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Die Begeisterung der Trump-Fans ist auch nach vier Jahren ungebrochen.
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Geschichten des Jahres

Die gespaltenen Staaten von Amerika

Die Polarisierung der USA ist in der Ära Trump weiter vorangeschritten. Das rote, republikanische Amerika und das blaue, demokratische Amerika stehen einander zunehmend unversöhnlich gegenüber – gesellschaftlich, sozial, medial und politisch.

Geschichten des Jahres. Dieser Artikel ist am 1. November 2020 erschienen.

Ein Knopfdruck auf der Fernbedienung reicht, um sich in eine andere Welt zu versetzen. Wer in den USA die Nachrichtensender CNN und MSNBC verfolgt, um auf Fox News umzuschalten, wähnt sich in einem Paralleluniversum – und umgekehrt. So unterschiedlich beschreiben die Networks die Realität im Land, so explizit sprechen die einen die Demokraten, Progressiven und Unabhängigen an und die anderen die Republikaner und die Trump-Wähler. Zwischentöne und Nuancen sind rar geworden in der polarisierten und politisierten Medienwelt: Sag mir, was du schaust – und ich sag dir, wer du bist.

Wo da von Protesten die Rede ist, rückt dort der Fokus auf die Plünderungen. Werden auf dem einen Kanal waffenstarrende Milizen angeprangert, werden sie auf dem anderen als Verfechter von Freiheit und Waffenrecht gepriesen. Die Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt unter dem Banner der „Black Lives Matter“-Bewegung haben im Frühjahr die Gegensätze der US-Gesellschaft inmitten der Coronapandemie so grell ausgeleuchtet wie seit den späten 1960er-Jahren nicht.

Damals ging es um den Krieg im fernen Vietnam und die Attentate auf Martin Luther King und Robert Kennedy, die Massenproteste und bürgerkriegsähnliche Szenen auf den Straßen auslösten. Heute geht es um einen systematischen Rassismus, das Erbe der Diskriminierung, für die die Fälle George Floyd, Breonna Taylor oder Ahmaud Arbery prototypisch stehen – allesamt unschuldige Opfer, die Anlass waren für die Entladung eines lang aufgestauten Unmuts.