Trainingspartner zählt („Intensität und Qualität sind immer hoch“), ist beeindruckend. Aus einem schlagkräftigen Talent hat der spanische Ex-Profi Fernando Vicente (ATP-Nummer 29) einen Weltklassespieler ohne eklatante Schwäche geformt.

Präzise Aufschlage über 200 km/h und der permanente Druck über Vor- und Rückhand bereiten jedem Gegner Schwierigkeiten. „Er gehört für mich momentan zu den fünf besten Spieler auf der Tour“, erklärte Thiem. Rublew trifft im Halbfinale (ab 14 Uhr, live Servus TV, ORF Sport Plus) auf den Südafrikaner Kevin Anderson und ist der einzige Top-10-Spieler (bei fünf angetretenen) im Halbfinale der Erste Bank Open.

Lustlose Nummer eins

Die Sensation des Turniers lieferte am Freitagabend Lorenzo Sonego. Der Italiener – er war in der Qualifikation eigentlich schon ausgeschieden – rutschte als Lucky Loser in den Hauptbewerb und schlug dort im Viertelfinale sensationell Novak Djoković mit 6:2, 6:1.
Seinen lustlosen Auftritt versuchte der Serbe mit der durch den Viertelfinaleinzug bereits abgesicherten Nummer-eins-Position zum Jahresende zu rechtfertigen („Ja, das hatte einen Effekt“), gleichzeitig gratulierte er seinem Bezwinger. „Er hat fantastisch gespielt, mich vom Platz geschossen.“

In der Stadthalle fanden sich auch an diesem Freitag nur die erlaubten tausend Fans ein, doch auch die reduzierte Unterstützung genossen die Spieler, allen voran Dominic Thiem. Die Partien in Wien bedeuteten für den Lokalmatador und seine Kollegen außerdem die letzten Matches mit Fans für lange Zeit. Sowohl in Paris-Bercy kommende Woche als auch bei den ATP-Finals in London werden keine Zuschauer erlaubt sein. Und ob es beim Saisonstart 2021 in Australien Fans geben wird, ist derzeit noch nicht zu beantworten.

Nur tausend statt wie im Vorjahr 9000 in der Stadthalle, das war nicht nur für Thiem ein großer Wermutstropfen gerade bei der tollen Besetzung im Coronajahr. Dennoch sorgt auch ein Neuntel der Kapazität für recht gute Stimmung. „Ich genieße es sehr, es ist richtig schön“, meinte Thiem. Bei den Turnieren in den USA habe es viereinhalb Wochen gar keine Zuschauer gegeben. „In Paris waren zwar Zuschauer, aber die Stimmung war nicht so gut, weil es ein Freiluft-Turnier ist“, erinnerte sich der Niederösterreicher.

Angesichts stark steigender Fallzahlen in der Coronavirus-Pandemie schwebt über den rot-weiß-roten Sportveranstaltungen ein wahrscheinliches Aus für Fans vor Ort. (cg/red)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2020)