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Geld und Finanzen

Zentralbanken verkaufen erstmals Gold

Die Presse/Clemens Fabry
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Krisenbedingt ist das Edelmetall heuer auf ein Allzeithoch gestiegen. Einige Notenbanken machten daher Kasse.

Gold hat seinem Nimbus als sicherer Hafen wieder einmal alle Ehre gemacht. Schon zu Jahresbeginn. Als es im Jänner zwischen dem Iran und den USA kriselte, flüchteten Anleger rund um den Globus in das Edelmetall und verhalfen ihm zu einem Sieben-Jahreshoch auf Dollarbasis. Im Juli erreichte der Goldpreis schließlich ein neues Dollar-Allzeithoch. In Euro hatte der Goldpreis schon im Jänner ein Rekordhoch erreicht. Inzwischen ist das alles Makulatur. Der Goldpreis hat sich von seinem Jänner-Niveau nämlich weit entfernt – coronabedingt. Und zwar nach oben.

Für eine Feinunze (31,3 Gramm) müssen Anleger mittlerweile rund 1600 Euro oder 1870 Dollar auf den Tisch legen. Zwischenzeitlich waren es sogar noch mehr. Im August erklomm der Kurs nämlich ein neues Rekordhoch in Dollar (über 2000 Dollar) wie auch in Euro. Danach war aber die Luft raus, der Preis begann wieder zu fallen. Zwischen Juli und September sank dann auch die globale Goldnachfrage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent, womit sie auf den niedrigsten vierteljährlichen Wert seit dem dritten Quartal 2009 fiel.

Auch die Zentralbanken waren in diesem Zeitraum äußert zurückhaltend. Seit dem Jahr 2011 traten sie auf dem Markt kontinuierlich als Käufer auf. Doch im dritten Quartal dieses Jahres kam es erstmals seit rund zehn Jahren zu Nettoverkäufen. Das Minus belief sich allerdings nur auf zwölf Tonnen, da einige Zentralbanken, wie jene aus den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Katar, auch zukauften. Zu den Verkäufern zählten die Türkei mit 22 Tonnen Gold und Usbekistan mit 35 Tonnen.

Für die Türkei scheint die Sache klar: Die Währung des Landes steht derzeit unter massivem Abwertungsdruck, die Lira fällt von einem Rekordtief zum nächsten, weshalb die Zentralbank versuchen muss gegenzusteuern. Bisher gelang ihr das allerdings nicht. Was man aber auch dazu sagen muss: Seit Jahresbeginn zählt die Türkei nach wie vor zu den größten Goldkäufern. Die Bestände der Zentralbank belaufen sich inzwischen auf rund 560 Tonnen und machen damit fast die Hälfte der Reserven aus. Die Zentralbank ist seit dem Jahr 2017 auch der alleinige Ankäufer der inländischen Goldproduktion, was sich in diesem Jahr auch nicht ändern wird. Die Zentralbank hat angesichts ihrer zuletzt misslichen Lage zu einem guten Preis verkauft. Der Goldkurs dürfte vorerst nicht dramatisch nachgeben, er könnte aber Gegenwind von der Dollarstärke bekommen.